FORTGANG

Mai 2019 – als ich nach Hause komme, steht eine kleine blaue, weiß-gestreifte Kiste auf dem Koffer neben meiner Tür. Ich kann mich nicht erinnern, woher ich kam, nur das diese Box dort stand. Eine Box kleiner als ein Schuhkarton, circa 5 cm hoch, 10 cm lang und vielleicht 7 cm breit. Portokosten maximal 3,90 Euro bei DHL. Ich nahm sie mit in mein Zimmer stellte sie in eine Ecke und versuche, sie zu ignorieren. Ich muss sie nicht öffnen, um zu wissen, was drin ist. Ich warte seit fast 12 Monaten auf diese Box. Ich koche vor Wut. Am meisten auf mich selbst. Weil es mir egal sein sollte, weil ich es nicht an mich heranlassen sollte. Leichter gesagt, als getan.“ „It's like Tolstoy said, Happiness is an allegory. Unhappiness is a story.“ Haruki Murakami. Weiblich, 29, geboren am 20.08.1990 um 15:12 Uhr in München im Klinikum der Universität in der Maistraße, Protagonist in dieser Geschichte, dennoch universell austauschbar. Denn jeder Mensch hat dieses Szenario – so oder ähnlich – durchlebt. Und das ganze wahrscheinlich nicht nur einmal.

Das Ende der Liebe. „Es ist vorbei“, die drei plakativen Worte, die eine ganze Welt zum Einsturz bringen können. Und zurück bleiben zwei verletzte Menschen, Erinnerungstücke, die nun wertlos scheinen und ein gemeinsames Leben, das jetzt in zwei getrennte Leben aufgeteilt wird.Jeder Mensch mag sich in der Situation wiederfinden, nicht gezwungenermaßen durch einen Partner, ebenso durch Freunde, Familie oder Affären. Der Trennung von einem Menschen, den man liebt, ist leider jederzeit möglich und was zurückbleibt, ist meist Schmerz. 

Liebeskummer ist ein omnipräsentes Gefühl, etwas das allgegenwärtig ist und auch wenn sich nicht jeder offen dazu bekennen mag, so gibt es wahrscheinlich in jedem Haushalt so eine Kiste. Gefüllt mit puren Emotionen verpackt in alte Briefe, Fotos und T-Shirts. Ein Gefühl, das jeder kennt und durchlebt hat. Und auch wenn es noch so traurig ist, gibt es wenig Themen, die uns Menschen so sehr reizen, weil wir uns alle in das gegenüber hineinversetzen können. Inspiriert von den Überbleibseln vergangener Beziehungen stellt sich die Frage, assoziieren wir nicht alle gewisse Kleidungsstücke mit Menschen, die uns nahe sind oder waren? Sei es Familie, Eltern, Geliebte oder auch Freunde? Und tragen wir dadurch nicht alle Emotionen in gewissen Kleidungsstücken mit uns? Kann eine Kollektion somit ein Gefühl transportieren, in dem sich jeder Mensch wiederfindet?

Fortgang- Processing 1613r ist der Versuch die eigene Geschichte stellvertretend zu reflektieren und diese Gefühle zu visualisieren. Es ist die Geschichte viele Abschiede und impliziert dennoch nie ein Ende, sondern immer einen Neuanfang.​

FORTGANG Svenja Woltmann

MENTOR Professor Dirk Wolfes

BACHELORTHESIS

 

  • FOTOS Laura Schleder/ Instagram @laura_schleder
  • MODELS Miriam Sippl/ Let it go Managment/ @miriamguiliette, Patrick Amelie Becker/ @wbruhackebeiltoni
  • HAIR & MAKE UP Lena Klein/ @paper_and_powder
  • ASSISTANT Anne Marzi/ @annestract
  • DRAPING-MODELS Hannah Knoblauch/ @hannahflicka​​

 

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