Forschung

EHE UND FAMILIE

KÖRPER- UND RECHTSVORSTELLUNGEN IM 20. Jhd.
Gerade erleben wir in Europa eine Wende im Ehe- und Familienrecht, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften mehr respektiert. Es ist eigentlich ein höchst privates Thema, wer mit wem zusammenleben möchte. Doch sind die Traditionen und Ideale von religiösen oder nationalen Gruppen eng mit dem Ehe- und Familienrecht verknüpft. Daher löst dieses Thema große Kontroversen aus. In der wort- und bildstarken Debatte ist manchmal schwer zu erkennen, wie selbstverständlich wir auf ganz bestimmte soziale Funktionen von Körpern, Sexualität und Familie aufbauen.

In einem Forschungsprojekt untersuche ich an einem historischen Beispiel, wie stark das Ehegesetz von nationalen Vorstellungen geprägt sein kann und wie es einer staatlichen Bevölkerungspolitik angepasst wird. Schon 1939 wurde in der Schweiz die Papierehe unter Strafe gestellt. Der französische Schriftsteller Sacha Guitry brachte das auch in Frankreich brisante Thema in einer Gesellschaftssatire im selben Jahr in die Kinos.

Publikation:

  • Schweizerin durch Ehe. Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich und andere Frauen unter Verdacht der "Scheinehe", in: Grenzüberschreitungen. Migrantinnen und Migranten als Akteure im 20. Jh.
  • Das Zivilstandsamt Basel im Umgang mit nationalsozialistischem Eherecht, in: BZGA 2026 (in print).
  • Die Schweizer Behördenpraxis zum nationalsozialistischen Mischehenverbot von 1935, in: Geschichte und Gesellschaft 2025.

Vorträge:

  • The Juridical Concept of "Sham Marriage" in Switzerland, HU Berlin, Law in transnational space, 2020.
  • Grenzüberschreitungen. Migrantinnen und Migranten als Akteure im 20. Jahrhundert, Universität Bern, Februar 2018.
  • The Way Out. Microhistories of Flight from Nazi Germany, Luxembourg Centrefor Contemporary and Digital History, University of Luxemburg, Jan. 2018.
  • Gesellschaft für Exilforschung, Jahrestagung, Universität Saarbrücken, März 2017.
  • Negotiating the effect of the Nuremberg Laws on Swiss citizens, Université Fribourg, 2026.
  • Die Schweizer Frauenbewegung in der rechtsnormativen Debatte zur Naturalisation durch Ehe 1937, Gosteli Talks 2026, Universität Zürich.
  • Ehen ohne Intimität. Die Sexualbeziehung als juristisches Indiz, Gesellschaft für Exilforschung, Universität Wien 2025.
  • Die schweizerischen Zivilstandsämter und das Nürnberger Gesetz zur „Rassenmischehe“, 7. Schweizerische Geschichtstage, Universität Luzern 2025.

JÜDISCHE KULTURGESCHICHTE

Neben der religiösen und politischen Dimension jüdischer Geschichte gab es schon vor der (angenommenen) Säkularisierung den Bereich des Alltags und einer materiellen Praxis, der Anlass für Tausch, Kontakt und Gemeinsamkeiten bot. Die Bedeutung von Dingen und Brauchtum konnte verwischen oder neu codiert werden, insbesondere in Nationalisierungs- und Migrationsprozessen.

Zu unterschiedlichen Themen suche ich die widerständigen Geschichten: ungewöhnliche Konstellationen, subjektive Erfahrungen und unbekannte Akteure. Manchmal ist ein Aktenfund der Ausgangspunkt, manchmal ein Nähetui, dann wieder Super-8-Filme oder eine jiddische Radioserie.

Ausstellungen, Audiovisuelle Installationen, Monographien, Aufsätze, Unterrichtsmaterial

Publikation:

  • Ein weisser Fleck statt grüner Landschaft. Das Surbtal auf den Landkarten jüdischer Geschichte im 19. Jahrhundert, in: Picard / Bhend (Hgg.), «Jüdischer Kulturraum Aargau». 2020.
  • Die Zurzacher Messen im Gerede. Der alte Marktort als Stoff neuer Legenden wie Prozesse. in: ebd.
  • Jüdisches Gemeindeleben: Noch ohne Zulassung, in: Stadt.Geschichte.Basel, Band 5, 2024.
  • Erstmals Bürgerrecht für jüdische Schweizer, in: 175 Jahre Bundesverfassung, Schweizerisches Nationalmuseum 2023.

Vorträge:

  • "Ein Privatbau, aber keine Synagoge", Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt, 2026.

Schmuck als Geschmack

„Everybody sells diamonds. There are diamonds everywhere,“ wettert der Schwarzmarkthändler im Hollywood-Klassiker „Casablanca“ gegen die europäischen Flüchtlinge, die Bargeld oder - besser noch - Visa suchen.  Das sagt zwar wenig über die historische Situation im nordafrikanischen Transitland aus, aber es gehört zu einem der einflussreichsten Bildprogramme der Mediengeschichte. Und insofern zeigt dieser Film auch Standards zum guten Stil und Anstand von Schmuck. Mich interessieren die Orientalismen, Kultur- und Geschlechterkonstruktionen zu diesen Kondensaten zwischen Kommerz und Kunst.

Publikation:

  • Size Matters im Liebesring, in: Busse / Gehrlach / Isak (Hgg.), Selbstbehältnisse. Orte und Gegenstände der Aufbewahrung von Subjektivität. Berlin, 2021.
  • Getting rid of bling and dangling jewellery. The movie Casablanca and its aesthetic stronghold against the orient, in: Journal of Jewellery Research 4 (2021). journalofjewelleryresearch.pdf

Forschungsschwerpunkte

  • Jüdische Kulturgeschichte 18.-20. Jh.
  • Körper- und Geschlechterforschung
  • Biografie und Migration
  • Schweizer Geschichte 19.-20. Jh.
  • Sach- und Populärkultur
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