Prof. Dr. Jörn Schneider, Fachbereich Informatik, Hochschule Trier, wurde im Rahmen der Sendung "Die Sonntagsfahrer" auf radioeins (Rundfunk Berlin Brandenburg) zu diesem Thema interviewt.
Ein Experiment auf dem Land
Gerade ländliche Regionen stehen vor einem großen Problem: Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist oft schlecht ausgebaut, Busse fahren selten, und viele Menschen sind auf das Auto angewiesen. Genau hier setzt das Projekt in der Eifel an. Die automatisierten Tesla-Taxis sollen testen, ob selbstfahrende Autos eine praktische Ergänzung oder sogar Alternative zum klassischen Nahverkehr sein können.
Zwischen Euphorie und Skepsis
Im Interview von Prof. Dr. Jörn Schneider mit radioeins wird deutlich: Automatisiertes Fahren ist technisch weiter, als viele glauben – aber noch nicht vollständig ausgereift.
Die Level des automatisierten Fahrens gehen von 0 bis 5: 0 bedeutet keinerlei Automatisierung, Level-5 wäre der heilige Gral, nämlich dass das Fahrzeug immer völlig allein fahren kann. Und das werden wir laut Prof. Dr. Schneider in den nächsten 20 Jahren nicht erleben. Was es jetzt schon gibt, sind Level-3 und -4 Fahrzeuge.
In der Eifel im Einsatz sind Level-2-Fahrzeuge, die es schon länger gibt: Level 2 bedeutet, dass das Fahrzeug selbstständig lenkt, bremst und beschleunigt, der Fahrer aber trotzdem die volle Verantwortung trägt und das System aktiv überwachen muss.
„Das spannende ist [an diesem Pilotprojekt in der Eifel], dass ein solches System – das ja erstmal nur ein Level-2-System ist […] – eine Punkt-zu-Punkt Dienstleistung bringt. Das heißt man steigt an einem festen Ort ein, zu Hause zum Beispiel, und lässt sich von dem automatisiert fahrenden Fahrzeug genau dahin fahren, wo man wieder aussteigt. Und nicht nur teilweise, [so] dass man es nur auf der Autobahn einschaltet [und den Rest der Strecke selbst fährt]“, erläuterte Prof. Dr. Schneider.
Sicherheit bleibt dabei eines der zentralen Themen. Zwar bewältigen diese Fahrzeuge viele Verkehrssituationen selbstständig, doch komplexe oder unvorhersehbare Situationen können weiterhin eine Herausforderung darstellen. Genau deshalb ist die menschliche Aufsicht aktuell unverzichtbar. Denn die Verantwortung liegt bei diesen Level-2-Systemen beim Fahrer und nicht beim Hersteller. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Level-3-Systemen. Ab dem Level 3 muss der Mensch hinterm Steuer gerade nicht mehr nicht auf den Verkehr achten, sondern kann andere Dinge tun.
Chance für den Nahverkehr
Besonders spannend ist die Frage, welche Rolle automatisierte Fahrzeuge, etwa aus dem Bereich der Level-4-Systeme, künftig im Verkehrssystem spielen könnten. Gerade im ländlichen Raum könnten sie eine Lücke schließen:
Das könnten spürbare Verbesserungen für viele Menschen bedeuten – vor allem für ältere oder weniger mobile Personen.
Blick in die Zukunft
Die Vision ist klar: In einigen Jahren könnten auch bei uns Fahrzeuge ganz ohne menschliche Fahrer unterwegs sein. Doch bis dahin sind noch einige Hürden zu überwinden – nicht nur technisch, sondern auch rechtlich und gesellschaftlich. Fragen nach Verantwortung, Haftung und Datenschutz sind teilweise ebenso offen wie die Akzeptanz in der Bevölkerung.
„Meine Prognose ist, dass wir Level-5-Systeme noch lange, lange nicht sehen werden. Level-4-Systeme gibt es ja bereits, auch welche, die im urbanen Umfeld stark unterwegs sind und auch Millionen von Kilometern bereits gefahren sind. [Dies] allerdings nicht in Europa, sondern in den USA. […] Aber das sind immer dieselben Strecken. Im Moment primär in vier verschiedenen Städten hauptsächlich in Kalifornien, dann auch in Arizona und Texas. […] Der Schritt, der in Europa gemacht wurde […] mit Level-3-Systemen, da war Mercedes weltweit Vorreiter. Die gehen eher in die gleiche Richtung wie Tesla mit diesen Level-2-Systemen, mit denen man von der Haustür bis zum Ziel gefahren werden kann,“ so Prof. Dr. Schneider.
Das Projekt in der Eifel liefert jedoch einen wichtigen Vorgeschmack darauf, wie Mobilität der Zukunft aussehen könnte: flexibel und zunehmend automatisiert. Ob sich solche Modelle flächendeckend durchsetzen, bleibt abzuwarten, doch der erste Schritt ist gemacht.
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