Gestaltung
Architektur

Zugriffspfad / Path

  1. Home
  2. Fachbereiche
  3. Gestaltung
  4. Fachrichtung...
  5. Architektur
  6. Wettbewerbe
  7. Auszeichnung...
  8. Holzbaupreises für Studierende in Rheinland-Pfalz (Sommerrock-Holzbaupreis)

Hauptnavigation / Main Navigation

Unternavigation / Sub Navigation

Standardverweise

Holzbaupreises für Studierende in Rheinland-Pfalz (Sommerrock-Holzbaupreis)

 Jan Busemeyer erhält den ersten Preis für seinen Beitrag zum Thema "NOMAD".

 

Aufgabenbeschreibung und Beurteilung


NOMAD  HABIT_ HABITAT   Mobiler Flagshipstore für Christa de Carouge

Christa de Carouge ist eine Modemacherin in der Schweiz. Sie bezeichnet sich gerne als Kleiderarchitektin. Der Architekt und Publizist Werner Blaser hat ein Buch mit dem Titel „HABIT HABITAT“ über sie geschrieben, in dem er Querbezüge zwischen ihrem konzeptionellen Denken und Themen der Architektur herausarbeitet.
Christa de Carouge stellt in ihrer Arbeit immer wieder das Nomadische heraus. Ihre Kleider sind nicht monofunktial sondern Vielzweckgegenstände für den modernen Nomaden. NOMAD ist daher ein nomadischer Flagshipstore, ein Pavillon, der an unterschiedlichen Standorten als temporäres Gebäude aufgebaut werden kann und dann weiter zieht. Der Pavillon sollte keine neutrale Box sein, sondern zeichenhaft auf den Inhalt hinweisen.

Das Projekt ist ein Pilotprojekt an der FH Trier.  Neben der herkömmlichen Entwurfsarbeit nahmen inhaltlich und zeitlich Aspekte digitaler Planung und Fertigung, parametrisches Entwerfen und Konstruieren sowie die digitale Kette „design to production eine wesentliche Rolle ein. Die Studierenden mussten sich teilweise in 3D Programme einarbeiten, die bei Architekten noch nicht gebräuchlich sind und z.B. aus dem Bereich des Maschinenbaus stammen. Diese Programme zwingen zu größtmöglicher Präzision bei der Bearbeitung. Ergebnisse, die im manuell erstellten Modell noch möglich waren, erwiesen sich dann in der Überprüfung im digitalen Modell als in der beabsichtigten Form nicht umsetzbar.
Konstruktionswerkstoff sollte Brettsperrholz sein.

Das Projekt ist ein Verbundprojekt mit der Berner Fachhochschule, Departement Holz in Biel. In einem dreitägigen kick-off Workshop mit einem Partner des global agierenden Ingenieurbüros Happold wurden geometrisch komplexe Tragstrukturen untersucht. Im September wurden die Arbeiten in einem Workshop an der Hochschule in Biel vorgestellt und diskutiert. Gastkritiker war der Leiter Messebau der Fa. Nüssli, die bedeutende hochrangige Pavillons realisiert hat.
Wesentliche Lernziele waren neben entwerferischer Kompetenz die Einarbeitung in digitale Entwurfswerkzeuge, die in der Zukunft den Beruf des Architekten sehr viel stärker bestimmen werden und die Fähigkeit zum networking.
Die Arbeiten wurden betreut von Prof. Holger Hoffmann (FH Trier), Prof. Dr. Christophe Sigrist (BFH Biel) und mir.

ENTWURF JAN BUSEMEYER
Ausgangspunkt der Konzeption ist, durch das gezielte Setzen von Knicklinien aus einer ebenen Fläche ein Faltwerk aufzufalten, das man nach Gebrauch theoretisch zu einem Plattenstapel komplett zusammenfalten kann. Der Pavillon könnte dann neben den Extrempositionen „entfaltet“ und „zusammengefaltet“ eine Vielzahl von Baukörperformen annehmen. Jan Busemeyer hat mit großer Hingabe ganze Serien von Konzeptmodellen aus Papier gefaltet, um daran Gesetzmäßigkeiten zu studieren und zu einer Form zu finden. Um die Geometrie kontrollierbar und damit planbar zu machen, hat er mehr Skripte geschrieben, also programmiert als konventionell gezeichnet. In der Parametrisierung wurde dann deutlich, dass der gewählte Entwurfsansatz in letzter Konsequenz mit dem gewählten Material nur bedingt realisierbar war, weil die im händischen Modell ebenen Flächen zumindest teilweise verwundene Flächen in der Realität sein würden. Um dies zu verhindern, hat er dann zugelassen, dass Lücken im Faltwerk entstehen, vergleichbar einem Schlitz in einem Kleidungsstück. Diese Lücken nutzt er kreativ, das Aufbrechen ist Eingang, Lichteinfall etc. Die Schließung der Lücken mit Folien gibt dem Raum eine zusätzliche  Akzentuierung.

Die Arbeit zeichnet sich aus durch ein stringentes Konzept, das bildhaft den Inhalt mit einem Material  vermittelt, das zunächst nicht nahe liegend erscheint. Das räumliche Ergebnis führt zu ungewohntem Raumerlebnis und Raumwahrnehmung und ist von großer Qualität. Überzeugend ist die Bearbeitungstiefe des Projektes, die nur teilweise durch Modell und Pläne vermittelbar ist. Der Verfasser war hoch motiviert und zeichnet sich durch ein weit überdurchschnittliches Engagement aus.
Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ bewertet.

Trier, den 27.09.08    Prof. Klaus Klever

June 28, 2016