Sophie Bruder

Auslandssemester auf Umwegen

Geplant war zunächst gewesen, bereits im September 2020 bei SORCE (www.sorce.org) einzutreffen, aber der absolute Einreisestopp der Indonesier machte mein Anliegen etwas komplizierter. Nach langem Hin und Her und gefühlt endlosem Warten bekam ich Mitte November endlich grünes Licht: Ich konnte ein Visum beantragen. Nun ist die Sache mit dem Visumsantrag etwas komplizierter als der einfache Visa-On-Arrival Stempel am Flughafen. Covid-bedingt mussten natürlich einige Gesundheitszertifikate erbracht werden, aber die waren im Endeffekt das kleinere Problem. Um ein Visum zu beantragen, musste ein Flug gebucht werden. Nun hatte ich die Wahl, zu pokern und darauf zu hoffen, dass der Visumantrag relativ zügig genehmigt wird, und einen Flug vor Weihnachten zu nehmen, oder Weihnachten und Neujahr abzuwarten und zu Hause bei Familie und Freunden zu sein (soweit das bei Covid überhaupt geht).

Mein Alltag

Morgens um kurz vor sechs geht der Wecker runter und um sechs geht’s ab zum Sport. Bis um halb acht wird meistens HIT, Krafttraining oder Yoga gemacht, kommt darauf an, worauf man Lust hat und die anderen (falls vorhanden). Aber früh morgens ist die einzige Zeit am Tag, zu der man überhaupt Sport machen kann, alles andere wird bei durchschnittlichen 27°C im Schatten ziemlich unangenehm. Danach duschen und Frühstück bestellen, währenddessen sitze ich meistens schon am Laptop und arbeite Daten des letzten Tauchgangs auf oder schreibe an meiner Arbeit. Um 9 Uhr geht es dann meistens auf den ersten Tauchgang, davor muss natürlich alles vorbereitet werden. Es geht ins Wasser und nach 60 Minuten max. ist man wieder an der Oberfläche. Mit Raus- und Reinkommen vom Tauchgang kann es dann gut auch mal 10:30-11 Uhr sein. Abtrocknen und zurück an den Laptop, es wird ein MARS (Modular Artificial Reef Structure) gebaut, oder sonstige Projekte stehen an. Um 1 Uhr gibt es Mittagessen und dann ist erst mal Pause bis zwei. Dann geht’s entweder gleich auf den nächsten Tauchgang oder ich will anderes erledigt bekommen und bleibe an Land für Schreibtischarbeit. Zwischen 5 und 6 Uhr abends ist dann mein Tag arbeitstechnisch meistens vorbei und es gibt auch schon bald Abendessen. Dazwischen und danach wird meistens geredet und Spiele gespielt. Das Programm am Abend ist dann von Lust und Laune der Gruppe abhängig. Doku oder sonstiger Film, Lagerfeuer, Spiele oder einfach auch mal nichts tun sind die gängigsten Optionen. Um neun ist man dann meistens schon ziemlich müde und auf dem Weg ins Bett. Was ich so auf meinem Laptop an Daten eintrage und vor mich her tippe, könnt Ihr in meinem nächsten Bericht lesen.

