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Jo Meurer: Der Modepapst von der Mosel wird 70

Foto: Fotoarchiv Jo Meurer/Reproduktion Sabine Krösser

Er lehrte Modedesign in Trier, designte Herrenanzüge in München und entwarf Kleidung für deutsche Olympioniken. Was Jo Meurer von den aktuellen Olympia- und WM-Outfits hält.

Trier. Gleich vier gefeierte Sommer-Olympia-Kollektionen für die Deutschen Olympiamannschaften 1988 in Seoul, 1992 in Barcelona, 1996 in Atlanta (USA) und 2000 in Sydney (Australien) entsprangen der Hochphase seiner Kreativität und brachten Jo Meurer internationales Renommee ein. Damals arbeitete der Diplom-Designer (FH/seit November 1983) noch fürs NOK (Nationales Olympisches Komitee) und führte diverse Unternehmen beziehungsweise Hersteller zusammen, um unter seiner Ägide für Damen und Herren passgenaue und zweckgebundene Sportswear zu kreieren. Denn vor fast 40 Jahren war Meurer sowohl für den Gesamtentwurf als auch die Produktionskoordination der Kollektion für die Deutsche Olympiamannschaft in Seoul zuständig. Seine Erfahrungen und Kontakte als freier Designer – so war er unter anderem in den Bereichen Damenoberbekleidung (DOB) sowie Sportswear aktiv und arbeitete für Marken wie Betty Barclay oder Rena Lange, Lloyd, Fruit of the Loom (Europe), Mustang, Falke, Hudson, Philip Morris – kamen ihm für die anspruchsvolle Aufgabe zugute. 

„Tempi Passati“: Modedesigner Jo Meurer wird 70 Jahre und blickt zurück.
Es sind wirklich „vergangene Zeiten“, über die wir mit Jo Meurer anlässlich seines runden Geburtstages sprechen. Die„70“ sieht man dem„Realo der Mode“ wirklich nicht an, und er erinnert sich lächelnd gerne an seine olympischen Meisterwerke, obwohl er sich anfangs doch ein bisschen verwundert zeigte, dass wir diese noch einmal aufgreifen. Er erklärt: „Damals oblag mir noch die Gesamtkoordination der jeweiligen olympischen Sommer-Kollektion. Ich musste dazu viele Firmen zusammenbringen. Es wurde auch über verschiedene Firmen produziert. Das machte es möglich, dass wir nahezu zum Einkaufspreis produzieren konnten. Das hat sich seit meiner letzten Olympia-Kollektion komplett geändert.“ 1986 fragte der bedeutende deutsche Mode-Experte, Publizist und Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Herrenmode, Herbert L. Piedboeuf (†2013), bei Meurer an, ob er sich vorstellen könnte, eine Sommer-Olympia-Kollektion zu entwerfen und zu realisieren. Als Meurer dann erfolgreich erste Entwürfe in Frankfurt präsentiert hatte, kam ab der zweiten Kollektion das NOK auf ihn zu. Olympia-Outfits: Worauf der Modedesigner von der Mosel Wert legte „Ich fand es immer sehr wichtig, dass auch die Funktion meiner olympischen Kollektionen stimmte. Das musste von beteiligten Sportlern und Sportlerinnen immer vorher getestet werden, denn bei einer solchen Kollektion geht es nicht nur darum, dass sie toll aussieht und etwas hermacht auf dem internationalen Parkett, sondern sie muss auch funktional sein.“ Bekannte deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney wie die Kanu-Legende Birgit Fischer, der Leichtathlet Nils Schumann, Weitsprung-Ikone Heike Drechsler und Radsportler Jens Lehmann dankten es ihm. „Es ist schon ein riesengroßer Unterschied, ob man einen muskulösen Diskuswerfer wie Olympiagewinner Lars Riedel einkleidet oder einen eher drahtigen Steuermann vom deutschen Ruder-Achter. Oder einen kleinen, schmalen Schwimmer beziehungsweise einen Kugelstoßer …“, erklärt Meurer. „Die Konfektionsvielfalt ergibt sich immer durch die verschiedenen Anforderungen an die Größen.“ Dass seine Kollektionen – nach rund zweijähriger Entstehungsphase – farblich, design- und materialmäßig auch bei den Eröffnungsfeiern gut ankamen, davon durfte sich Meurer auf Einladung des NOK persönlich in Barcelona, Atlanta und Sydney überzeugen. Damals hießen die NOK-Präsidenten übrigens noch Willi Daume (†1996) und „Tempi Passati“: Modedesigner Jo Meurer wird 70 Jahre und blickt zurück Es sind wirklich „vergangene Zeiten“, über die wir mit Jo Meurer anlässlich seines runden Geburtstages sprechen. Die„70“ sieht man dem „Realo der Mode“ wirklich nicht an, und er erinnert sich lächelnd gerne an seine olympischen Meisterwerke, obwohl er sich anfangs doch ein bisschen verwundert zeigte, dass wir diese noch einmal aufgreifen. Er erklärt: „Damals oblag mir noch die Gesamtkoordination der jeweiligen olympischen Sommer-Kollektion. Ich musste dazu viele Firmen zusammenbringen. Es wurde auch über verschiedene Firmen produziert. Das machte es möglich, dass wir nahezu zum Einkaufspreis produzieren konnten. Das hat sich seit meiner letzten Olympia-Kollektion komplett geändert.“ 1986 fragte der bedeutende deutsche Mode-Experte, Publizist und Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Herrenmode, Herbert L. Piedboeuf (†2013), bei Meurer an, ob er sich vorstellen könnte, eine Sommer-Olympia-Kollektion zu entwerfen und zu realisieren. Als Meurer dann erfolgreich erste Entwürfe in Frankfurt präsentiert hatte, kam ab der zweiten Kollektion das NOK auf ihn zu. 

