Die Edelsteinbearbeitung an der Oberen Nahe hat auf dem Weg zur Anerkennung als immaterielles Kulturerbe eine wichtige Hürde genommen: Auf Landesebene wurde das traditionsreiche Handwerk bereits anerkannt und für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen. Damit ist der Weg frei für die nächste Entscheidung – im Laufe des Jahres auf Bundesebene. Für die Region rund um Idar-Oberstein ist dies ein bedeutender Schritt. Denn bereits 2022 war ein erster Antrag gestellt worden, der nach einer Prüfung durch die Deutsche UNESCO-Kommission überarbeitet werden musste.
Die damalige Bewerbung wurde grundsätzlich positiv aufgenommen, es sollten aber noch einzelne Aspekte ergänzt werden. Dazu gehörten unter anderem die Auseinandersetzung mit kolonialen Verflechtungen im Edelsteinhandel, Fragen der Nachhaltigkeit im Umgang mit Rohstoffen sowie die heutige Bedeutung des Handwerks für die regionale Identität. Gleichzeitig sollte die Trägergemeinschaft stärker sichtbar werden – als zentraler Bestandteil dieser gewachsenen Identität. Diese Punkte wurden im neuen Antrag entsprechend berücksichtigt.
Im Zentrum der Bewerbung steht die sogenannte Trägergemeinschaft – also all jene, die die Edelsteinbearbeitung heute tragen und weiterentwickeln: Handwerksbetriebe, Designerinnen und Designer, der Campus Idar-Oberstein der Hochschule Trier sowie weitere Einrichtungen der Branche. Initiiert wurde der Antrag maßgeblich von Hans-Ulrich Pauly, Obermeister und Vorsitzender des Fördervereins der edelsteinbearbeitenden Handwerke. Der Graveur aus Veitsrodt engagiert sich seit Jahrzehnten für die Weitergabe des Handwerks und dessen Sichtbarkeit.
Die Ausarbeitung des Antrags übernahm federführend Julia Wild, Dozentin am Campus Idar-Oberstein der Hochschule Trier. Sie brachte insbesondere die Perspektive der Ausbildung und die Vernetzung der unterschiedlichen Akteursgruppen ein.
Wild betont:
„Die Edelsteinbearbeitung lebt von ihrer Vielfalt – vom traditionellen Schleifen bis hin zu zeitgenössischem Design. Uns ist es besonders wichtig, die Trägergemeinschaft sichtbar zu machen und weiter zu stärken.“ Und weiter: „Wenn die unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure noch stärker kooperativ zusammenarbeiten, können wir das Wissen nicht nur bewahren, sondern auch gemeinsam weiterentwickeln und zukunftsfähig machen.“
Auch Pauly sieht in der Bewerbung ein wichtiges Signal:
„Die Edelsteinbearbeitung wird seit Generationen weitergegeben – oft ganz praktisch, von Mensch zu Mensch. Dieses Erfahrungswissen ist ein zentraler Teil unserer Tradition.“
Mit Blick auf die Zukunft sagt er: „Es geht auch darum, unser Handwerk sichtbarer zu machen und jungen Menschen zu zeigen, dass es hier echte Perspektiven gibt.“
Die Edelsteinbearbeitung prägt die Region rund um Idar-Oberstein seit Jahrhunderten. Vom Rohstein bis zum fertigen Schmuckstück ist jeder Arbeitsschritt geprägt von Präzision und Erfahrung.
Heute verbindet das Handwerk Tradition mit neuen Impulsen aus Design, Ausbildung und Forschung. Am Campus Idar-Oberstein der Hochschule Trier studieren junge Menschen aus vielen Ländern weltweit – ein Spiegel der internationalen Bedeutung der Edelsteinbranche. Die enge Zusammenarbeit zwischen Praxis und Hochschule zeigt, wie sich das kulturelle Erbe weiterentwickelt.
Nach der erfolgreichen Nominierung auf Landesebene wird der Antrag nun auf Bundesebene geprüft. Dort fällt im Laufe des Jahres die endgültige Entscheidung über die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Für die Region wäre dies ein starkes Zeichen – für gelebte Tradition, gemeinsame Verantwortung und die Zukunft eines besonderen Handwerks.
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