MAKERS MALL.

Alles muss raus! Adaptive Umnutzung Sportarena Hauptwache
Marie Schillo

Betreuer
Prof. Jan - Henrik Hafke

Projekttyp
Masterthesis, Architektur
Wintersemester 2021-2022

 

Text der Verfasserin:

Durch den zunehmenden Onlinehandel verliert die klassische Kaufhaus-Typologie stetig an Bedeutung und Anziehungspunkt für den öffentlichen Raum einer Innenstadt. Die früher für ein Kaufhaus typischen Funktionen als Erweiterung des städtischen Lebens, sowie Treff- und Aufenthaltsorte, sollen durch ein zeitgemäßes Nutzungsangebot reaktiviert werden.


Anstelle der üblichen Gewerbeeinheiten, sollen die Nutzungen des Gebäudes zu einem veränderten Konsumverhalten der Stadtbewohner beitragen. Durch Werkstätten, Pop-Up-Stores und Co-Working Spaces soll ein Ort geschaffen werden, der den Grundgedanken des Maker-Movements Raum bietet - Makers Mall. Da in Großstädten oft der nötige Platz fehlt, können lokale Akteur:innen die Räumlichkeiten nutzen, um sich kreativ auszuleben, zu Arbeiten oder zu Werkeln. So soll das Gebäude seine Funktion als Erweiterung des öffentlichen Raumes erhalten und dies auch durch eine offene und transparente Fassadengestaltung in den umgebenden Kontext ausstrahlen. Die Umkehrung der Fremdversorgung der typischen, hermetisch geschlossenen Kaufhäuser zu einer offenen, gemeinschaftlichen Selbstversorgung wird abstrakt Ausdruck verliehen. Die in den 60er Jahren entstandene Betonstruktur des Gebäudes, soll weitestgehend erhalten werden. Das oberste Bestandsgeschoss soll rückgebaut und durch eine neue Dachkonstruktion ergänzt werden. Vereinzelt werden Lufträume geschaffen, die die Verknüpfung der verschiedenen Geschosse ermöglicht und für eine bessere Belichtung der Räume sorgt. Die Erschließungsstruktur wurde geringfügig angepasst und durch eine weitere Haupterschließung in den oberen Geschossen ergänzt. Die Transparenz des Gebäudes soll durch eine vor die bestehende Betonstruktur gesetzte Stahl-Skelett-Konstruktion ermöglicht werden, wodurch die an die Kaufhaus-Typologie erinnernde Walmdachform zunehmend abstrahiert wird. Durch ausladende Markisen wird der nötige Sonnenschutz geschaffen und ein sich ändernder Gebäudecharakter erzeugt.


Im Erdgeschoss des Gebäudes befindet sich eine großzügige Fläche, die eine flexible Nutzung für Pop-Up Stores oder Marktstände bietet. Hier können die Gebäudenutzer oder Personen von Außerhalb, ihre selbstgefertigten Produkte anbieten, die den Rahmenbedingungen eines „Makers Market“ gerecht werden, um eine Kommerzialisierung zu verhindern. Außerdem kann die Fläche auch für Veranstaltungen, Lesungen oder ähnliches genutzt werden. Zur Versorgung des Gebäudes befindet sich im Untergeschoss ein Schaulager, sowie Ressourcen- und Materialdepots. Durch Inszenierung und ästhetischem Einsatz von Regal- und Lagersystemen soll das Material nicht nur „abgestellt“ / „gelagert“ werden, sondern neben gefertigten Produkten, Kunstwerken oder Rohstoffen ein Raumerlebnis schaffen, welches zum bewussten Umgang und kreativen Einsatz von Materialien, Abfall und Werkzeugen anregt. Im Obergeschoss erhält man durch einen Luftraum weite Einblicke in die Marktfläche des Erdgeschosses. Neben weiterer Fläche für flexible Stände oder Co - Produzierenden
Stores befindet sich im Süden des Gebäudes ein Café. Durch direkte Anknüpfung des Cafés
mit einem zweigeschossigen Raum für handwerkliche Tätigkeiten und Workshops, können hier
auch Repair-Café Veranstaltungen stattfinden. Im darüberliegenden Geschoss befindet sich ein
Digilab mit direkter Anbindung zu Räumlichkeiten für 3D-Druck, Robotik und Lasercutter.


Im dritten Obergeschoss befindet sich eine zweigeschossige Atelierfläche, die durch in die Fassade eingeschobene Cubes zoniert wird. In den Cubes befinden sich Wohneinheiten auf Zeit, die zum Beispiel von Künstlern oder Start-Ups angemietet werden können. Die minimalistischen Maisonette-Wohnungen können durch eine Trennwand flexibel mit den dazugehörigen Atelierflächen verknüpft werden. An den Stirnseiten des Gebäudes befinden sich großflächige Atelierräume, die zu jeder Zeit frei nutzbar sind und zudem Platz für größere Veranstaltungen oder Ausstellungen bieten. Auf dem vierten Obergeschoss, indem es keinen Zugang zu den Wohnungen gibt, befindet sich eine reine Ausstellungs- und Aufenthaltsfläche mit Blick in die umliegenden Ateliers. Im obersten Geschoss des Gebäudes befindet sich neben eingeschossigen Wohnungen, eine weitläufige Co-Working Fläche unter den Dachschrägen. Flexible raumbildende Trennwände, Whiteboards, Tische und Stühle, können aus den Boxen entliehen werden. Die Flächen zwischen den Cubes dient entweder als Wohnraumerweiterung oder als gemeinschaftliche Küche und Aufenthaltsfläche für die Nutzer der Co-Working Ebene.

Bildergalerie

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