
Die Klimakrise in ihren globalen und lokalen Dimensionen ist ein facettenreiches Problem und umfasst vielschichtige Phänomene – von der Erderwärmung, über das Massensterben von Pflanzen- und Tierarten, Schadstoffen in Luft, Böden und Meeren, bis hin zu Rechtspopulismus und klimaschädlichen Wirtschaftsweisen. Dieser Krise zu begegnen bedeutet, Selbstverständliches zu hinterfragen und Alternativen denk- und lebbar zu machen. Ob als Thema im politischen Wahlkampf, als Kernanliegen junger Umweltaktivist:innen oder als kontroverser Streitpunkt von Klimaleugner:innen – der Klimawandel regt zu Diskussionen an und stellt eine der zentralen, globalen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte dar.
Die Vortragsreihe #LecturesForFuture geht im Wintersemester 2026/2027 in die nächste Runde. Die Vorträge geben Einblicke in aktuelle Debatten über das Recht der Natur und die Rechtspraxis zur Bewältigung des Klimawandels. Darüber hinaus werden aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze der Anpassung landwirtschaftlicher Systeme sowie stadtökologische Perspektiven des Klimas in der Stadt beleuchtet. Zudem beschäftigen wir uns mit der Frage, was Menschen in Deutschland wichtig ist, damit sie Klimaschutzmaßnahmen zustimmen. Schließlich werden Themen von Klimaereignissen wie Waldbränden und Klimaextreme und ihre Variabilität in Modellierungsstudien während der diesjährigen #LecturesForFuture behandelt.
Alle Bürger:innen, Schüler:innen sowie Studierende und Mitarbeitende der Universität Trier sind herzlich eingeladen, sich im Rahmen der OpenUniversity jeden zweiten Dienstag ab dem 3. November 2026 von 18:00-19:30 Uhr (online über ZOOM) zum gemeinsamen Lernen und zum Dialog zusammenzufinden.
https://uni-trier.zoom-x.de/j/61682266306?pwd=5aunTlxf5uHaDqHN9qqh6r69x3pWqE.1
Der Natur werden weltweit von Parlamenten, Regierungen und Gerichten zunehmend eigene Rechte verliehen. Was ist dran an den Rechten der Natur? Kann diese Rechtspraxis zur Bewältigung des Klimawandels beitragen? Wie lassen sich solche Rechte der Natur begründen? Und wie anwenden? Diesen Fragen geht Tilo Wesche in seinem Vortrag mit Blick auf das Eigentumsrecht nach. Beim Klima-, Arten- und Umweltschutz werden Eigentumsrechte theoretisch häufig vernachlässigt. Dabei wohnt ihnen selbst eine Vorstellung ökologischer Nachhaltigkeit inne, die zur Überwindung eines extraktiven Naturverhältnisses beitragen kann. Mit dieser Ökologisierung des Eigentums wird ein Eigentumsverständnis entwickelt, das dem Anthropozän gerecht wird. Diese nachhaltigen Eigentumsrechte werden im Vortrag anhand von Beispielen einer weltweiten Praxis ökologischer Nachhaltigkeit dargestellt und auf ihre normativen Grundlagen hin betrachtet.
Prof. Dr. Tilo Wesche ist seit 2018 Professor für Praktische Philosophie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Theorien der Demokratie, der Nachhaltigkeit, des Eigentums und des guten Lebens. Zuletzt sind von ihm erschienen: Die Rechte der Natur. Vom nachhaltigen Eigentum, Berlin: Suhrkamp 2023; Einführung in die Theorien des Eigentums, Hamburg: Junius 2024 (gemeinsam mit Niklas Angebauer). Weitere Buchveröffentlichungen sind: Kierkegaard. Eine philosophische Einführung, Stuttgart: Reclam 2003; Wahrheit und Werturteil. Eine Theorie der praktischen Rationalität, Tübingen: Mohr Siebeck 2012; Adorno. Eine philosophische Einführung, Stuttgart 2018.
Menschen und Länder mit hohem Einkommen und hohen Emissionen haben oft wirtschaftlich von der Nutzung fossiler Brennstoffe profitiert, während Menschen und Länder mit niedrigem Einkommen und geringen Emissionen einen unverhältnismäßig großen Anteil Klimaschäden tragen und weniger Ressourcen zur Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung haben.
In diesem Vortrag möchte ich zeigen wie Klimaattributionsforschung dazu beitragen kann diese Ungerechtigkeiten auf zweierlei Weise sichtbarer zu machen:
1) Attributionsstudien quantifizieren inwieweit der menschengemachte Klimawandel für bestimmte Wetter- oder Klimaextreme und deren Folgen verantwortlich ist. Damit kann das Forschungsfeld zeigen welche Regionen und Menschen besonders stark vom Klimawandel betroffen sind.
2) Die sogenannte Ende-zu-Ende Attribution kann zusätzlich aufzeigen wie die Emissionen einzelner Länder, Einkommensgruppen oder Unternehmen Folgen des Klimawandels verursacht haben und somit sichtbar machen wer historisch besonders viel zu den Folgen des Klimawandels beigetragen hat.
Paula Romanovska ist Klimaphysikerin und seit 2019 Wissenschaftlerin am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt darin die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels auf Ernährungssysteme und die menschliche Gesundheit zu analysieren. Dabei beschäftigt sie sich auch damit die ungleichen Verantwortlichkeiten für den Klimawandel und dessen unverhältnismäßige Auswirkungen auf verschiedene Gemeinschaften besser zu verstehen.
