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Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Hochschule Trier vom 13.07.2016

Auf Grund § 4 Absatz 2 des Hochschulgesetzes (HochSchG) in der Fassung vom 19.11.2010 (GVBl. 2010, 464), zuletzt geändert durch  Artikel 3 des Gesetzes vom 22.12.2015 (GVBl. S. 505), BS 223-41, hat der Senat der Hochschule Trier in seiner Sitzung vom 13.07.2016 die folgenden Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Hochschule Trier beschlossen:

Präambel

Wissenschaft hat durch ihren Anspruch auf Autonomie, im Sinne der Freiheit von Personen und Institutionen in der Wissenschaft, eine besondere ethische Verantwortung. Als selbstregulatives und nach eigenen Regeln operierendes System muss sie ihr Ethos jeder neuen Generation vermitteln, indem sie Verantwortungsstrukturen und Rahmenbedingungen schafft, die eine verlässliche Kultur wissenschaftlicher Integrität stärken. Wohlstand, Entwicklung und Wachstum moderner Gesellschaften hängen von Qualität und Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis und von der Integrität im Forschungsprozess ab. Wissenschaftliche Integrität, verstanden als umfassendes ethisches Bewusstsein im Sinne einer Kultur der Redlichkeit und der Verantwortung für Qualität in der Wissenschaft, schließt die Vermittlung und Anwendung der Normen im Studium ein und bezieht sich auf den gesamten Forschungsprozess in allen Phasen der wissenschaftlichen Ausbildung und Laufbahn. Damit werden die leitenden Standards guter wissenschaftlicher Praxis als Wissen sowie die Anwendungspraxis im Forschungsalltag erfasst, die schließlich zum Können und einer Haltung wissenschaftlicher Integrität führt. Diese Haltung muss an Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen eingeübt und gelebt werden. Sie beschränkt sich nicht auf die eigenständige Forschung in Qualifikationsarbeiten oder korrekte Datenangaben, sondern schließt die Transparenz der gesamten Forschungs- und Publikationspraxis ein¹. 

Die folgenden Regeln für eine gute wissenschaftliche Praxis als Grundvoraussetzung für eine leistungsfähige, im internationalen Wettbewerb anerkannte wissenschaftliche Praxis sollen an der Hochschule Trier dazu beitragen, die Qualität wissenschaftlicher Arbeit bei der Durchführung von Forschungsaufgaben zu fördern.

Die Redlichkeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist durch kein Regelwerk zu ersetzen. Rahmenvorgaben können jedoch wissenschaftlichem Fehlverhalten vorbeugen und seine Fortsetzung verhindern. Betroffen sind wissenschaftliche Arbeiten im Zusammenhang mit Promotionen, Arbeiten für öffentlich geförderte, wissenschaftliche Projekte, und Arbeiten, für die Veröffentlichungen geplant sind. Studentische Arbeiten im direkten Zusammenhang mit den genannten wissenschaftlichen Arbeiten sind eingeschlossen.


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1. Grundanforderungen

1.1 Folgende Anforderungen sind an eine gute wissenschaftliche Praxis zu stellen: 

(1) Wissenschaftliche Arbeiten müssen nach dem neuesten Stand der Forschung durchgeführt werden. Zwingend ist damit die Kenntnis und Verwertung des aktuellen Schrifttums und der angemessenen Methoden.

(2) Die eingesetzten Methoden und die Befunde sind zu dokumentieren und für die Dauer von 10 Jahren aufzubewahren. Nachvollziehbarkeit und Wiederholbarkeit der Untersuchungen sind hier wesentlich. Zu den zu sichernden und für 10 Jahre aufzubewahrenden Primärdaten zählen Ergebnisse von Experimenten, Messergebnisse, Sammlungen, Studienerhebungen, Zellkulturen, Materialproben, Funde, Fragebögen u.ä. Jeder Fachbereich, jede Hochschuleinrichtung und jedes Institut erstellt klare Regeln über die Aufzeichnungen, die zu führen sind, und über die Aufbewahrung sowie den Zugang zu den Originaldaten und Datenträger. Sie sollen auch Vorkehrungen bei einem Wechsel des für die Entstehung der Daten verantwortlichen Arbeitsgruppenmitglieds beinhalten. In der Regel verbleiben die Originaldaten und –unterlagen am Entstehungsort; es können aber die Möglichkeit, Duplikate anzufertigen, oder Zugangsrechte bestimmt werden.

