„Was sagen die Lehrenden und Forschenden der Hochschule Trier zur Coronakrise?“

Die Lehrenden und Forschenden der Hochschule Trier ordnen die aktuelle Situation aus verschiedenen fachlichen Perspektiven ein und stellen ihre Kompetenzen und ihre Expertise zu verschiedenen Fragestellungen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Anfragen können Sie gerne an presse(at)hochschule-trier.de richten.

Campus Gestaltung

„Die Zukunft wird digitaler“, das steht heute schon fest. Unsere Arbeitsweise erlebt durch den Virus eine enorme digitale Transformation. Die Konzentration auf neue Informations- und Kommunikationstechnologien durchdringen den gesamten Entwurfsprozess und werden diesen nachhaltig verändern. Impulse, Organisation und Ergebnisse werden, in einem zusammenhängenden Kreislauf, losgelöst von der realen Welt bewertet und genau hier besteht eine neue Gefahr.

„Denken und Machen“ sind in der Innenarchitektur eng miteinander verbunden. Wie für Otl Aicher ist das Anschauliche und die praktische Erfahrung eine wesentliche Grundlage für die Selbstbestimmung und die Gestaltung der Lebenswelt. „Analog und Digital“ ist daher nicht zu trennen. Somit müssen wir ein neues, wechselseitiges Format erfinden, um dem Überhang des Theoretischen auszugleichen. Wir freuen uns schon jetzt auf #AfterCorona und die Fortsetzung der digitalen Arbeit in den Werkstätten der Hochschule Trier.

Hochschule Trier

"Gerade jetzt ist es ein Hoffnungszeichen, zu sehen, wie eng Forschende in aller Welt virtuell kooperieren. Bei unserem internationalen Forschungsteam sehe ich, dass die Krise zwar kurzfristig Grenzen wieder entstehen lässt. Perspektivisch bauen wir aber auch ein Netz an nachhaltigen Beziehungen auf und rücken letztlich näher zusammen. Neben der Herausforderung eines gemeinsamen Projekts geht es nun plötzlich auch um die Bewältigung des Alltags. Als Kommunikationswissenschaftler bin ich hier unversehens selbst zum Forschungsgegenstand geworden – wie nehmen wir uns in globalen virtuellen Teams gegenseitig wahr, wie gehen wir mit dem Fehlen der so wichtigen Anwesenheit um. Das ist neu, und gerade im vielfältigen Europa wirkt es nachhaltig.

Unsere internationalen Studierenden und die Studierenden im Ausland sind hier in einer besonders schwierigen Lage. Sie bekommen die Isolation besonders zu spüren und sind von ihren Supportsystemen abgeschnitten. Hier möchten wir größtmögliche Unterstützung bieten. Der Start des digitalen Sommersemesters ist enorm wichtig, und ich freue mich, dass unsere Hochschule diese Herausforderung so engagiert angeht."

Hauptcampus

 „Wir sehen zur Zeit eine sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Möglichkeiten digitaler Zusammenarbeit in allen Lebensbereichen. Die Informatik unterstützt die Bekämpfung der Pandemie aber auch unmittelbar, beispielsweise mit der Aufdeckung von Infektionsketten durch Digital Tracing. Naturgemäß verwenden wir schon lange digitale Formate in Forschung und Lehre. Inzwischen können wir unseren Studierenden praktisch alle Lehrveranstaltungen online anbieten. Dabei kommen neben etablierten Formen des Distance Learning auch spezielle Anwendungen zum Einsatz, z.B. zur automatischen Bewertung von Lösungen für Programmieraufgaben.

Eine der Konsequenzen aus der Corona-Krise sollte eine substantielle Stärkung der Grundlagenforschung sein, damit wir mehr wissenschaftliche Erkenntnisse auf Vorrat anlegen."
 

Hauptcampus

"Die in ihrem Ausmaß zunächst unterschätzte COVID-19-Pandemie wird heftige wirtschaftliche und finanzielle, möglicherweise auch gesellschaftliche Probleme zur Folge haben. Branchen, Produktions- und Arbeitsweisen, die schon zuvor unter Druck standen, z.B. solche mit hohem Mobilitätsbedarf, werden in der Krise zu Problemfällen, während sich informationsbasierte Systeme, digitale Techniken und eine automatisierte, flexible Produktion derzeit als Retter in der Not erweisen.

Die Krisen, an deren Anfang wir jetzt erst stehen und deren Wirkungen derzeit noch nicht abschätzbar sind, werden uns in den nächsten Monaten und Jahren vor enorme Herausforderungen stellen. Sie werden aber auch Chancen bieten, Lebens- und Arbeitsweisen, die durch exzessive Globalisierung in mehrfacher Hinsicht anfällig geworden sind, auf Dauer wieder robust zu machen durch den forcierten Ausbau der digitalen Infrastruktur, durch den verstärkten Einsatz der Informationstechnik und vor allem durch die Besinnung auf existentielle Grundlagen."

