Campus Gestaltung

The Last Curtain - Mode, Erinnerung und Theatergeschichte im Dialog – Fotoshooting im Theater Trier vor der Renovierung

Foto: Sarah Mohei El-Din

Im Rahmen eines außergewöhnlichen interdisziplinären Projekts verwandelte sich das Theater Trier in eine Bühne für Mode, Fotografie und persönliche Geschichten. Kurz vor Beginn der umfassenden Umbau- und Renovierungsarbeiten am Theater entstand ein umfangreiches Fotoshooting, das die besondere Atmosphäre des Hauses mit den kreativen Entwürfen von Studierenden des Masterstudiengangs Modedesign verbindet.

Unter der Betreuung von Professor Christian Bruns arbeiteten Studierende verschiedener Studiengänge des Campus Gestaltung über mehrere Wochenenden hinweg intensiv zusammen. Ziel des Projekts war es, die einzigartigen Räume des Theater Trier noch einmal künstlerisch einzufangen und dabei Mode, Architektur, Geschichte und Emotion miteinander zu verweben. Das historische Gebäude wurde nicht nur als Kulisse genutzt, sondern als erzählerischer Raum verstanden, der die Arbeiten der Studierenden auf besondere Weise ergänzt und erweitert.

Die fotografische Leitung übernahm die Fotografin Sarah Mohei El-Din aus dem Studiengang Kommunikationsdesign. Mit großer Sensibilität für Licht, Raumwirkung und Inszenierung gelang es ihr, die besondere Stimmung des Hauses einzufangen – von den verwinkelten Gängen über die Probebühnen bis hin zu den verborgenen Werkstätten und den ikonischen Treppenhäusern des Theaters. Unterstützt wurde sie dabei von Leonard Pumplün aus dem Studiengang Intermediadesign, der als Assistenz maßgeblich zur technischen und organisatorischen Umsetzung beitrug. 

Vor der Kamera standen die Arbeiten der Masterstudierenden Shannon Böttig, Sarah Hüttemeister, Sarah Baader, Sarah Alisha Vogeler, Paula Reinhardt, Paul Straubinger, Müzeyyen Solak, Julia Schwarz, Jana Herrig, Clara Kreuzer und Anna Lena Hentschel. Die entstandenen Fotografien zeigen dabei weit mehr als Mode im klassischen Sinne. Vielmehr entstanden visuelle Erzählungen, die das Zusammenspiel von Körper, Raum, Materialität und Erinnerung sichtbar machen. Die Models Melanie Limberg, Giulia Kapper, Marius Konstantin Thiel, Sarah Alisha Vogeler, Sarah Strauss, Vera Maria Dreut trugen mit Ausdrucksstärke und Sensibilität für die besonderen Inszenierungen wesentlich zur Atmosphäre der entstandenen Bildserien bei. Durch ihre individuelle Präsenz gelang es, die gestalterischen Konzepte der Studierenden emotional und visuell erfahrbar zu machen. 

Die Kulissen des Theaters verliehen den Entwürfen eine besondere emotionale Tiefe. Die morbide Schönheit eines Hauses kurz vor seiner Veränderung traf auf die experimentellen und zeitgenössischen Arbeiten der jungen Designerinnen und Designer. Abgenutzte Bühnenböden, technische Einrichtungen, schwere Vorhänge, Garderoben und Werkstätten wurden zu atmosphärischen Schauplätzen, in denen Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen.

Besonders eindrucksvoll waren die persönlichen Geschichten, die während der Produktion ans Licht kamen. So stellte sich während eines Shootings heraus, dass der Großvater eines Studenten in den 1960er Jahren das Geländer eines Treppenhauses im Theater gebaut hatte. Jahrzehnte später wurde nun direkt vor diesem Geländer das Kleid seines Enkels fotografiert. Ein Moment, der die emotionale Verbindung zwischen Generationen, Handwerk und Gestaltung auf eindrucksvolle Weise sichtbar machte und symbolisch für die Bedeutung des Projekts steht. Das Theater wurde dadurch nicht nur zum Ort kreativer Arbeit, sondern auch zum Speicher persönlicher Erinnerungen und regionaler Geschichte.

