Vorbereitung & Anreise (#greentravel)
Wer plant, nach Budapest zu gehen, sollte mindestens 6 bis 9 Monate im Voraus mit der Organisation beginnen. Auch wenn die Beantragung über Erasmus mit etwas Struktur und den richtigen Dokumenten gut machbar ist: Manche Prozesse dauern einfach länger, als man denkt.
Bei der Anreise habe ich mich für den Zug entschieden (#greentravel). Wenn man vom Rhein kommt, gibt es eine entspannte Verbindung: Einmal in München umsteigen und dann im Eurocity oder Railjet direkt durchfahren bis Budapest. Die Fahrt dauert zwar gut 14 Stunden, ist aber super chillig und bietet eine schöne Landschaft.
Unterkunft & Wohnungssuche: Mehr Schein als Sein
In Budapest angekommen, steht meist die nächste Herausforderung an: die Unterkunft. Der Wohnungsmarkt ist lebendig, aber glücklicherweise gibt es eine riesige Auswahl an WGs und Studentenapartments. Beliebte Anlaufstellen sind Plattformen wie HousingAnywhere oder Erasmus Housing oder spezielle Facebook-Gruppen (ja, in Budapest ist Facebook tatsächlich noch sehr lebendig) für Erasmus-Studierende. Aus meiner Erfahrung heraus (und der vieler anderer) nicht uneingeschränkt zu empfehlen sind die ersten beiden Plattformen. Häufig sind die Preise völlig überzogen für das, was geboten wird: Handtuchgroße oder vollgestopfte Zimmer, veraltete Möbel und fehlende Sauberkeit. Es gibt aber auch Diamanten im wilden Wohnungsjungle von Budapest - Whatsapp-Gruppen in denen regelmäßig Wohnungen angeboten werden und dadurch schon Vorerfahrungen mitgebracht werden (ErasmusLifeBudapest).
Besonders attraktiv für das studentische Leben sind die Bezirke 6 (Terézváros) und 7 (Erzsébetváros) - hier schlägt das Herz des Nachtlebens und der berühmten Ruinenbars. Wer es etwas ruhiger, aber dennoch zentral mag, ist im 8. (Józsefváros) oder 9. Bezirk (Ferencváros) nahe den Universitäten sehr gut aufgehoben, wobei unser Campus auf der Buda-Seite liegt. Ein wichtiger Tipp: Miete niemals ein Zimmer, ohne vorher den Mietvertrag genau zu prüfen oder idealerweise eine Online-Besichtigung gemacht zu haben, um Kaution-Abzocken zu vermeiden.
Der erste Eindruck: Faszination trifft Ostblock-Charm
Das Ankommen am Bahnhof hinterlässt gemischte Gefühle. Auf der einen Seite steht die riesige Vorfreude auf das neue Leben in einer fremden Metropole. Auf der anderen Seite blickt man auf eingeschlagene Scheiben und das in die Jahre gekommene Bahnhofsgebäude.
Dieser Kontrast zieht sich durch die ganze Stadt. Während die Innenstadt und die Altstadt wunderschön restauriert und prachtvoll sind, merkt man an den Stadträndern oder auf Bahnreisen in kleinere Orte schnell, wo gespart wurde - der Charme der Ostblock-Ära lässt grüßen.
Und was das soziale Leben angeht: Keine Sorge wegen dem Anschlussfinden! Wer Angst hat, allein zu bleiben: You are wrong! Alle Erasmus-Studierenden sitzen im selben Boot und suchen Kontakte. Zwar bleiben nicht alle Leute, die man in den ersten Tagen trifft, für das gesamte Semester im engen Freundeskreis, aber man findet definitiv seine Gruppe.
Alltag & Mobilität in Budapest
Für das Unterwegssein in Budapest ist die App BudapestGO die beste Adresse.