Olympia-Outfits: Worauf der Modedesigner von der Mosel Wert legte „Ich fand es immer sehr wichtig, dass auch die Funktion meiner olympischen Kollektionen stimmte. Das musste von beteiligten Sportlern und Sportlerinnen immer vorher getestet wer-den, denn bei einer solchen Kollektion geht es nicht nur darum, dass sie toll aussieht und etwas hermacht auf dem internationalen Parkett, sondern sie muss auch funktional sein.“ Bekannte deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney wie die Kanulegende Birgit Fischer, der Leichtathlet Nils Schumann, Weitsprung-Ikone Heike Drechsler und Radsportler Jens Lehmann dankten es ihm. „Es ist schon ein riesengroßer Unterschied, ob man einen muskulösen Diskuswerfer wie Olympiagewinner Lars Riedel einkleidet oder einen eher drahtigen Steuermann vom deutschen Ruder-Achter. Oder einen kleinen, schmalen Schwimmer beziehungsweise einen Kugelstoßer …“, erklärt Meurer. „Die Konfektionsvielfalt ergibt sich immer durch die verschiedenen Anforderungen an die Größen.“ Dass seine Kollektionen – nach rund zweijähriger Entstehungsphase – farblich, design- und materialmäßig auch bei den Eröffnungsfeiern gut ankamen, davon durfte sich Meurer auf Einladung des NOK persönlich in Barcelona, Atlanta und Sydney über-zeugen. Damals hießen die NOK-Präsidenten übrigens noch Willi Daume (†1996) und Prof. Walther Tröger (†2020) … Die Fusion von NOK und DSB (Deutscher Sportbund) erfolgte 2006 zum DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund in Frankfurt). Laut Recherche bei Felix Wolf, Referent Verbandskommunikation DOSB, war es „Anlass und Ziel, die beiden Organisationen zusammenzuführen, um den Sport an der Spitze mit einer Stimme sprechen zu lassen und die Themen Leistungssport (NOK) und Breitensport (DSB) nicht getrennt zu behandeln“. Diese Zusammenführung hatte natürlich auch Einfluss auf die jeweiligen Olympia-Kollektionen wie Wolf auf unsere Nachfrage zum Ist-Zustand heute berichtet: „Das erfolgt alles aus einer Hand. Unser Partner für die Bekleidung der Sommer- und Winterspiele ist noch bis 2032 adidas. Zuvor war der Einkleidungspartner lange das Unter-nehmen Bogner. Heute wird die Bekleidung von adidas unter anderem unter Einbezug olympischer und paralympischer Athleten und Athletinnen erstellt, die ihr Feedback zu Design, Material und Funktionalität früh-zeitig zu Beginn des Prozesses mit reingeben dürfen, damit die Kleidung den Bedürfnissen und Vorlieben der Sportler entspricht.“ Wie gefällt Meurer nun das aktuelle Winter-Olympia-Outfit 2026? „Also, ohne jetzt jemandem zu nahe treten zu wollen –schließlich will ich in Herzogenaurach (Anm. d. Red.: dem Hauptsitz von adidas in Deutschland) ja kein Hausverbot erhalten - fand ich die aktuelle Kollektion zu kostümhaftig. Mir fehlte hier die Verbindung zwischen Design und Funktion, deshalb fand ich die Umsetzung nicht so ideal gelöst“, so das Urteil des Olympia-Designers. „Auch war mir die Kollektion zu düster-dunkel. Man hätte sie aus meiner Sicht farblich heller, ja freundlicher gestalten können. Das ist jedenfalls meine persönliche Meinung.“