Die intensive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Disziplinen prägte das gesamte Projekt. Mode, Fotografie, Inszenierung und Dramaturgie griffen ineinander und schufen einen offenen kreativen Austausch, der weit über die Grenzen einzelner Studiengänge hinausging. Ein besonderer Dank gilt dabei Elisa von Issendorff, Dramaturgin am Theater Trier, für die engagierte und inspirierende Zusammenarbeit. Durch ihre Unterstützung und ihre Kenntnisse des Hauses konnten viele außergewöhnliche Orte innerhalb des Theaters erschlossen und künstlerisch genutzt werden.

Ebenso gilt dem Theater Trier großer Dank für das entgegengebrachte Vertrauen sowie den außergewöhnlichen Zugang zu sämtlichen Räumlichkeiten des Hauses. Dass Studierende die Möglichkeit erhielten, in nahezu allen Bereichen des Theaters arbeiten und fotografieren zu dürfen, war keineswegs selbstverständlich und ermöglichte erst die besondere Qualität und Vielfalt der entstandenen Arbeiten. Gerade in einer Phase kurz vor den anstehenden Renovierungsmaßnahmen entstand dadurch ein einzigartiges Zeitdokument, das die Atmosphäre des Hauses in seiner bisherigen Form bewahrt.

Die Shootings fanden über mehrere Wochenenden hinweg statt und verlangten von allen Beteiligten ein hohes Maß an Engagement, Organisation und Teamarbeit. Häufig wurde ab dem frühen Morgen gearbeitet, um bestimmte Lichtstimmungen einzufangen oder komplexe Bildideen umzusetzen. Trotz der intensiven Arbeitsphasen war das Projekt von einer außergewöhnlich positiven und kollegialen Atmosphäre geprägt. Gerade das gemeinsame Arbeiten vor Ort, das Erkunden der Räume und das spontane Entwickeln neuer Bildideen machten den besonderen Charakter der Produktion aus.

Für die Studierenden bot das Projekt nicht nur die Möglichkeit, ihre gestalterischen Arbeiten professionell zu präsentieren, sondern auch wertvolle Erfahrungen in der interdisziplinären Zusammenarbeit zu sammeln. Gleichzeitig entstand ein kreativer Dialog zwischen einer traditionsreichen Kulturinstitution und jungen Gestalterinnen und Gestaltern, die neue Perspektiven auf den Ort eröffneten.

Die entstandenen Fotografien dokumentieren somit nicht nur modische Entwürfe, sondern auch einen besonderen Moment im Wandel des Theater Trier. Kurz bevor sich das Gebäude durch Umbau und Renovierung verändern wird, entstanden Bilder, die die Seele des Hauses festhalten – mit all seinen Geschichten, Spuren und Erinnerungen. Sie zeigen, wie kreativ-künstlerische Zusammenarbeit neue Blickwinkel eröffnet und wie Orte durch Gestaltung, Mode und Fotografie neu erzählt werden können.

Das Projekt steht exemplarisch für die enge Verbindung zwischen des Campus Gestaltung der Hochschule Trier und den kulturellen Institutionen der Region. Es verdeutlicht zugleich, wie wichtig kreative Kooperationen für die Ausbildung junger Designerinnen und Designer sind und welchen Mehrwert sie für das kulturelle Leben einer Stadt schaffen können.

Mit dem Fotoshooting ist nicht nur eine eindrucksvolle Bildserie entstanden, sondern auch ein emotionales Zeugnis eines Gebäudes im Übergang – festgehalten durch die Perspektive einer neuen kreativen Generation.

Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
Foto: Sarah Mohei El-Din
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