ICH PACKE MEINEN KOFFER

„Ich packe meinen Koffer…“

Mit diesen Worten fängt das uns allen bekannte Kinderspiel an. Und für gewöhnlich fin- den sich, von der Fantasie beflügelt, die verschiedensten Gegenstände im Koffer wieder, was gar nicht so fern unserer heutigen Realität ist. Es passt mehr in den Koffer, da alles „mobile“ geworden ist, alles ist in Bewegung, nicht nur Produkte und Dienstleistungen, sondern wir selbst.

Das Ziel des Spiels ist natürlich das Trainieren des Gedächtnisses, doch das Thema ist die Reise. Man kann sich auf die Reise machen oder auch auf Wanderschaft gehen, so wie die Nomaden früher in Afrika und Asien: mit Herden herumziehende Viehhirten oder Clans von Beduinen oder Tuaregs, die aus wirtschaftlichen Gründen niemals sesshaft wurden.

Heute hat der Begriff des Nomaden eine andere, viel offenere und weit greifendere Be- deutung. Durch die Digitalisierung und Globalisierung ist der Aspekt von Bewegung und Bewegtheit in unsere Lebens- und Denkweisen eingeflossen. Von uns wird verlangt, dass wir aktiv, mobil und flexibel sind. Immer und überall.

Unsere Wanderschaft ist nicht mehr eine rein geographische, physische sondern vielmehr eine zwischen Möglichkeiten. Wir wählen, wechseln und wandern zwischen Berufen, Part- nern und ganzen Lebensmodellen. So wie die alten Nomaden ihre reliefartigen Spuren im Sand der Dünen hinterließen, wie es grundsätzlich durch die Kulturgeschichte hin- durch ein Charakteristikum des Menschen war, Spuren auf der Erde zu hinterlassen, als späteres Zeugnis seines eigenen Da- seins, hinterlassen auch die unzählbaren Wahlmög- lichkeiten unserer modernen Zeit ihre Spuren bei uns. Das Versprechen enormer Freiheit kann beflügeln und gleichzeitig überfordern. Auch wir als Individuen hinterlassen Spuren und prägen andere durch unsere Interaktionen. Es ist das Prinzip von Ursache und Wir- kung, man kann nicht nicht kommunizieren, jede Aktion trägt auch eine Nachricht, jede Bewegung oder Nicht-Bewegung hinterlässt eine Spur.

ICH PACKE MEINEN KOFFER Patricia Szydlowski

MENTORIN Professorin Bettina Maiburg

BACHELORTHESIS

 

PHOTOGRAPHY Lukas Langguth

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