Umwelt-Campus Birkenfeld

MdEP Jutta Paulus besucht Umwelt-Campus Birkenfeld – Fokus auf Biodiversität, Gewässerrenaturierung und Studienentwicklung

MdEP Jutta Paulus besucht Umwelt-Campus Birkenfeld
Christoph Dohm (IfaS-Institut), Wolfram Remmers (Umwelt-Campus), Heike Holtermann , Prof. Dr. Henrik te Heesen (Vizepräsident für Forschung Hochschule Trier), Jutta Paulus (MdEP), Prof. Dr. Stefan Stoll (Umwelt-Campus).

Am 26. Januar 2026 besuchte Jutta Paulus als Mitglied des Europäischen Parlaments den Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier und informierte sich über zentrale Hochschulthemen und über den Lehr- und Forschungsbereich „Interdisziplinärer Umweltschutz“ mit den Themen Biodiversität bzw. Gewässerrenaturierung.

Prof. Henrik te Heesen, Vizepräsident für Forschung an der Hochschule Trier, begrüßte die Abordnung, der sich unter anderen auch Heike Holtermann angeschlossen hatte. 

Zentrale Gesprächsthemen waren die internationale Ausrichtung, das duale Studienmodell und die damit verbundenen regionalen und überregionalen Kooperationen mit Unternehmen und Institutionen sowie die Arbeitsmarktchancen von Absolventinnen und Absolventen. Weiter wurde auch über die rückläufigen Studierendenzahlen in Rheinland-Pfalz gesprochen. Die Ursachen dafür sind vielfältig – der demografische Wandel, die Abkehr von G8 auf G9-Abitur und dem damit zusammenhängenden Wegfall von Abiturjahrgängen in Nachbarbundesländern, aber auch die immer größer werdende Konkurrenz durch private Hochschulen. Der Umwelt-Campus steuert aktiv gegen, indem er neue Studiengänge wie „Kommunikationspsychologie und Nachhaltigkeit“ einführt, das bestehende Portfolio weiterentwickelt und die internationale Attraktivität des Standorts erhöht. Ein weiterer Aspekt, der die Hochschule Trier und damit auch den Standort Umwelt-Campus attraktiver gestaltet, ist das neu verliehene Promotionsrecht. Es sichert den wissenschaftlichen Nachwuchs, ist ein Eckpfeiler der akademischen Qualitätssicherung und ein Karrierekatalysator für forschungsnahe Berufe.

Prof. Stefan Stoll und Wolfram Remmers informierten die Gäste anschließend über die laufenden Forschungsprojekte am Umwelt-Campus im Bereich der Ökologie. Prof. Stolls Arbeitsgruppe forscht und lehrt in der Ökologie mit dem Schwerpunkt Artenvielfalt in aquatischen und terrestrischen Ökosystemen. Dabei werden zeitliche Veränderungen von Ökosystemen und relevante Umweltvariablen untersucht (z. B. Langzeitmonitoring im Nationalpark Hunsrück-Hochwald) und die gewonnenen Erkenntnisse werden in Strategien sowie angewandte Projekte für nachhaltiges Umweltmanagement zur Maximierung von Artenvielfalt und Ökosystemleistungen übertragen.

Die Ursachen und folgenschweren Auswirkungen durch den Verlust der Biodiversität sind auch ein wichtiges Thema im Europäischen Parlament. Die Gewässerrenaturierung ist zudem ein Herzensthema von Frau Paulus. Prof. Stoll ging beispielhaft auf das Forschungsprojekt MonAHR (Monitoring der Gewässerwiederherstellungsmaßnahmen an der Ahr nach der Flutkatastrophe) ein. Dabei wird eine ökologisch-wissenschaftliche Begleitung der stattfindenden Gewässerwiederherstellungsmaßnahmen an der Ahr nach dem extremen Hochwasser 2021 durchgeführt. An diesem vom Umwelt-Campus Birkenfeld koordinierten Forschungsvorhaben beteiligen sich auch die Universität Koblenz und die Hochschule Koblenz. Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz, der Landkreis Ahrweiler und die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler finanzieren und unterstützen das Projekt.

Als wesentliche Herausforderungen bei der Durchführung erfolgreicher Gewässerrenaturierung wurde die Flächenverfügbarkeit, die Nachhaltigkeit der Maßnahmen und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung besprochen. 

Es wird immer schwieriger die notwendigen Flächen für Renaturierungen zu erwerben, weil die öffentliche Hand beim Flächenerwerb finanziell mit Privatinvestoren nicht mithalten kann. Sinnvoll wäre es, zukünftige Renaturierungen bereits in Bodenordnungsverfahren direkt mitzudenken oder verbesserte Anreizsysteme für private Eigentümer zu schaffen, damit diese Flächen für Naturschutzmaßnahmen bereitstellen. 

Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung spielt eine große Rolle. Die essenziellen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität sind kostenintensiv, und ihr ökologischer sowie gesellschaftlicher Nutzen ist für die Öffentlichkeit oft nicht unmittelbar erkennbar. Studien zeigen, dass die meisten Menschen Renaturierungsmaßnahmen grundsätzlich positiv gegenüberstehen, wenn sie deren Wert erkennen können. Hier müssen neue Wege gefunden werden, um die Öffentlichkeit über die positiven Auswirkungen und Ergebnisse von Renaturierungsmaßnahmen zu informieren.

"Renaturierung ist ein wichtiger Baustein für Klimaschutz, Klimaanpassung und Trinkwassersicherheit. Die Auswertung der Leuchtturmprojekte, die im Rahmen der Aktion Blau Plus umgesetzt wurden, zeigt, dass die Natur einen Weg findet – wenn wir sie lassen.", so MdEP Paulus.

Abschließend bedankte sich Frau Paulus für das informative Treffen und nahm viele Anregungen aus der wissenschaftlichen Praxis mit. Die nachhaltige und vor allem ganzheitliche Ausrichtung des Umwelt-Campus überzeugt, aber es ist noch viel zu tun. Die Renaturierung ist nur eine von zahlreichen Maßnahmen, um die Ökosysteme gegen die Klimakrise zu stärken und die Lebensgrundlagen zu erhalten.

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