Sea Slugs everywhere

Mein Projekt hier ist vermutlich etwas anders, als man sich bei einem Umwelt- und eben auch Betriebswirtschaftslehre-Studiengang vorstellt. Ich versuche eine Datenbank zu errichten, die uns die Biodiversität an Sea Slugs (Meeresschnecken) in Sekotong, Lombok, zeigt. Ich finde die kleinen Geschöpfe einfach genial, nicht zuletzt, weil sie in so vielen verschiedenen Farben und Formen zu finden sind. Wenn man sie denn findet, denn sie können von mikroskopisch klein bis drei Fuß Länge gehen. Gleichzeitig werde ich eine Online-Umfrage durchführen, die mir zeigen soll, ob Leute bzw. insbesondere Taucher bereit dazu wären dafür zu zahlen, wenn sie Sea Slugs sehen könnten. Zusammengenommen versuche ich zu belegen, dass Sea Slugs einen ökonomischen Wert haben. Dieser besteht allerdings nicht nur aus der Willingness-To-Pay von interessierten Touristen, sondern auch aus Marktwerten (Aquarium) und kulturellen, medizinischen und anderen Werten.  Um das zu machen, sammle ich Daten Unterwasser; bedeutet, ich mache Fotos von den Sea Slugs die ich finde, und katalogisiere diese in einer Excel-Tabelle. Das beinhaltet dann Ort, Tiefe, Datum, Zeit und natürlich die Identifikation der Spezies. Bis heute habe ich knapp 100 verschiedene Spezies identifizieren können und wie man sich denken kann, nimmt dies einiges an Zeit in Anspruch. Daneben lese ich einiges über ökonomische Umweltevaluationen und schreibe meine Hausarbeit für mein Praktikum bzw. später dann meine Bachelorthesis.

Hallo zusammen!

Ich bin Sophie und studiere Umwelt- und Betriebswirtschaftslehre im nun sechsten Semester. Ich bin 21 Jahre alt und komme aus dem schönen Schwarzwald, für mein Auslandssemester hat es mich jedoch wo ganz anders hingezogen. Aktuell absolviere ich ein Praktikum in Indonesien bei einer Meeresschutzorganisation namens SORCE (Sustainable Oceanic Research Conservation & Education) am Westende von Lombok. Nach dem Abitur hatte ich das Glück, die Möglichkeit zu haben, in die weite Welt zu gehen und mich in der Zeit als Divemaster ausbilden zu lassen. So arbeitete ich bereits in anderen Meeresschutzorganisationen in Malaysia und Südafrika. Was das ganze jetzt mit meinem Umwelt- und BWL Studium zu tun hat, werde ich Euch in den nächsten Wochen erklären. Ich freue mich, euch mal ein ganz anderes Auslandssemester vorstellen zu dürfen.

Fliegen und Corna

Wie sich im Nachhinein herausstellte: ein Flug im neuen Jahr, und ich hätte erst Mitte Februar einreisen dürfen. So ging mein Plan endlich auf und am 14. Dezember flog ich von FRA. Meine Zeit zu Hause vor dem Abflug verbrachte ich im Wesentlichen schon unter Selbstquarantäne – jetzt durfte nichts mehr schieflaufen und ein positiver PCR-Test war das letzte, was mir die Tour vermasseln konnte. Den PCR-Test hatte ich am FRA Flughafen machen lassen zwei Tage bevor mein Flug ging, das Ergebnis hatte ich nach nur fünf Stunden und meine Erleichterung war, wie ihr Euch vorstellen könnt - enorm. Dazu muss man sagen, dass ich seit meiner Rückkehr aus dem Auslandsjahr mein Auslandssemester geplant hatte und dass dies nun nicht mehr möglich sein sollte, wollte ich einfach nicht einsehen. Aber wie ihr nun wisst, ich hab‘s geschafft!

Kuta Lombok

Ab von der Praktikumsstelle kann man sich natürlich auch mal einen Roller mieten und die Gegend erkunden. Meine Lieblingsstadt in Lombok ist mit Abstand Kuta Lombok. Von SORCE aus sind es zwei Stunden mit dem Roller entlang einer wunderschönen Mountainroad direkt and der Küste. In Nicht-Corona-Zeiten ist Kuta Lombok der Treffpunkt für Surfer, Backpacker und einfach vielen jungen Menschen. Partys gibt es so gut wie jeden Abend und auch jeden Abend in einer anderen Bar. Das Ganze rotiert dann im ein oder zwei Wochen Rhythmus, so bekommt jede Bar mal die Menschenmenge. Von Reggae bis Rock wird alles geboten und kulinarisch hat Kuta Lombok auch einiges zu bieten; vom Hipster-Café zum rustikalen lokalen „Warung“ gibt es wirklich alles. Hostels, Villen und Hotels gibt es zu Genüge für absolut jedes Budget. Ich bleibe immer im „Mellow Hostel“ meiner Freunde Bruno und Junie, direkt im Herzen von Kuta. 