Das Ökosystem Stadt ist ein räumliches Wirkungsgefüge, in dem der Mensch alle ökologischen Prozesse maßgeblich beeinflusst. Wir verstehen die Stadt als ein sozial-ökologisches System. Ausgehend von einer kurzen Einführung in dieses Stadtökosystem und in das Stadtklima skizziert der Vortrag das Spannungsfeld zwischen Durchgrünung und Kompaktheit. In Städten haben die Effekte des Klimawandels vielschichtige Auswirkungen auf den thermischen Komfort, die Luftqualität und die Lebensqualität. Klimaanpassung und mehr Lebensqualität erfordern, Städte zu begrünen. Die mikroklimatische Kühlwirkung von Stadtbäumen spielt dabei eine besondere Rolle. Stadtgrün konkurriert jedoch mit anderen Flächenansprüchen und Maßnahmen zur Begrünung können ökonomische Auswirkungen haben – zum Beispiel auf Immobilienpreise. Im übertragenen Sinne ist Stadtklima mehr als Mikroklima unter Einwirkung des Menschen – zwischen der urbanen Biodiversität, Lebenszufriedenheit und Wohlergehen bestehen komplexe Zusammenhänge, die der Vortrag ebenso beleuchtet. Zum Abschluss geht der Vortrag der Frage nach, wie wir zu einem umfassenderen Klimaverständnis kommen können und die Akzeptanz für Maßnahmen zur Klimawandelanpassung in Städten erhöhen können.
Assoz.-Prof. Dr. Angela Hof ist Assoziierte Professorin im Fachbereich Umwelt und Biodiversität an der Universität Salzburg. Ihre Forschungsarbeiten im Bereich der Stadtökologie beschäftigen sich mit regulierenden und kulturellen Ökosystemleistungen von Stadtbäumen und Stadtgrün, den Zusammenhängen zwischen Biodiversität und Ökosystemleistungen, sowie mit der Zugänglichkeit urbaner Grünräume. Angela Hof leitete unter anderem das Sparkling Science Projekt „Stadtbäume als Klimabotschafter“, gefördert vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF). Angela Hof absolvierte ihr Erststudium in Physischer Geographie an der Universität Gießen, einen Master in Geographical Information for Development an der Durham University in England und promovierte und habilitierte in Geographie an der Ruhr-Universität Bochum.
Ambitionierte Klimapolitik kann dazu führen, dass fossile Brennstoffe teurer werden und daraus folgend viele andere Konsumgüter. Diese Kosten der Klimapolitik verteilen sich ungleichmäßig über verschiedene Akteure und diese Verteilungseffekte werden häufig als ein zentraler Grund für geringe öffentliche Akzeptanz der Klimapolitik genannt. In diesem Vortrag stelle ich vor, wie in der Wissenschaft diese Verteilungseffekte analysiert und welche politischen Schlüsse sich daraus ziehen lassen. Davon ausgehend beschreibe ich, wie sich diese Forschungsergebnisse nutzen lassen, um die Akzeptanz der Klimapolitik zu erhöhen. Dazu stelle ich Ergebnisse einer Studie aus Deutschland, Spanien, Frankreich und Rumänien vor, in der die öffentliche Wahrnehmung europäischer Klimapolitik (insbesondere des zweiten EU Emissionshandelssystems) untersucht wird.
Leonard Missbach ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit den Auswirkungen von Klimapolitik sowie mit öffentlicher Wahrnehmung.
Wildfire regimes are changing rapidly across the globe, shaped by the interplay between climate drivers, vegetation and human activities. The unprecedented impacts of the 2026 European wildfire season are a recent reminder of this interplay. This lecture explores the interactions between multiple fire drivers across scales, from the southern Amazon to North America and Australia, Europe and global scale. I will introduce the concept of compound climate events and discuss how deforestation and agricultural expansion modulate fire activity, as well as the challenges that wildfire synchronicity poses for international firefighting cooperation. I will also present ongoing research on modelling tools that characterize fire extremes beyond what observations alone can reveal. Together, these perspectives show that anticipating and managing present and future wildfire risk requires looking beyond single drivers, towards integrated approaches that capture their interactions across scales.
Andreia Robeiro is a climate scientist focused on climate-related impacts and compound-event-oriented frameworks, with special interest on fire and agricultural risks in a changing climate. He is affiliated to the Helmholtz Centre for Environmental Research – UFZ, Leipzig, Germany.
Personal website: http://www.afsribeiro.com/
Klimamodelle sind unser wichtigstes Werkzeug, um das Klima zu verstehen und abzuschätzen, wie es sich in Zukunft verändern wird. Sie bilden die Grundlage für die Berichte des Weltklimarats (IPCC) und für die Planung von Anpassungsmaßnahmen weltweit. Aber wie gut sind diese Modelle eigentlich, und was sind ihre Limitationen? Dieser Vortrag gibt einen Überblick über dreißig und mehr Jahre Klimamodellierung und leitet her, wie die Forschung das Klimasystem simulierbar macht.
Am Beispiel der globalen Temperatur, der vermutlich wichtigsten Klimavariable, beschreibe ich die Entwicklung von Klimamodellen in den letzten Jahrzehnten: von den Anfängen, mit räumlichen Auflösungen von mehreren 100 km bis hin zu den neusten Modellen, die das globale Klimasystem mit wenigen Kilometern Auflösung simulieren. Mit diesem Fortschritt kommt aber auch ein enormer Anstieg im Rechenaufwand und daher frage ich auch: ist dieser Aufwand gerechtfertigt? Wo gewinnen wir durch immer höhere Auflösungen die meiste Information? Besonders bei Extremen wie Hitzewellen zeigt sich, dass ältere Modelle an Küsten, in Gebirgen und Städten, also dort, wo viele Menschen leben, wichtige Unterschiede verwischen.
Der Vortrag zeigt, was Klimamodelle heute leisten, wo ihre Grenzen liegen und woran die Forschung gerade arbeitet.
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