Für den Nahverkehrsalltag lohnt es sich, zusätzlich auf eine physische Monatskarte zu setzen: So erspart man sich das ständige Scannen von QR-Codes und gerät nicht in Panik, wenn der Smartphone-Akku im ungünstigsten Moment leer ist.
Als absoluter Geheimtipp empfiehlt sich außerdem der Hungary Pass, auf den sowohl ungarische als auch internationale Erasmus-Studierende in Ungarn Anspruch haben. Dieser Pass gilt im gesamten Land im Nahverkehr - inklusive Budapest - und ist mit umgerechnet nur ca. 5,66 € pro Monat sogar günstiger als das reguläre Budapest-Ticket. Damit ist er die preiswerteste Option für tägliche Wege sowie spontane Ausflüge durch ganz Ungarn.
Akademisches & die Universität
Auch die Uni kommt beim Erasmus nicht zu kurz. Die Einführungstage waren top organisiert, und die Ansprechpartner wurden direkt klar benannt. Ein riesiges Lob geht an die Erasmus-Koordinatorin Edit: Sie war per E-Mail zuverlässig erreichbar und hilfsbereit.
Bei der Gestaltung des Stundenplans und der Kurswahl empfiehlt es sich, die Vorlesungen in den ersten Wochen gründlich auszutesten, da nicht alle im Verzeichnis angebotenen Kurse tatsächlich stattfinden. Eine größere Herausforderung stellt dabei das überschneidungsfreundliche System dar: Da viele spannende Module zeitgleich liegen, lassen sich Kompromisse oft nicht vermeiden. Eine besondere Empfehlung bekommt das Modul Plant Processing, das durch eine motivierte Professorin sowie praxisnahe und spannende Inhalte überzeugt. Ergänzend dazu bieten lebensmitteltechnologische Fächer wie Food Safety & Quality Management oder Dairy and Meat Technology faszinierende Einblicke in traditionelle ungarische Produktionsverfahren und Veredelungsmethoden, die den eigenen fachlichen Horizont spürbar erweitern. Bezüglich der Laborarbeit braucht man sich keine Sorgen zu machen, wenn man den Standard aus Trier gewohnt ist - die Anforderungen und Sicherheitsstandards sind absolut machbar und die Dozierenden legen großen Wert darauf, internationale Studierende Schritt für Schritt an die Geräte und Versuchsreihen heranzuführen. Die Prüfungsphase selbst gestaltet sich meist sehr fair und besteht oft aus einer Mischung aus kurzen Zwischenpräsentationen, Laborberichten und mündlichen oder schriftlichen Abschlussprüfungen.
Die Sprachbarriere ist ebenfalls gering, da alle Erasmus-Module auf Englisch gehalten werden und die Professoren verständlich und zugewandt unterrichten. Wer bereits etwas Ungarisch spricht oder parallel den angebotenen Sprachkurs belegt, hat darüber hinaus die Möglichkeit, auch lokale Module zu belegen oder sich in den Fachlaboren noch ungezwungener mit den einheimischen Studierenden und technischen Assistenten auszutauschen. Insgesamt bietet das Studium der
Lebensmitteltechnologie in Budapest die ideale Balance aus solidem fachlichen Wissensgewinn, entspannter Betreuung und genügend Freiraum, um das Semester in vollen Zügen zu genießen.
Studentenleben, Party & Finanzen
Das Leben außerhalb der Universität ist in Budapest einfach unschlagbar, was nicht zuletzt an der riesigen Auswahl an Bars, Cafés, Ruin Bars und Clubs liegt. Um das Beste aus der Zeit herauszuholen, lohnt es sich definitiv, Erasmus Life Budapest (ELB) zu folgen und sich für einmalig etwa 20 € die Mitgliedskarte zu sichern, die Zugang zu zahlreichen Events und attraktiven Rabatten bietet. Ein absoluter Erasmus-Klassiker zum Wochenstart ist der Montag im Morrison’s 2, wo es den halben Liter Bier für legendäre 0,60 € gibt, bevor man am Wochenende durch Ruin Bars wie das Szimpla Kert oder den riesigen Partykomplex Instant-Fogas zieht.
