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Klara Brynge reflektiert über ihre Zeit als AiR in Idar-Oberstein

Die schwedische Schmuckkünstlerin war Artist in Residence am Campus Edelstein und Schmuck und der Jakob-Bengel-Stiftung von November 2025 bis Februar 2026. Sie teilt ihre Gedanken zu ihrem Aufenthalt in Idar-Oberstein mit uns.

"Als AIR arbeitete ich in der Jakob-Bengel-Stiftung und am Campus Edelstein und Schmuck. Die Standorte unterscheiden sich stark, sind jedoch in elementar miteinander verbunden. Die Räume von Bengel sind voll historischer und physischer Schichten, Spuren in Böden, Stühlen, Materialien und Wänden, hinterlassen von Arbeitern der Schmuckfabrik und der Überschwemmung, die in den 90ern die unteren Räume überflutete. In den Regalen liegen Tausende Werkzeuge mit Löchern und Umrissen von Schmuckkomponenten, ein Vorrat an Galalith, einem Material aus Milch und Formaldehyd, verwendet zur Imitation von Edelsteinen, blieb erhalten.

All dies ist materielles Zeugnis und mit dem Leben vor Ort verbunden. Ich spürte eine Erinnerung an das Dazwischen, während der Ort in mir einen Platz fand. Idar-Oberstein ist zugleich ein globaler und lokaler Ort. Alles ist irgendwie typisch für Idar-Oberstein, gleichzeitig kommen Dinge und Menschen aus aller Welt zusammen und begegnen sich durch Handwerk, Gemeinschaft, Handel, Materialien und Kunst. Ich kam mit dem Wunsch, mit meinen Händen und Material zu arbeiten. Ich verbrachte die meiste Zeit in der Steinwerkstatt und schliff. Stein hat einen Widerstand, dem von Metall nicht unähnlich, doch seine Eigenschaften sind ganz andere. Die Prozesse, die ich durchlief, um die Materialsprache zu erforschen – sowohl oberflächlich als auch skulptural –, sind für mich verbunden mit der Entwicklung tieferer Themen und Fragen zu Natur, Körper und Landschaft.
Inspiration schöpfe ich aus der Verbindung zwischen der Materialoberfläche, seiner Masse und seinem Innern. Ich trug Material ab und hinterliess Spuren in Oberflächen, um mit Farben, Mustern und Transparenz zu spielen. Die Oberfläche des Steins offenbart sein Inneres: einen Riss, eine Schleifspur, einen Glanz. 

Die Schmuckherstellung, der Kontext des Ortes, mechanische Wiederholungen und das Schleifen von Stein bildeten den Rahmen für meine Gedanken und Experimente. Herzlichen Dank an alle Mitarbeitenden, Studierenden und alle am Campus sowie an die Stiftung, die diese Zeit zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Vielen Dank an den Schwedischen Kunstförderungsausschuss und die Estrid-Ericson-Stiftung für die Unterstützung."
 

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