Hauptcampus

"Wir unterstützten aktuell das Klinikum Mutterhaus in Trier mit der kurzfristigen Versorgung von persönlicher Schutzausrüstung, die mittels 3D-Druck hergestellt wird. Im Fachbereich Technik beschäftigen wir uns im Labor für Digitale Produktentwicklung und Fertigung (LDPF) sowie im Kompetenzzentrum Additive Fertigung (3D-Druck) unter anderem mit den Herausforderungen und dem Potential von Zukunftstechnologien im Zeitalter der Digitalen Transformation. In zahlreichen Kooperationen entwickeln wir neue Herangehensweisen, die sich aus der Nutzung neuer digitaler Technologien ergeben, so auch im Bereich des 3D-Druck. Die Geschwindigkeit, mit der wir heute in einer Büroumgebung Ideen in digitale 3D-Modelle und damit über den 3D-Druck in erste funktionale Prototypen überführen können, ist enorm. Genau das zeigt die aktuelle Unterstützung der Trierer Kliniken mit nicht mehr lieferbaren, aber dringend benötigten Gesichts-Schutzschildern für die Intensivmedizin."  Weitere Informationen zu diesem Projekt

Hauptcampus

"Die Anzahl der Patienten in den Physiotherapiepraxen ist massiv zurückgegangen. Auch hier wird jetzt über einen Rettungsschirm für die Praxen gesprochen. Zugleich wird geprüft, wie Patienten mit einem besonderen Bedarf versorgt werden können, bspw. eine Betreuung per Webmeeting. Dies wäre lange nicht denkbar gewesen. Vielleicht ergeben sich hier auch Chancen."

Hauptcampus

"In Krisenzeiten fokussiert sich die öffentliche Aufmerksamkeit schlagartig auf die sonst eher im Hintergrund arbeitende Lebensmittelwirtschaft. Dieser Wirtschaftszweig ist systemrelevant, da er die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherstellt. In der momentanen Krise wird die Lebensmittelwirtschaft gezwungen, heftige Marktverzerrungen zu bewältigen. Der reflexartige Bevorratungsdrang der Bevölkerung bewirkt bei Lebensmittelhändlern eine Limitierung von Verkaufsmengen und bei vielen Lebensmittelherstellern eine Sonderkonjunktur.

In einem sehr ungünstigen Fall ist sogar eine staatliche Zwangsbewirtschaftung nicht ausgeschlossen (Beispiel Lebensmittelkarten). Entspannt sich die Krisensituation, erwarten (übermäßig) bevorratete Lebensmittel oftmals ein trauriges Schicksal: sie werden im Laufe der Jahre still und heimlich entsorgt."

Umwelt-Campus Birkenfeld

„Gesellschaftliche Transformation kann und muss in der Corona-Krise schnell geschehen. Die Menschen und die Politik zeigen derzeit, dass radikale Änderungen des Verhaltens und riesige Hilfsprogramme für die Wirtschaft möglich und durchsetzbar sind. Jetzt gilt es die Chance zu nutzen, die notwendigen Wirtschaftshilfen zur Bewältigung der Corona-Folgen als Katalysator für eine beschleunigte ökologische Transformation in Richtung einer klimaneutralen Circular Economy auszugestalten. Klimaschutz kann und muss dabei Treiber der wirtschaftlichen Gesundung sein und ist Grundlage für unseren langfristigen Wohlstand.

Ich empfehle die Lektüre der Kurzstudie „Ein Grüner Marshallplan für Deutschland“, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace veröffentlicht hat. Allerdings müssen die Anregungen der Studie angesichts der globalen Wirkungen der Corona-Pandemie nicht nur in Deutschland, sondern weltweit im Sinne der Agenda 2030 umgesetzt werden.“

Umwelt-Campus Birkenfeld

„Die Corona-Krise erfordert von allen Menschen ein Umdenken und Engagement zur Bewältigung der Situation. Am Umwelt-Campus Birkenfeld engagieren wir uns in dieser Zeit in vielen Bereichen, um einen Beitrag zur Verbesserung der aktuellen Situation zu leisten. Zum Beispiel werden durch das IBT (Institut für Betriebs- und Technologiemanagement) im Innovationslabor Digitalisierung mit Hilfe der additiven Fertigung Schutzmasken hergestellt. Weiterhin organisierte das IBT über das Osterwochenende gemeinsam mit den Hochschulen Augsburg und Kaiserslautern den interdisziplinären und hochschulübergreifenden Hackaton (Stac-hack: Students against Corona) um kreative Ideen und Lösungen zum Umgang mit der jetzigen Situation zu entwickeln.“

Campus Gestaltung

digitalanalog: "Der Campus Gestaltung mit seinen sechs Fachrichtungen repräsentiert Methoden der Kompetenz- und Wissensvermittlung im Bereich der analogen und digitalen Gestaltung. Die Vermittlung künstlerischen Schaffens kann nur in direkter Interaktion zwischen Studierenden und Dozierenden erfolgen. Die Förderung des kreativen Potentials ereignet sich im direkten Austausch in Form von Gesprächen, Diskussion, Materialanalysen, Werkstatt- und Laborarbeit sowie in Korrekturgesprächen.