Sobald das Frühlingssemester Fahrt aufnimmt, verlagert sich das studentische Treiben zunehmend auf die Straßen, Plätze und an die Donauufer. Schon im März spürt man den ersten großen Feiertagstrubel rund um den Nationalfeiertag am 15. März, wenn die Innenstadt mit historischen Paraden, Straßenmusik und Märkten belebt wird. Richtig warmgelaufen ist die Stadt dann spätestens im April und Mai während des traditionsreichen Budapest Spring Festivals (Budapesti Tavaszi Fesztivál), das mit zahlreichen kostenlosen Open-Air-Konzerten, Tanzvorführungen und Kunstaktionen die Fußgängerzonen und öffentlichen Parks in Beschlag nimmt. Im Mai lockt zudem das beliebte Gourmet Festival im Millenáris Park sowie erste Craft-Beer- und Streetfood-Märkte rund um den Szabadság tér, bei denen man sich mit Freunden durch lokale Spezialitäten wie heiße Lángos probiert, während die Margareteninsel und die Stufen am Donauufer zum täglichen Open-Air-Treffpunkt für Sonnenuntergänge werden. Den krönenden Abschluss des Sommersemesters markiert Ende Juni die Nacht der Museen (Múzeumok Éjszakája) zur Sommersonnenwende: Mit einem einzigen günstigen Armband zieht man bis in die frühen Morgenstunden zwischen Ausstellungen, illuminierte Innenhöfe, Live-Gigs und spontane Straßenfeste hin und her.
Bei den Finanzen gilt es zu beachten, dass in Ungarn mit dem ungarischen Forint (HUF) gezahlt wird. Zwar akzeptieren viele Touristen-Hotspots auch Euro, allerdings meist zu sehr schlechten Wechselkursen. Es empfiehlt sich daher, zu Beginn kleinere Beträge an fairen Wechselstuben in der Innenstadt umzutauschen oder direkt eine Kredit- bzw. Debitkarte ohne Auslandsgebühren zu nutzen. Im Internet finden sich zudem hilfreiche Übersichten darüber, bei welchen Banken und bis zu welchem Betrag man gebührenfrei Bargeld abheben kann, was sich vor allem für kleinere Stände auf den Frühlingsmärkten bezahlt macht.


Sightseeing & Ausflüge: Ungarn und Nachbarländer
Budapest selbst bietet unendlich viel: das imposante Parlament, die historischen Brücken, die Fischerbastei und natürlich die weltbekannten Thermalbäder (bekommt ihr als Studenten mit BudapestGO Pass einmal pro Woche sehr günstig). Aber auch außerhalb der Hauptstadt gibt es einiges zu entdecken: Ungarn bietet zahlreiche Möglichkeiten für abwechslungsreiche Ausflüge. Für spontane Tagestrips sind Städte wie Pécs ideal geeignet, da sie sich schnell und bequem mit dem Zug erreichen lassen. Ein absolutes Highlight zu Beginn des Semesters im Februar ist das traditionelle Busó-Fest in Mohács. Es unterscheidet sich grundlegend vom klassischen, bunten Karneval: Stattdessen ziehen erschreckende Gestalten mit Holzmasken durch die Straßen, um die Wintergeister zu vertreiben - eine absolut einzigartige Erfahrung.
Im späten Frühling und Frühsommer überrascht zudem der Balaton (Plattensee) als hervorragendes Reiseziel. Ob für einen Tagesausflug oder für ein paar Tage in einer gemeinsamen Ferienwohnung mit Freunden: Der See und sein Umland, das von einer reichen österreichischen, ungarischen und osmanischen Geschichte geprägt ist, zeigen sich von ihrer traumhaften Seite. Wer noch nähere Natur- und Kulturschätze sucht, nimmt einfach die günstige HÉV-Vorortbahn ins Künstlerstädtchen Szentendre oder fährt ein Stück weiter nach Visegrád, um von der mittelalterlichen Burg den spektakulären Blick über das gesamte Donauknie zu genießen. Für Weinliebhaber und Geschichtsfans ist außerdem Eger im Nordosten ein absolutes Muss: Nach der Besichtigung der Festung und des osmanischen Minaretts zieht man gemeinsam ins „Tal der schönen Frauen“, wo sich ein historischer Weinkeller an den nächsten reiht und man den berühmten Rotwein direkt vom Fass verkosten kann.
