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Hochschulpreis 2008

Dipl.-Ing.(FH) Michael Kaufmann wird der erste Preis des "Hochschulpreis der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz 2008" für seine Diplomarbeit zum Thema "Bundesstiftung für Baukultur in Berlin" verliehen.

Aufgabenstellung

 

NEUBAU DER BUNDESSTIFTUNG BAUKULTUR IN BERLIN

Mit dem Beschluß des Bundestages vom 20. Juni 1991, Berlin zur Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland zu entwickeln, haben sich u.a. einige grundsätzliche Fragen zur städtebaulichen Entwicklung Berlins, zur gesellschaftlichen und politischen Selbstdarstellung und (am Rande) auch nach der Wertigkeit und Bedeutung von Architektur und Baukultur ergeben.
Im Verlauf der letzten 10 Jahre steht insbesondere die Entwicklung von Berlin Mitte - also der östliche Abschluss von „Unter den Linden“ mit den Bereichen der Museumsinsel, den Standorten des ehemaligen Stadtschlosses, des Staatsratsgebäudes, des ehemaligen DDR - Aussenministeriums, des neuen Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik, sowie der nicht mehr existierenden sogenannten Bauakademie von C. F. Schinkel, in der allgemeinen Diskussion.
Die Frage nach der stadträumlichen Zukunft verbindet sich dabei unmittelbar mit der Frage, inwieweit bauliche Zeugnisse der ehemaligen DDR zu ersetzen oder zu erhalten sind, sowie mit der Frage, in wie weit nicht mehr existierende Gebäude in ihrer historischen Gestalt „wieder“ errichtet werden sollten.
Der Abriss des ehemaligen DDR- „Palastes der Republik“ ist beschlossen und weitgehend akzeptiert; beschlossen ist auch die Finanzierung des Neuaufbaus des Stadtschlosses mit historisch nachgebildeter Fassade aber zeitgemässer innerer Struktur.Das Wettbewerbsverfahren hierfür befindet sich in der ersten Stufe.

Seit etwa vier Jahren demonstriert eine Gerüstkonstruktion mit bedruckter Zeltplane das Gebäudevolumen der früheren „Oberbaudeputation“ bzw. Bauakademie als Abbild der vom Förderverein Bauakademie beabsichtigten Rekonstruktion - allerdings ohne schlüssiges Konzept einer Nutzung und (bis vor wenigen Tagen) ohne ausreichende Finanzierung.

Der Beitrag dieser Diplomarbeit besteht in der Konzeptfindung und im Entwurf für ein neues Gebäude der Bundesstiftung Baukultur auf dem Standort der nicht mehr existierenden Schinkelschen Bauakademie.

BUNDESSTIFTUNG BAUKULTUR

Die Arbeit der Stiftung Baukultur besteht in der Kommunikation der Leistungsfähigkeit des Planens und Bauens in Deutschland, sowohl national wie international. Der Auftrag besteht auch in der Dokumentation, Analyse, Wertung, Archivierung und Veröffentlichung vornehmlich nationaler Architekturentwicklungen. Das Institut sieht sich darüber hinaus als Forum und als Netzwerk in der Förderung junger Architekten und Planer, sowie als Mittler zwischen Baukultur und Öffentlichkeit.

Bezüglich weiterer Aufgaben und Organisation der Stiftung wird auf die Literatur verwiesen.

 