Zwischenfazit

Ich muss ehrlich sagen, ich hätte mir kein besseres Praktikum aussuchen können. Es fällt einem bestimmt nicht leicht, vor dem Strand mit dem Laptop zu sitzen, aber welches Büro hat schon einen Strand mit Meerblick? Insbesondere in einer Pandemie irgendwo im Nirgendwo zu sitzen, hat einiges für sich. Ich vergesse oft, dass Covid-19 existiert, was das Ganze hier nur entspannter macht. Das Camp von SORCE ist isoliert von der Außenwelt und leider/dank der Einreisebestimmungen kommen derzeit auch nicht sonderlich viele neue Leute zu uns. Somit sind die Leute, die schon seit Monaten hier sind, wie eine große Familie und wir sind schon einiges voneinander gewohnt und sehr komfortabel miteinander. Abgesehen davon lerne ich enorm viel, auch außerhalb von meinem Feld der BWL. Meiner Betreuerin ist keine Frage zu viel und sie ist immer bereit, mir Neues zu zeigen.

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Sophie Bruder

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Leben @SORCE.org

Endlich bei meinem Praktikumsplatz angekommen, durfte ich mich in meiner kleinen Bambushütte ausbreiten. SORCE hat mittlerweile 8 Hütten, wo jeweils zwei Personen wohnen können. Die Hütten stehen inwärts von der Site und kommen nach unserem „Den“, was unser Wohnzimmer ist. Im Den wird gearbeitet, gelernt, gefeiert, gespielt und auch kleine Power-Naps werden gemacht. Movie Nights auf dem Projektor finden übrigens auch dort statt. Zu dem Ganzen gibt es Sitzsäcke, Tische und Stühle und auch die begehrte Bar ist im Den. Vom Den aus sind es vielleicht zwanzig Meter zum Strand. Abends werden besagte Sitzsäcke (Bean Bags) mal gerne aus dem Den gezerrt und es wird sich zum gemeinsamen Tagesausklang an den Strand gesetzt mit Essen und dem ein oder anderen Bintang. Einen besseren Weg, um einen langen Tag ausklingen zu lassen, als auf Bean Bags dem Sonnenuntergang zuzuschauen, gibt es zumindest für mich kaum. Mittwochs ist „Bonfire Night“ und man versammelt sich an der organisationseigenen Feuerstelle mit Ukulele, Harmonika oder was die Leute, die gerade bei SORCE leben sonst noch mitgebracht haben. Der Sonntag ist reserviert als „Sunday Funday“, es gibt einen Fun Dive an einem besonderen Riff und ein spezielles Essen, montags ist dann sozusagen unser Sonntag und es wird mal nicht getaucht und der Tag bietet Gelegenheit, sich von Sonntag und der Arbeit unter der Woche zu erholen. Von Dienstag bis Samstag wird normal gearbeitet und gelernt. Wie so ein Tag dann bei mir aussieht, werde ich Euch in meinem nächsten Bericht erzählen.

Kuta Beach

Kuta Beach

Die – noch – kleine Stadt ist dabei, wesentlich größer zu werden. Seit dem ersten Mal, als ich in Kuta war, in 2017, wurde viel gebaut und es gibt jetzt eine große „Esplanade“ entlang des sehr weiten Kuta Beach. Es scheint so, als wollte Lombok das organisatorische Desaster in Bali um jeden Preis vermeiden. Riesige Hotels wurden (meiner Meinung nach leider) an die Beach Front gesetzt, wo früher nur Grün war. Kuta ist dennoch einen Trip wert, nicht nur zum Feiern, sondern auch für Massagen, und etliche Strände sind von dort aus gut erreichbar. Für Surfer ein absolutes Paradies; einer der berühmtesten Surfspots der Welt, „Gerupuk“, ist nur 15 Minuten mit dem Roller entfernt. Auch wer Surfen lernen will, ist hier goldrichtig, und wer nur am Strand entspannen will, fährt am besten nach Tanjung Aan und schnappt sich eine Liege und genießt die frische Kokosnuss.

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