(3) Fakten und wissenschaftliche Argumente, die die eigene Arbeitshypothese in Zweifel ziehen, dürfen nicht unterdrückt werden. Die Bereitschaft zum konsequenten Zweifeln an eigenen Ergebnissen muss selbstverständlich bleiben. Hierher gehört u.a. die sachgerechte Anwendung statistischer Verfahren.

(4) Wissenschaftliche Ergebnisse sollen in Form von Publikationen der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Hierbei ist die Wiedergabe des Befundes von dessen Interpretation zu unterscheiden. Die wissenschaftliche Beobachtung, das wissenschaftliche Experiment, die Feststellung der Befunde und deren Interpretation sowie die Publikation sind Teil des wissenschaftlichen Prozesses bzw. das Produkt der Arbeit von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, für welches diese die (Mit-) Verantwortung haben.

1.2 Der wissenschaftliche Nachwuchs der Hochschule Trier hat Anspruch auf regelmäßige wissenschaftliche Beratung und Unterstützung durch die Betreuenden, die ihrerseits zu verantwortungsvoller Arbeit und Kollegialität verpflichtet sind. Doktorandinnen und Doktoranden sollten, auch im Fall nicht kooperativer Promotionen, mehr als ein erfahrener Wissenschaftler oder eine erfahrene Wissenschaftlerin mit Rat und Hilfe zur Seite stehen. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sind zu nachfolgenden Aufgaben verpflichtet: 

  • Protokollierung, vollständige Dokumentation und Aufbewahrung ihrer Forschungsergebnisse,
  • verantwortungsvolle Arbeit und Kollegialität,
  • regelmäßige Berichterstattung über den Fortgang ihrer Forschungsarbeiten,
  • gegebenenfalls Teilnahme an internen Seminaren,
  • Mitarbeit bei Routineaufgaben innerhalb der Arbeitsgruppe.

1.3 Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens und guter wissenschaftlicher Praxis werden den Studierenden an der Hochschule Trier, auch unter Hinweis auf diese Leitlinien, bereits in der frühen Phase des Studiums vermittelt. Hier soll eine Grundhaltung von Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit in der Wissenschaft erworben werden. Gleichzeitig erfolgt eine Sensibilisierung im Hinblick auf Möglichkeiten wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Die Studienanforderungen sollen so gestaltet werden, dass die Einübung in gute wissenschaftliche Praxis gewährleistet ist.

1.4 Alle Personen, die in die Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten involviert sind, sind durch die Fachbereichsleitungen bzw. die Leitungen der einzelnen Hochschuleinrichtungen und Institute zu Beginn ihrer Tätigkeit über die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens und guter wissenschaftlicher Praxis zu informieren und zu belehren. Die Belehrung ist schriftlich festzuhalten und durch Unterschrift zu bestätigen.

1.5 Die neu berufenen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer werden auf Einhaltung dieser Leitlinien ebenso verpflichtet wie die bereits in der Hochschule Trier tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

1.6 Diese allgemeinen Zielsetzungen und Verantwortlichkeiten erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Auch die disziplinbezogenen anerkannten Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit sind einzuhalten.

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2. Gestaltung von Arbeitsgruppen

2.1 Soweit für die Bearbeitung von Forschungsaufgaben, die Deutung ihrer Ergebnisse und den Bericht an die wissenschaftliche Öffentlichkeit mehrere Personen verantwortlich sind (Arbeitsgruppe), finden die Abs. 2 bis 4 Anwendung.

