Lehre

Haare

Haare

Haare, Stoppeln, Faser
Einführung in Körpergeschichte / -politik


Haare sind normal, alltäglich und nicht der Rede wert, für viele Lebewesen und für viele Menschen. Manchmal stutzt man allerdings, wieviel Aufregung Haare verursachen können, ein Haar auf dem Bettlaken oder unrasierte Schenkel.

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit einem natürlichen Material und einem Körperkennzeichen. Wir schauen auf kulturelle und politische Themen, die anhand von Frisuren, Farben, Pflege und Einhegung sehr markant werden. Hipsterbärte und Kopftücher, Hygienevorschriften und internationaler Handel von Extensions beschäftigen Tageszeitungen und Kulturwissenschaftlerinnen. Wir untersuchen die Faszination und den Ekel von Wolle, Fell und Haar in Mode, Schmuck, Film, Comic und Oberflächendesign. Das kann kuschelig werden oder ein politischer Ausflug in Gender- und Nativism-Debatten.

Studierende aller Fachrichtungen im Fachbereich Gestaltung sind eingeladen, sich in diesem Kurs über ein sichtbares Körperteil in die Haare zu kriegen, weil es ein Tabu ist, weil es immernoch blond ist oder weil die Frisörsalons systemrelevant sind.

Accessoires

Accessoires

Zwischen Schmuck und Funktion

Rolex, Perlenkette, Medaille oder Kopfbedeckung stehen häufig in einem Spannungsverhältnis zur Kleidung. Im Modedesign sowie im populären Ratgeber wird dies meist als gefährliche Konkurrenz formuliert. Andererseits verlangt die Integration von tech fashion bzw. funktionalen wearables nun wieder eine stärkere Berücksichtigung von Accessoires. Beschäftigt man sich mit fashion theory und Modesoziologie, dann rückt die Frage der Unterscheidung von Kleidung und Dekoration ins Zentrum. Kaum ein Konzept von Mode kam ohne eine Diskussion des Schmückens und Dekorierens aus.

Wir betrachten historisch und zeitgenössisch, am Einzelfall und vergleichend „Schmuck“ als Produktdetail und als Gegenpol. Wir untersuchen den kulturellen Zusammenhang mit Kategorien von Gender, Class und Ethnie. Wir schärfen unser Verständnis für die Funktion des Accessoires, indem wir die Bedeutung des Markenlogo in der Streetwear analysieren. Auch klerikale Kleidung oder der Stellenwert von Schmuck in modest fashion (muslimisch, jüdisch) erweitern das Spektrum der möglichen Beziehungen.

Bild: Installation des Künstlers Cyrus Kabira (Vitra Design Museum 2015)

Grenzen

Grenzen

Wann ist Grenze?

Nationale Grenzschließungen sind im Jahr 2020 plötzlich wieder eine Hürde in der Tagesplanung von Europäern geworden. Für Menschen außerhalb Europas keine Neuigkeit. Doch nicht nur territoriale Grenzen zeigen verschiedene Gestalt und Härte. Auch sonst  leben und argumentieren wir mit Zäunen, Paywalls oder Obergrenzen. Die Metapher der Grenze und damit binäres Denken sind sozusagen überall zu finden.
Im Laufe des Semesters werden wir uns mit Theorie, Symbolik und Handlungszone der „Grenze“ beschäftigen. An Fallbeispielen aus Humangeographie, Soziologie, Anthropologie, Religion und Literatur verschaffen wir uns einen Überblick über die Möglichkeiten, Grenzen zu bauen, zu kennzeichnen, auszurufen oder zu überwinden.
Wie wird im Design, über Topografie und Raumkonstruktion oder über Spielstrategien und Identitäten dieses Ordnungsmodell umgesetzt? Wie behandeln Künstler*innen das Thema? Aus allen Disziplinen unseres Fachbereichs können wir Beispiele zusammentragen. Zum Beispiel fordert neuerdings das Gendersternchen als Grenzzeichen im Wort Typografie und Grafikdesign heraus…

SAMMELN UND PRÄSENTIEREN

SAMMELN UND PRÄSENTIEREN

ANSPRUCH UND PRAXIS IM MUSEUM 

Alle Fachrichtungen des Fachbereichs Gestaltung haben eine Verknüpfung zum Arbeitsfeld Ausstellung, Kulturerbe und Museum, sei es in der räumlichen oder virtuellen Szenografie, in der Museums- und Eventkommunikation oder in Konservierung, Restaurierung und Neubau. Als Vorbereitung für Teamlösungen und für die selbständige Bearbeitung von Teilaufgaben ist es hilfreich, sich grundsätzlich mit der Institution Museum vertrautzumachen. Verschiedene Ansprüche und Konventionen konkurrenzieren sich, meist kulturell und national geprägt, oftmals unausgesprochen. Manchmal entzündet sich an Diskussionen um Museen eine weiterführende gesellschaftliche Debatte wie derzeit zum Humboldt Forum in Berlin: Wie können wir unsere Kulturhäuser dekolonialisieren?
Ich selbst habe als Referentin in kulturhistorischen Ausstellungen und als Assistenzkuratorin von A = Ausleihe über N = Nuit blanche bis Z = Zinkfraß dazugelernt. Als Historikerin beschäftige ich mich mit ethischen, wissenschaftlichen und praktischen Herausforderungen von Objekthandhabung, Digitalisat und Inszenierung.

