Campus Gestaltung

Lebendige Partnerschaft mit Nagaoka

v.l.n.r. Felix Bentgens, Prof. Robert Thum, Prof. Jörg Obergfell, Dekan Prof. Dr. Matthias Sieveke, japanischer Generalkonsul Takeshi Ito ©Elisa Limbacher/Stadt Trier

Regelmäßige Schüleraustausche, ein kontinuierlicher Kontakt zwischen Studierenden des Campus Gestaltung der Hochschule Trier mit dem Nagaoka Institute of Design und gegenseitige Besuche der Stadtspitzen in den letzten Jahren: Die Trierer Partnerschaft mit dem japanischen Nagaoka hat sich seit dem Start 2006 lebendig und vielfältig entwickelt.

Da keine offizielle Delegation aus Japan nach Trier reisen konnte, fand zum runden Geburtstag ein festlicher Empfang auf Einladung des japanischen Generalkonsul Takeshi Ito in der Beletage der Stadt Trier statt. Er ist seit 2024 in Frankfurt tätig, war schon mehrfach zu Gast in Trier und sprach von einer „wunderschönen Stadt“. Zudem äußerte er seinen „großen Respekt“ vor der Arbeit der Deutsch-Japanischen-Gesellschaft Trier, die schon fünf Jahre vor dem offiziellen Start der Partnerschaft gegründet worden war. Ausdrücklich würdigte er die Verdienste des langjährigen Vorsitzenden Johann Aubart, der dafür zum Ehrenbürger von Nagaoka ernannt worden war. 

Aubart selbst, der sich gerade erst von einer Erkrankung erholt hat, zeigte sich sichtlich gerührt und sprach von einer „großen Freude und Ehre“, bei dieser Feier der Städtefreundschaft dabei zu sein und das Erreichte würdigen zu können. Er war 1995 erstmals zu Gast in Nagaoka und hat sich seitdem unermüdlich für die Partnerschaft eingesetzt. Armin Huber hat seine Nachfolge an der Spitze der Deutsch-Japanischen-Gesellschaft angetreten und wies unter anderem darauf hin, dass vor allem direkte persönliche Kontakte eine solche Freundschaft lebendig halten würden. Daher seien zum Beispiel die regelmäßigen Schüleraustausche wichtig. Huber bedankte sich bei der Stadtverwaltung Trier und der Firma JTI für die kontinuierliche Unterstützung der Städtepartnerschaft. 

Für Bürgermeisterin Britta Weizenegger „ist gerade in diesem Jubiläumsjahr, in dem leider niemand aus Nagaoka nach Trier kommen konnte, diese Geste des Generalkonsuls von besonderer Bedeutung.“ Deshalb sei diese Veranstaltung ein außergewöhnliches Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft. Weizenegger: „Unsere viele tausend Kilometer voneinander entfernten Städte haben unterschiedliche historische und kulturelle Prägungen. Dennoch verbindet uns vieles: die Wertschätzung für Geschichte und Tradition, die Bedeutung von Kultur und Bildung und vor allem die Überzeugung, dass persönliche Begegnungen Verständnis und Freundschaft schaffen. In den letzten 20 Jahren ist so ein reger und fruchtbarer Austausch entstanden, zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Schulen und jungen Menschen, Vereinen und Bildungs- oder Sportinstitutionen, zwischen Kulturschaffenden sowie vielen engagierten Einzelpersonen.“ Auch sie bedankte sich für diesen Einsatz. Für die nächsten Jahre wünsche sie sich, „dass weitere junge Menschen diese Partnerschaft kennenlernen und für sich entdecken, dass neue Ideen und neue Formen des Austauschs entstehen und wir auch künftig voneinander lernen und miteinander im Gespräch bleiben.“

Zum Abschluss des Empfangs präsentierten Prof. Robert Thum und Prof. Jörg Obergfell vom Campus Gestaltung der Hochschule Trier die Ergebnisse des internationalen Workshop-Projekts „Serendipity – The Primitive Hut“, das sie gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Trier und des Nagaoka Institute of Design realisiert hatten. Aus wiederverwendeten Materialien entwickelten die Studierenden nachhaltige Entwürfe und einen Bauprototypen im Maßstab 1:1. Die Ergebnisse und weitere Arbeiten der langjährigen Kooperation wurden in einer aufwendig gestalteten Mappe dokumentiert. Ergänzend wurden japanische Kokeshi-Figuren aus dem Bestand des Campus Gestaltung ausgestellt. Prof. Dr. Matthias Sieveke, Dekan des Campus Gestaltung, erläuterte ihre Bedeutung innerhalb der japanischen Gestaltungskultur und würdigte die Begegnung als Ausdruck der lebendigen Partnerschaft sowie des langjährigen künstlerischen und interkulturellen Austauschs.

Das musikalische Rahmenprogramm des Empfangs gestaltete der Trierer Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach, der mit den Gästen Matsumura Yusuke und Gustavo Eda japanische inspirierte Klänge präsentierte.

Am Tag nach dem Empfang nahm der Generalkonsul an dem „Minna no Matsuri“-Sommerfest in der Nähe des Frankenturms teil, bei den Dezernent Dr. Thilo Becker den Stadtvorstand vertrat. Das Event feierte japanische Popkultur und Tradition mit Künstler- und Handwerksständen, bunten Mitmachangeboten sowie Speisen und Getränken. Infostände und ein Bühnenprogramm rundeten die Veranstaltung ab. Gastgeber waren die Deutsch-Japanische Gesellschaft Trier und der Animexx -Verein, der sich der Förderung der japanischen Populärkultur widmet. 

Hintergrund: Die Verbindung zwischen Trier und Nagaoka hatte sich über die gemeinsame Partnerstadt Fort Worth angebahnt. Als 1995 der Bürgermeister der japanischen Stadt nach Trier reiste, wurde ein Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Vor allem seit der Gründung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft  2001 intensivierten sich die Bürgerkontakte. Der Freundschaft mit Nagaoka verdankt Trier auch den japanischen Garten auf dem Petrisberg, der zur Landesgartenschau 2004 eröffnet wurde. Als Nagaoka am 1. April 2006 sein 100-jähriges Bestehen feierte, fand auch die offizielle Besiegelung der Partnerschaft mit Trier statt. 

Nagaoka hat rund 285.000 Einwohner und liegt am Fluss Shinano nahe der Westküste der japanischen Hauptinsel Honshu. Mit dem Schnellzug Shinkansen gelangt man in zweieinhalb Stunden nach Tokio. Chemische Industrie, Maschinen- und Werkzeugbau prägen diesen Wirtschaftsstandort. In der Region wird außerdem Erdöl und Erdgas gefördert. 1617 entstand eine erste Festung auf dem heutigen Gebiet von Nagaoka. 1868 wurde die Festung im Hokuetsu-Boshion-Krieg zerstört. Danach wurde eine neue Siedlung errichtet. 1906 folgte die Gründung der heutigen Stadt. Bereits mehrmals wurde Nagaoka durch Erdbeben schwer beschädigt, zuletzt im Jahr 2004. Im August 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurden außerdem bei einem Luftangriff große Teile der Stadt zerstört. Doch immer wieder erhob sich die Stadt aus den Ruinen. 

Ausstellung der japanischen Kokeshi-Figuren aus dem Bestand des Campus Gestaltung ©Jörg Obergfell/Campus Gestaltung
back-to-top nach oben