Außerdem frotzelte Meurer im Gespräch mit uns, dass die Winter-Olympiade ja nur zusätzlich – nach dem Rückzug des IOC-Gründers Pierre de Coubertin – erstmals 1924 im französischen Chamonix ins olympische Programm aufgenommen worden sei. Deshalb empfinde er die Sommerspiele – sozusagen die „Ur-Olympiade“ – als die wichtigeren Spiele; und damit auch die von ihm entworfenen olympischen Sommer-Kollektionen wie er im Gespräch humorvoll hinzufügte. Aus seiner Erfahrung lasse sich zudem eine Kollektion für eine Winter-Olympia-de aufgrund der Homogenität der Figuren, da es sich bei fast allen Sportlerinnen und Sportlern um gut durchtrainierte Figuren handele, leichter umsetzen. „Die aktuelle Winter-Kollektion kann man gut finden oder komplett ablehnen. Es gab zu diesem Out-fit ja unterschiedliche, sogar polarisierende Meinungen. Aber auf der anderen Seite – wie heißt es so schön: ‚every publicity is good publicity‘! Man hat halt darüber gesprochen und viel diskutiert. Bei anderen Kollektionen hat man das nicht getan, die hat man des-halb auch nicht mehr bildhaft vor Augen. Eines ist sicher: An die 2026er Version er-innert man sich“, lautet das Experten-Urteil. Und wie sieht‘s mit der WM-Kollektion für unsere DFB-Jungs aus? Bei der Beurteilung dieser Retro-Linie aus dem Hause adidas gerät Meurer, der sich vorerst nur beim Abflug des DFB-Kaders ein Bild davon machen konnte, ins Schwärmen. „Das WM-Outfit ist gut gelungen! Die Kurzjacketts mit dem Hemdenkragen sehen aus meiner Sicht sehr schön aus. Auch die Streifenshirts sehen wirklich sehr gut aus, zumal sie auch sehr gut kombinierbar sind. Die Hosen, die dieses Mal etwas weiter sind, passen super. Diese Kollektion, bei der Design und Funktionalität sehr gelungen zusammengeführt wurden, ist ein Volltreffer. Das sieht man auch an den Gesichtern der Sportler, wenn die sich wohlfühlen, wie es hier zweifelsohne der Fall ist.“ Und Meurer ergänzt gut gelaunt, da kurz vor seinem Sommerurlaub stehend: „Nach diesen Outfits müssten wir Weltmeister werden. Ich bin jedenfalls ganz zuversichtlich!“

Hier gehts es zum Artikel im TV vom 27.06.2026

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