Konsum und Nachhaltigkeit

Konsum und Nachhaltigkeit

MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN FÜR DESIGN IM GESELLSCHAFTLICHEN KONTEXT

Nachhaltigkeit ist keine neue Herausforderung für gestalterische Aufgaben. Zum Beispiel einigte sich vor 50 Jahren die deutsche Getränkeindustrie auf eine Einheitsflasche, um die Handhabung der Mehrwegverpackung ökonomischer zu lösen. Die damals ausgewählte Perlenflasche von Kupetz ist heute ein Markenzeichen deutschen Industriedesigns und steht für ein Erfolgsmodell einer nachhaltigen Branchenlösung. Dennoch wird die Brunnen-Einheitsflasche heute durch PET und Markenflaschen abgelöst. Wer oder was nachhaltiger ist, ist schwer zu beurteilen. Fest steht, dass der Genuss von Wasser aus Flaschen gewaltig zugenommen hat, obwohl dieses Lebensmittel auch direkt aus der Leitung in die Küche kommt. 

In interdisziplinärer Lehre möchte ich zum Nachdenken und Diskutieren anregen, wie man in den unterschiedlichen Kontexten und Arbeitsweisen unseres Fachbereichs mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit konfrontiert wird. Welche Kriterien, welche Standards und welche Visionen haben wir? Eine historische und soziologische Einführung in die Thematik liefert Grundlagen und Orientierung für eine Analyse bei gestalterischen Aufgaben in der Zukunft. In Praxisprojekten können wir an aktuellen Aufgabestellungen der Wirtschaft oder aus dem öffentlichen Sektor die Umsetzung üben.

Interdisziplinäres Lehrangebot im SoSe 2021

Museum, bisher und in Zukunft

Verankert in StudIP unter KD Bereich B4, KONTEXT  
Modul BKD 4.10_Berufliche und zivilgesellschaftliche Praxis
SWS: 3
ECTS: 5
Termin: Montags 10:00 - 12:15 Uhr
Ort: Synchron online (teams) solange nötig
Beginn: 1. Semesterwoche

Von der Architektur und Szenografie bis zur Social Media Werbung sind Gestalter*innen prägend für das Erlebnis von Ausstellungen und Museumsräumen. Die Designbranche ist heute im breit gefächerten Ausstellungswesen stark gefragt, vom Entwurf kurzlebiger Installationen bis zur Valorisierung im konservatorischen Umfeld von Kulturerbe und Gedenkstätten. Einzelne neue Projekte – wie derzeit das Humboldtforum in Berlin – erreichen dabei eine hohe politische Aufmerksamkeit, während die Klassiker – wie das Louvre in Paris – beinahe am Erfolg ersticken. In diesem Kurs erarbeiten wir Grundlagen zum Museum als kulturelle und gesellschaftliche Einrichtung, als materielles Depot und virtueller Knotenpunkt. Wir schauen uns die Entwicklung zu heutigen Standards internationaler Verbände an und vergleichen dies mit unserer Erfahrung als Museumsbesucher im In- und Ausland.
Der interdisziplinäre Kurs ermöglicht uns, Bereiche und Probleme der Museologie aus allen Fachrichtungen zusammenzutragen. Studentische Aufgaben können entweder im interdisziplinären Team oder fachrichtungsspezifisch gelöst werden. 

Wegen der aktuellen Beschränkungen im öffentlichen Leben werden wir evtl. reale Exkursionen durch andere Experimente und Expert*engespräche ersetzen.

Bitte melden Sie sich in STUD.IP für den Kurs an, die Plätze sind begrenzt.
Wählbar für INA, MODE, IMD, KD, ARCH

zu Stud.IP (Link folgt noch)

Prof. Dr. Susanne Bennewitz
Prof. Dr. Susanne Bennewitz
Professorin FB Gestaltung

Kontakt

+49 651 8103-782

Standort

Irminenfreihof | Gebäude Q | Raum 227

Sprechzeiten

donnerstags und nach Vereinbarung, Reservierung über StudIP siehe Sprechstunden
back-to-top nach oben