2.2 Die Arbeitsgruppe ist klar zu definieren und in ihren Aufgaben zu strukturieren. Eine bestimmte Gruppengröße sollte nicht überschritten werden, damit die Leitung dieser Gruppe die Aufgaben nach Ziffer 2.3 wahrnehmen kann. 

2.3 Die Arbeitsgruppe ist von einer hauptberuflichen wissenschaftlichen oder künstlerischen Person der Hochschule Trier (gem. § 46 HochSchG) zu leiten.

Die Leitung hat die Aufgabe 

  • die Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe zu definieren,
  • die Arbeitsabläufe und ihre Überwachung festzulegen und zu koordinieren,
  • die Arbeitsprogramme für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Studierende zu erstellen,
  • die Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten zu geben,
  • zur Qualitätssicherung regelmäßige Besprechungen mit Berichten der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Studierenden  durchzuführen,
  • für eine kollegiale und vertrauensvolle Zusammenarbeit und interne Konfliktlösungen mit Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern und Vorgesetzten zu sorgen,
  • Konflikte innerhalb der Arbeitsgruppe hinsichtlich der einzuhaltenden Regeln zu lösen,
  • für den gebotenen wissenschaftlichen Standard (einschließlich Methodik und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) zu sorgen,
  • die Arbeitsgruppe nach außen hin zu vertreten.

Die Weitergabe von Methoden und Ergebnissen ist den Mitgliedern der Arbeitsgruppe nur mit ausdrücklicher Genehmigung der leitenden Person erlaubt.

An großen Einheiten  (z.B. Instituten), kann der oder die Leitende - unter Wahrung der Gesamtverantwortung - Leitungsaufgaben an die Leiterinnen oder Leiter jeweiliger Arbeitsgruppen delegieren. Für Ergebnisse und Veröffentlichungen einzelner Untersuchungen der verschiedenen Arbeitsgruppen bleibt die Gesamtleitung nur im Rahmen einer etwaigen Mitautorschaft verantwortlich.

2.4 Die Mitglieder der Arbeitsgruppe unterliegen der Weisung der die Arbeitsgruppe leitenden Person in allen Fragen 

  • der wissenschaftlichen Zielsetzung,
  • der Publikation,
  • der Verwertung.
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3. Autorschaft bei wissenschaftlichen Publikationen

3.1 Für die Gestaltung von wissenschaftlichen Publikationen sind nachfolgende Regeln zu beachten: 

  • Als "Originalarbeit" können nur Publikationen bezeichnet werden, die erstmalig neue Beobachtungen oder experimentelle Ergebnisse einschließlich der Schlussfolgerungen zum Inhalt haben.
  • Die exakte Beschreibung der Methoden und Ergebnisse muss hinsichtlich der Nachprüfbarkeit der wissenschaftlichen Untersuchung enthalten sein.
  • Mitzuteilen sind alle Befunde, welche die Hypothese einer Autorin/eines Autors stützen oder in Frage stellen.
  • Befunde, Ideen oder Publikationen anderer Autoren und Autorinnen sind in gebotener Weise zu kennzeichnen.
  • Zu unterlassen ist eine Fragmentierung von Untersuchungen, um die Anzahl scheinbar eigenständiger Untersuchungen zu erhöhen.

3.2 Beteiligen sich mehrere Personen an einer Forschungsarbeit oder an der Abfassung eines wissenschaftlichen Berichtes können diese als Mitautorinnen bzw. Mitautoren nur genannt werden, wenn diese wesentliche Beiträge 

  • zur Fragestellung,
  • zum Forschungsplan,
  • zur Durchführung der Forschungsarbeiten,
  • zur Auswertung oder Deutung der Ergebnisse,
  • zum Entwurf oder zur kritischen inhaltlichen Überarbeitung des Manuskriptes beigetragen haben.

Wenn sich eine Mitautorin oder ein Mitautor übergangen fühlt, kann die Vertrauensperson (Ziffer 6) angerufen werden.