ANMERKUNGEN ZUM ORT

Die „Mitte Berlins“ ist nach wie vor Gegenstand politischer, administrativer und stadtplanerischer Diskussion (s. Literat.: “Schloß, Palast der Republik“ „Mythos Bauakademie“ u.a.). „Berlin Mitte“ war darüber hinaus Ausgangspunkt der historischen Entwicklung Groß-Berlins, ausgehend von den Stadtteilen Cölln und Berlin (s. Literat.).
Die Vehemenz der Diskussion um den Wiederaufbau (und die zukünftige Nutzung) des kurfürstlichen Schlosses in der Mitte der sogenannten „Spreeinsel“ zwischen Spree und westlichem Spreegraben zeigt, wie bedeutend dieser Ort für die Identitätsfindung von Hauptstadt und Gesellschaft ist. Die Planung eines Stiftungsgebäudes am Westufer des Spreegrabens, zwischen dem Endpunkt der wahrscheinlich einzigen weltstädtischen Straße Berlins – Unter den Linden – und der südlichen Ost/West-Verbindung Französische Straße/Werderstraße, greift in die nächste Etappe der Stadtraumbildung ein.
Eine der ersten Entscheidungen im Berlin nach der Wiedervereinigung besiegelte den Abriss des ehemaligen Aussenministeriums der DDR, einer merkwürdig modernistischen, weissen Hochhausscheibe. Das dabei freigeräumte Areal legte auch in Teilen den Standort der 1962 abgebrochenen ehemaligen Bauakademie C.F. Schinkels frei, einem für seine Zeit (1836) architektonisch und konstruktiv fortschrittlichen Gebäude (s. Literat.).

Nach 1962 wurde das Areal entsprechend der sozialistischen Sicht einer funktionalisierten Stadt in Form des DDR-Außenministeriums überbaut. Dieses Gebäude, 1996/97 abgerissen, bildete zusammen mit dem „Palast der Republik“, sowie dem Staatsratsgebäude eine überdimensionale Raumkomposition, deren Zentrum der sogenannte „Marx-Engels“-(Park)-Platz bildete.
Heute besteht der Raum aus undefinierten Freiflächen und oberflächlich hergestelltem Grün.
Seit 1993 - mit einem ersten städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Wiederbebauung des gesamten Schlossbereiches -, hat der Ort vielfältige emotionale und kontroverse Diskussionen durchlaufen.

Seit etwa 10 Jahren bemüht sich auch der Förderverein Bauakademie mit seinem verstorbenen ehemaligen Vortstand Josef Paul Kleihues sowie dem amtierenden Vorstand Hans Kollhoff um eine hinsichtlich Erscheinungsbild historisch identische Wiederherstellung des Bauwerks von C.F. Schinkel.
Als Werbeträger zur Sammlung von Spenden, als volumetrische Darstellung von Stadtraum und als „wir haben uns bereits an die Attrappe gewöhnt“-Konzept nimmt die Zeltkonstruktion bildlich einen gewünschten Zustand vorweg.

Es könnte auch anders sein.

Städtebaulich funktional ist der Ort heute geprägt durch den Neubau des Aussenministeriums (Müller / Reimann), die freistehende Friedrichswerdersche Kirche (Schinkel), nördlich durch die diversen Rekonstruktionen der Museumsinsel (u.a. Chipperfield), des Zeughauses und vor allem durch die Strassenanschlüsse und Übergänge zum Alexsanderplatz, zum früheren Fischerviertel und weiter zum „Roten Rathaus“, dem Sitz der Berliner Stadtregierung.

Statt einem detailgetreuen Wiederaufbau eines Gebäudes, von dem materiell lediglich einige Terrakotta-Fries - Elemente und Teile eines Portales existieren und das in seiner Nutzung als Ausbildungsstätte für preussische Baubeamte fungierte, könnte sowohl als Gebäude wie als Institution neu und zeitgemäss gedacht werden. Es geht deshalb um die Konzeption eines Gebäudes für eine dringend notwendige Einrichtung:
der Bundesstiftung Deutsche Baukultur.

AUFGABE

A) Entwurf eines Gebäudekonzeptes mit zeitgemässen architektonischen Mitteln, das den Anspruch einer Stiftung Baukultur ausdrückt.

B) Integration des Gebäudes in ein städtebauliches und historisches Umfeld unter Reflektion des Ortes und der Bedeutung der ehemaligen Bauakademie.

Wie bei allen Diplomarbeiten, sind Gebäudekonzepte und Strukturen zu entwickeln, die mit „intelligenter Einfachheit“ Konstruktion, Raumbildung, Nutzbarkeit, Materialität und Technik zukunftsfähig zusammenführen.

HTWG TRIER FACHRICHTUNG ARCHITEKTUR / DIPLOM PROF. H. ECKHARDT

June 28, 2016