Isa Genzkens "Ground Zero"

Kunst, Architektur und Kapitalismus

Foto: Isa Genzken

Mit ihrer Werkserie „Ground Zero“, die aus sieben einzelnen Assemblagen besteht, bezieht sich Isa Genzken im Jahr 2008 gleichermaßen auf das Attentat vom 9. September 2001 wie auf den Wiederaufbau des zerstörten World Trade Centers. Dabei betrachtet sie ihre Assemblagen – durchaus mit einer Portion Humor – als alternative Architekturmodelle für eine menschenfreundlichere Nutzung des urbanen Raums, der nicht nur von Bürogebäuden eingenommen werden solle. Wie reflektieren die aus unterschiedlichen Gebrauchsgegenständen und Materialien lose zusammengefügten Assemblagen die traumatische Dimension von 9/11? Und wie kann der ironisch-kritische Kommentar einer Bildhauerin auf die komplexe Geschichte des architektonischen Wiederaufbaus genauer verstanden werden?

Diesen zentralen Fragen bin ich im Rahmen meines Buchprojektes ausführlich nachgegangen und habe die Werkserie mit ihren vielfältigen Bezügen zur modernen und zeitgenössischen Architektur und Architekturtheorie interpretiert. Diese Bezüge sind wiederum eng verbunden mit künstlerischen Fragestellungen, wie sie in den 1960er Jahren einerseits von der Minimal Art mit ihrer phänomenologisch fundierten Reflexion körperlicher Wahrnehmung und andererseits von der Pop Art mit ihrer zeichenhaften, narrativen und populär-kulturellen Erweiterung des klassisch-modernen Kunstbegriffs begründet wurden. Ähnlich wie dies Daniel Libeskind für seine ersten Entwürfe der Neubebauung von Ground Zero vorgesehen hat, nutzt auch Isa Genzken das reiche Material moderner Gestaltung auf eine gleichsam dekonstruktivistische Art und Weise. Mit der Wahl ihrer Gestaltungselemente, zu denen ganz zentral Kunststoffmöbel der Designfirma Kartell gehören, stellt sie allerdings einen expliziten Zusammenhang zur Welt der Waren, des Konsums und unseres postfordistisch geprägten Kapitalismus her. Dies rückt ihre Arbeiten letztlich in die Nähe eines anderen zeitgenössischen Architekten – Rem Koolhaas – und seinen Überlegungen speziell zur Hochhausarchitektur von New York. Gestaltet wurde das Buch für den transcript-Verlag von meinem Kollegen Prof. Dirk Wachowiak und Stefanie Schwarz.

Laufzeit Januar 2023 – Juni 2024

Projektleitung an der Hochschule Trier:

Prof. Dr. Gerald Schröder
Professor FB Gestaltung - FR Kommunikationsdesign

Standort

Paulusplatz | Gebäude S | Raum 13
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