3.3 Der Anspruch auf eine Mitautorschaft begründet sich nicht durch: 

  • eine rein technische Mitwirkung bei der Datenerhebung,
  • die Bereitstellung von Finanzmitteln,
  • die allgemeine Leitung eines Institutes, in der das Forschungsprojekt durchgeführt wurde,
  • ein bloßes Lesen des Manuskriptes ohne Mitgestaltung des Inhalts.

3.4 Alle Mitautorinnen und Mitautoren bestätigen durch Unterschrift die Freigabe eines Manuskriptes zur Veröffentlichung. Der Anteil der einzelnen Person oder Arbeitsgruppe ist dabei zu dokumentieren. Enthält das Manuskript Zitate von unveröffentlichten Beobachtungen anderer Personen oder werden Befunde anderer Institutionen verwendet, so ist deren schriftliches Einverständnis einzuholen.

3.5 Mitautorinnen bzw. Mitautoren übernehmen mit der Abgabe ihres Einverständnisses die Mitverantwortung dafür, dass die Publikation dem aktuellen wissenschaftlichen Standard entspricht, insbesondere für den Teil, zu dem der eigene Beitrag geliefert wurde. Die Verantwortung betrifft sowohl die Korrektheit des eigenen Beitrages als auch dessen Einbindung in die Publikation.

3.6 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ein Projekt gemeinsam verfolgen, schulden einander, die Zweckverfolgung zu fördern. Das schließt ein, Zweifel an der Qualität der Forschungsergebnisse oder -verfahren zeitgerecht geltend zu machen. Es verstößt gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, die Mitarbeit ohne hinreichenden Grund zu beenden oder die Publikation der Ergebnisse als Mitautor, auf dessen Zustimmung die Veröffentlichung angewiesen ist, ohne dringenden Grund zu  verhindern. Publikationsverweigerungen müssen mit nachprüfbarer Kritik an Daten, Methoden oder Ergebnissen begründet werden. Die Mitautoren dürfen sich im Fall des Verdachts obstruierender Zustimmungsverweigerung mit der Bitte um Vermittlung an die Vertrauenspersonen bzw. die Ständige Kommission (vgl. Ziffer 6.8 u. 8.1) wenden. Wenn die Obstruktion zur Überzeugung dieser Person(en) feststeht, darf (dürfen) sie den anderen Wissenschaftlern durch „Ombudsspruch“ die Publikation gestatten. Der Sachverhalt muss in der Publikation einschließlich der Publikationsgestattung durch die Vertrauensperson beziehungsweise die Ständige Kommission offengelegt werden.

3.7 Es kann von einer nachträglichen stillschweigenden Genehmigung zur Mitautorschaft mit entsprechender Mitverantwortung ausgegangen werden, wenn einzelne Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler ohne ihr Einverständnis in einer Veröffentlichung genannt werden und sie sich nicht ausdrücklich gegen eine Aufnahme in den Autorenkreis bei der/dem Hauptverantwortlichen und/oder bei der betreffenden Zeitschrift aussprechen.

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4. Leistungsbewertung

Die Hochschule Trier wird im Rahmen einer Leistungsbewertung 

  • von Prüfungen,
  • bei Verleihung akademischer Grade,
  • bei Einstellungen und Berufungen,
  • bei leistungs- und belastungsorientierter Mittelzuweisung im Bereich der Forschung 

stets der Originalität und Qualität gegenüber der Quantität den Vorrang geben. Bewertende, Gutachterinnen und Gutachter werden ermutigt, die Qualität vor allem anderen explizit zu würdigen.

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5. Wissenschaftliches Fehlverhalten

5.1 Wissenschaftliches Fehlverhalten liegt vor, wenn von Wissenschaftlerinnen oder

Wissenschaftlern 

  • bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden,
  • geistiges Eigentum anderer verletzt oder
  • deren Forschungstätigkeit in schwerer Weise beeinträchtigt wird.

Dies gilt sinngemäß auch für technische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei der Bewertung sind die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen.