Darüber hinaus laden die zentrale Lage Ungarns und die erstklassige Anbindung per Bus und Bahn zu Reisen in die Nachbarländer ein. Besonders Serbien und Rumänien begeistern mit ihrer spannenden Kultur, wobei das Reisen dank des Schengen-Raums meist reibungslos verläuft und lediglich an der serbischen Grenze eine Passkontrolle eingeplant werden muss. Doch auch der Westen und Norden liegen quasi vor der Haustür: In nur knapp zweieinhalb Stunden ist man mit dem Zug mitten in Wien für einen Tag voller Schlösser, Museen und Kaffeehauskultur, während Bratislava in der Slowakei ein herrlich entspanntes Ziel für einen Wochenendtrip ist. Sobald es im Mai und Juni richtig warm wird, lohnt sich schließlich auch ein Nachtzug oder Fernbus gen Süden nach Zagreb, von wo aus man sogar spontan bis an die kroatische Adriaküste durchstarten kann. Mit dem stark vergünstigten ungarischen Studententicket für Bus und Bahn ist das Reisen durchs Land und an die Grenzen budgetfreundlich, sodass Budapest wirklich das perfekte Basislager für unvergessliche Semestertrips darstellt.
Fazit & Persönliche Entwicklung
Neben Reisen, Studieren und Feiern stach 2026 auch die politische Stimmung im Land hervor. Während des Wahlkampfs konnte man den gesellschaftlichen und politischen Umbruch sowie die Stimmung im Alltagsleben hautnah miterleben. Überall im Stadtbild prägten riesige Wahlplakate, Straßendiskussionen und spontane Kundgebungen das Bild. Gerade im Austausch mit einheimischen Studierenden und Dozierenden wurde spürbar, wie intensiv und emotional die Debatten über Ungarns Zukunft, die Rolle der Medien und das Verhältnis zur Europäischen Union geführt werden. Diese aufgeladene Atmosphäre war nicht nur ein theoretisches Thema aus den Nachrichten, sondern ein greifbarer Teil des täglichen Lebens, der zum Nachdenken und Diskutieren anregte.
Persönlich hat mich die Zeit enorm weitergebracht. Wenn man sich - wie ich zuvor - noch kaum mit Ungarn auseinandergesetzt hat, lernt man schnell, sich in komplett neuen Situationen zurechtzufinden. Man wächst an den Herausforderungen, sei es bei bürokratischen Hürden, der Navigation durch eine völlig fremde Sprachwelt oder dem schnellen Finden von pragmatischen Lösungen im Alltag. Durch das Zusammenleben mit Menschen aus den unterschiedlichsten
Ländern schärft sich der eigene Blickwinkel, man hinterfragt Vorurteile, wird deutlich flexibler und baut eine ausgeprägte interkulturelle Kompetenz auf. Man lernt andere europäische Kulturen nicht nur theoretisch kennen, sondern lebt den europäischen Gedanken ganz selbstverständlich im täglichen Miteinander, kehrt mit einer großen Portion Selbstständigkeit und Weitsicht nach Hause zurück und nimmt Freundschaften fürs Leben mit.
Mein Appell an alle: Nutzt die Chance, packt die Koffer und geht raus in die Welt. Eine bessere und unkompliziertere Gelegenheit als ein Erasmus-Semester bekommt man vielleicht nie wieder!
~Eric E.
Sie verlassen die offizielle Website der Hochschule Trier