Um 17:00 Uhr wird am Viehmarktplatz in Trier die begehbare Installation „Wir geben Raum“ eröffnet, die die Studentin Luna Isenmann aus dem Studiengang Kommunikationsdesign im Rahmen des Lehrprojekts „Die Scham muss die Seite wechseln“ entwickelt hat. Die Installation schafft einen Ort für Mitteilung und Aufklärung: Sie eröffnet die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen und gibt Informationen zum Thema sexualisierte Gewalt. Als Teil der Installation lädt ein Briefkasten dazu ein, Gedanken, Erfahrungen und Gefühle niederzuschreiben und symbolisch zu entsorgen. Damit entsteht ein geschützter Raum, in dem auch unausgesprochene Erlebnisse ihren Platz finden können und Betroffene ein Stück der emotionalen Last abgeben können.
„Wer sexualisierte Gewalt erlebt hat, trägt häufig nicht nur die Folgen des Erlebten, sondern auch eine Scham, die ihm nicht gehört. Die Installation eröffnet die Möglichkeit, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle nach außen zu tragen – und damit ein Stück der Last abzugeben, die Betroffene viel zu oft allein tragen. Wir müssen als Gesellschaft dafür sorgen, dass nicht die Betroffenen sich erklären oder rechtfertigen müssen, sondern dass diejenigen in die Verantwortung genommen werden, die Gewalt ausüben oder wegsehen“, sagt Prof. Dr. Eva Eckkrammer, Präsidentin der Universität Trier.
„Sexualisierte Gewalt darf weder verschwiegen noch mit Scham auf Seiten der Betroffenen verbunden werden. Mit diesem gemeinsamen Projekt setzen unsere Studierenden ein starkes Zeichen für Sichtbarkeit, Aufklärung und einen offenen gesellschaftlichen Umgang mit diesem wichtigen Thema. Als Hochschule tragen wir Verantwortung dafür, Räume zu schaffen, in denen solche Auseinandersetzungen möglich sind und Haltung sichtbar wird“, betont Prof. Dr. Dorit Schumann, Präsidentin der Hochschule Trier.
Die Installation steht bis zum 2. Dezember auf dem Viehmarkt und zieht anschließend bis zum 16. Dezember auf dem Campus der Universität Trier. Die abgegebenen Texte und Objekte werden anonymisiert im kommenden Jahr im Rahmen eines Kunstprojektes in Trier präsentiert.
Lichtermarsch verbindet Installation mit Kunstausstellung
Im Anschluss führt eine Lichterdemonstration, organisiert von der Hochschulgruppe „Recht feministisch“ der Universität Trier, vom Viehmarktplatz zum Campus Gestaltung am Paulusplatz. Dort wird ab 18.30 Uhr die Ausstellung „Die Scham muss die Seite wechseln“ gezeigt. Ausgestellt werden unter der Leitung von Prof. Valerie Schmidt entstandene fotografische und videografische Arbeiten der Studierenden, die unterschiedliche Perspektiven auf sexualisierte Gewalt und ihre gesellschaftliche Wahrnehmung zeigen. Neben den in einem Wettbewerb prämierten Arbeiten von Jasmin Bram, Cathy Bleser und Ronja Kuhn werden weitere Seminararbeiten gezeigt. Ergänzt wird die Ausstellung durch Entwürfe und Plakate, die Studierende im Seminar „Experimentelle Gestaltung“ bei Prof. Marlen Letetzki entwickelt haben und einen Einblick in die Bandbreite der studentischen Auseinandersetzung mit dem Thema geben.
Teil der Ausstellung sind zudem künstlerische Darstellungen der antiken Figur Leda. Leda gilt als „Geliebte“ des Zeus, die seit der Antike immer wieder sexualisiert porträtiert wird. 3D-gedruckte Leda-Figuren, die von Dr. Constanze Graml (Uni Trier) entwickelt wurden, werden im Rahmen der Veranstaltung versteigert. Der Erlös kommt dem Frauenhaus Trier zugute.
Die studentischen Arbeiten zum Thema sexualisierte Gewalt entstanden im Rahmen des Projekts „Die Scham muss die Seite wechseln“, einer gemeinsamen Initiative der Universität Trier und des Campus Gestaltung der Hochschule Trier. Fachlich begleitet wurde das Projekt vom Frauennotruf Trier, gefördert von der Wissenschaftsallianz Trier.
Weitere Aktionen der Hochschule und Universität Trier
Auch an weiteren Standorten der Hochschule Trier wird der Aktionstag sichtbar: Am 25. November werden zur Mittagszeit am Hauptcampus Schneidershof, am Irminenfreihof und am Umwelt-Campus Birkenfeld Kekstüten mit dem Aufdruck „Gewalt gegen Frauen geht uns auf den Keks“ an Studierende verteilt. Neben Keksen enthalten die Tüten Informationsmaterialien zum Thema Gewalt gegen Frauen. An allen drei Standorten stehen zudem Ansprechpersonen aus dem Bereich Gleichstellung für Fragen und Gespräche zur Verfügung.
Am Umwelt-Campus Birkenfeld setzen weitere Aktionen die Orange Days fort. Ab dem 25. November werden dort zwei orangefarbene Stühle mit den Aufschriften „Kein Platz für Gewalt“ beziehungsweise „no room for violence“ aufgestellt. Sie setzen ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt und sollen zugleich zum Gespräch über das Thema anregen.
Am 2. Dezember findet zudem um 18:30 Uhr im Kommunikationsgebäude des Umwelt-Campus Birkenfeld eine Kinovorführung des Dokumentarfilms „Fassaden“ von Alina Cyranek statt. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit verschiedenen Akteuren der Verbandsgemeinde Birkenfeld, dem AStA des Umwelt-Campus und der Hochschule Trier organisiert. Der Film thematisiert Gewalt in toxischen Beziehungen, deren Folgen für betroffene Frauen sowie gesellschaftliche und politische Strukturen, die Gewalt begünstigen oder unzureichend verhindern. Im Anschluss an die Vorführung besteht Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch.
Bildliche und literarische Darstellungen der antiken Figur Leda sind ab dem 26. November in der Ausstellung „Bild(ver)gewaltig(t) - Leda und der Schwan“ im Foyer der Universitätsbibliothek zu sehen. Die Sonderausstellung wurde im Rahmen eines Lehrprojekts gemeinsam mit Studierenden der Altertumswissenschaften der Universität Trier konzipiert. Bei der Finissage am 16. Dezember können kleine, von Dr. Constanze Graml entwickelte und im 3D-Druck hergestellte Leda-Statuen erworben werden. Der Erlös kommt ebenfalls dem Frauenhaus Trier zugute.
Organisator: Universität und Hochschule Trier Ort: Viehmarktplatz & Paulusplatz 4Sie verlassen die offizielle Website der Hochschule Trier