Talking Numbers

Languages influences on number processing in different stages of life

Foto: Stefanie Jung

Der Erwerb von Zahlwörtern ist wesentlich für die Entwicklung grundlegender numerischer Kompetenzen. Sprachliche Besonderheiten im Zahlwortsystem, wie beispielsweise die inverse Sprechweise von Zahlen und Zahlwörtern (z. B. wird die Zahl 32 im Deutschen als „zweiunddreißig“ gesprochen), können die Entwicklung numerischer Fähigkeiten beeinflussen. Häufig treten dabei komorbide Störungen im Bereich der Sprach- und Zahlenverarbeitung auf. Die genauen Zusammenhänge werden bis heute jedoch kontrovers diskutiert. Hinzu kommt, dass sich die Zahlwortsyntax und die Transparenz bei der Zuordnung von Zahlwörtern zum Platz-x-Wert-System der Zahlen zwischen verschiedenen Sprachen unterscheiden (z. B. Englisch, Deutsch, Französisch). Dies erschwert den wissenschaftlichen Austausch und die Generalisierbarkeit von Forschungsergebnissen.

Talking Numbers (TALKNUM) verfolgt einen sprachenübergreifenden Ansatz, um den Zusammenhang von Sprach- und Zahlenverarbeitung im Französischen und Deutschen zu spezifizieren. Beide Sprachen sind dafür besonders geeignet, da sie unterschiedliche Komplexitätsstufen der Zahlwortsyntax abdecken (d. h. transparent, intransparent mit geringer Komplexität, intransparent mit hoher Komplexität). Wir nutzen diese Komplexitätsunterschiede, um die linguistischen Einflüsse auf die verschiedenen Ebenen des Platz-x-Wert-Systems (d. h. Identifikation, Aktivierung und Manipulation) zu erschließen. Diese Ebenen werden in Beziehung gesetzt zu den sprachlichen Leistungen auf den Leveln Phonologie, Morphologie und Syntax. In TALKNUM werden diese Beziehungen auf Verhaltens-, neurofunktioneller (fMRT) und neurostruktureller Ebene (MRT mit uni- und multivariatem Lesion-Behavior Mapping sowie Disconnectome Mapping) bei französisch- und deutschsprachigen Personen untersucht. Dies ermöglicht einen direkten Vergleich beider Zahlwortsysteme. Es werden drei Altersgruppen (d. h. Kinder, Erwachsene und Ältere) eingeschlossen, um Erkenntnisse über altersbedingte Veränderungen der Spracheinflüsse auf die Zahlenverarbeitung zu gewinnen. Zudem werden die Auswirkungen typischer und beeinträchtigter Sprachverarbeitung (d. h. bei Kindern mit und ohne Sprachentwicklungsstörungen und nach Schlaganfall) untersucht. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt erlauben Rückschlüsse auf die Auswirkungen von Sprache und deren Beeinträchtigung auf die Zahlenverarbeitung. Die systematische Analyse der neurofunktionellen und -strukturellen Korrelate, die für die gemeinsamen Verarbeitungsprozesse angenommen werden, trägt zum theoretischen Verständnis bei, um zu erklären, wie und auf welcher Ebene des Platz-x-Wert-Systems die sprachlichen Level miteinander interagieren. Dieses Verständnis ist entscheidend für die Weiterentwicklung spezifischer domänenübergreifender Ansätze zur Therapie von Störungen in der Zahlen- und/oder Sprachverarbeitung im Lauf der Lebensspanne.

Konsortium Hochschule Trier; Sorbonne Universität Paris; Universität Tübingen; Hertie-Stiftung für klinische Hirnforschung
Laufzeit Mai 2024 – April 2027
Gefördert durch Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG); Agence Nationale de la Recherche (ANR)
Im Programm ANR-DFG-Förderprogramm für deutsch-französische Forschungsprojekte in den Geistes- und Sozialwissenschaften
Fördersumme 785.000 €; Anteil der Hochschule Trier: 251.000 €

Projektleitung an der Hochschule Trier:

Prof. Dr. Stefanie Jung, Diplom Logopädin
Professorin für Logopädie

Kontakt

+49 651 8103-799

Standort

Schneidershof | Gebäude L | Raum 206
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