Die Wissensvermittlung ohne Präsenzphasen ist in den gestalterischen Studiengängen nur begrenzt in einigen Bereichen durchführbar. Dies wird nun durch die Pandemie umso deutlicher. Gute Lehre sowohl im digitalen als auch im analogen Bereich setzt eine gute Infrastruktur voraus. Erst die Verzahnung und Harmonisierung digitaler und analoger Vermittlungsmethoden beleben und fördern ein nachhaltiges Lernen."

Campus Gestaltung

"Die aktuelle Krise zeigt sehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung für alle Lebensbereiche genommen werden muss - für uns insbesondere in der Lehre, aber auch für Kultur- und Kreativschaffende. Wir entwickeln deshalb gemeinsam mit unseren Studierenden digitale Unterstützungsangebote – zum Beispiel eine App für regionale Künstler und Gastronomen, Spiele mit entsprechendem Themenbezug, ein Online-Comic zur Aufklärung für Kinder, neue Design Fiction Ansätze zur virtuellen Rückeroberung des urbanen Raums, Produktion von Video-Briefen und einiges mehr.

Wie gut digitale Formate geeignet sind, Menschen zusammen zu bringen und kollaborativ Angebote zu schaffen, haben in den vergangenen Wochen beispielsweise das WirvsVirus – Hackaton der Bundesregierung oder der StaysafeJam gezeigt, bei denen auch Studierende und Lehrende der Hochschule mitgewirkt haben." 

Campus Gestaltung

"Die Mode ist Ausdruck und Spiegel einer Gesellschaft. Sie ist im Mark getroffen und wird sich grundsätzlich neu ausrichten. Eine Entwicklung, die wir schon lange feststellen und in der Mode dokumentieren. Die jüngere Generation zeigt, dass Konsum für sie wenig erstrebenswert ist. Sie verfolgt Lebensideale, die mit den Menschen respektvoller und würdevoller umgehen. Die Mode richtet ihre Inhalte nach der Notwendigkeit eines besseren Umgangs mit den natürlichen Ressourcen der Erde aus und will diese schützen. Die Coronakrise wird deshalb zu tiefgreifenden kulturellen und wirtschaftlichen Auswirkungen in der Modeindustrie führen. Es wird mehr Raum und Mut zum Experiment mit Improvisationsgeschick geben, Kreativität wird zum höchsten Gut!"

Campus Gestaltung

"Der Gestaltungsprozess im Bereich Edelstein ist ein Prozess, der zunächst autark und sehr zeitaufwendig ist. Insofern kann die aktuelle Situation ein Anlass zur Reflexion sein - und sie kann produktiv sein. Mit Edelsteinen zu arbeiten stellte in einer bis vor kurzem sehr schnelllebigen Zeit geradezu einen Antagonismus dar. Denn man darf bei der künstlerischen Arbeit mit Edelstein eines ganz bestimmt nicht erwarten: dass es schnell geht.

Gerade jetzt sind gestalterische Räume wichtig. Räume des Experiments, in denen es erlaubt ist nur wahrzunehmen, ohne sofort bewerten zu müssen. Räume, in denen Ambivalenzen existieren dürfen und in denen gelernt werden kann, mit diesen Ambivalenzen umzugehen. Räume, in denen klar ist, dass es meist keine einfachen Lösungen gibt, keine schnellen Lösungen und keine vorgezeichneten Wege, keine Rezepte und keine Anleitungen."

Campus Gestaltung

"Der Ausbruch von CoVid-19 hat sicherlich gravierende Folgen für die lokalen Kreativen; und dabei war es vorher schon schwierig, Aufträge zu generieren, um so mehr solche, die auch substanziell zum Unterhalt beitragen. Durch die Krise fällt es Unternehmen schwer zu investieren, was im Einzelfall sicher verständlich ist, gerade wenn es um die nackte Existenz geht – eine Einstellung, die aber auch kritisch gesehen werden muss: die Investments von heute (die ja nicht zwingend hoch sein müssen) prägen die Außendarstellung / die Produkte, die nach der Krise eine Rolle spielen werden. 

Sich jetzt richtig aufzustellen und nicht mit leeren Händen da zu stehen, wenn die Wirtschaft wieder anrollt, sollte Teil der Überlegungen sein, wenn aktuell Budgets für Kreativleistungen definiert werden."

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