5.2 Als Fehlverhalten gelten: 

(1) Falschangaben, d.h.

  • das Erfinden von Daten,
  • das Verfälschen von Daten und Quellen (z.B. Weglassung unerwünschter Ergebnisse, ohne dass dies offen gelegt wird; Manipulation von Quellen, Abbildungen oder Darstellungen; Unterdrückung von relevanten Belegen, Texten oder Quellen).

(2) Unrichtige Angaben in einem Bewerbungsschreiben oder einem Förderantrag (u.a. Falschangaben zu Publikationen bzw. zu in Druck befindlichen Veröffentlichungen).

(3) Unrichtige Angaben zur individuellen wissenschaftlichen Leistung von Bewerberinnen und Bewerbern in Auswahlkommissionen.

(4) Verletzung geistigen Eigentums in Bezug auf ein von einem anderen geschaffenes urheberrechtlich geschütztes Werk oder von anderen stammende wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze, durch: 

  • die unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft (Plagiat),
  • die Nutzung von Forschungsansätzen und Ideen anderer ohne Quellenangabe (Ideendiebstahl),
  • die Anmaßung oder unbegründete Annahme wissenschaftlicher Autor- oder Mitautorschaft,
  • die Verfälschung des Inhalts,
  • die unbefugte Veröffentlichung und das unbefugte Zugänglichmachen gegenüber Dritten, solange das Werk, die Erkenntnis, die Hypothese, die Lehre oder der Forschungsansatz noch nicht veröffentlicht sind,

(5) Inanspruchnahme der (Mit-) Autorschaft einer anderen Person ohne deren Einverständnis.

(6) Beeinträchtigung von Forschungstätigkeit durch 

  • Sabotage von Forschungsvorhaben anderer (einschließlich Beschädigen, Zerstören oder Manipulieren von Geräten, Unterlagen, Hard- und Software, Versuchsanordnungen etc.),
  • Entwenden von Büchern, Archivalien, Handschriften und Datensätzen sowie deren arglistiges Verstellen an andere Orte,

(7) Beseitigung von Primärdaten, soweit damit gegen gesetzliche Bestimmungen oder gegen Ziffer 1.1 (2)  oder fachspezifisch anerkannte Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit verstoßen wird.

5.3 Mitverantwortung für Fehlverhalten

Eine Mitverantwortung für Fehlverhalten kann sich ergeben aus: 

(1) einer aktiven Beteiligung am Fehlverhalten anderer,

(2) einem Mitwissen um Fälschungen durch andere,

(3) einer Mitautorschaft an fälschungsbehafteten Veröffentlichungen oder

(4) einer groben Vernachlässigung der Aufsichtspflicht.

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6. Vertrauenspersonen

6.1 Die Hochschule Trier bestellt eine unabhängige Vertrauensperson und, für den Fall der Besorgnis von deren Befangenheit, eine stellvertretende Vertrauensperson als Vertrauens-und Ansprechpersonen, an die sich ihre Mitglieder, ehemaligen Mitglieder, Angehörigen, ehemaligen Angehörigen und Doktorandinnen und Doktoranden in Fragen guter wissenschaftlicher Praxis und in Fragen vermuteten wissenschaftlichen Fehlverhaltens wenden können. Die Möglichkeit, sich alternativ an den überregionalen „Ombudsman für die Wissenschaft“²  zu wenden, bleibt unbenommen.

6.2 Zur Vertrauensperson und zur stellvertretenden Vertrauensperson wählt der Senat mit einfacher Mehrheit in getrennten Wahlgängen auf Vorschlag des Präsidenten / der Präsidentin Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler bewährter Integrität, die Mitglieder oder Angehörige der Hochschule sind, über große Erfahrung und fachliche Autorität im Wissenschaftsbereich verfügen und die aufgrund ihrer dienstlichen Stellung nicht bereits verpflichtet sind, gegen wissenschaftliches Fehlverhalten vorzugehen, oder als (Vize-)präsident oder –präsidentin, Dekanin oder Dekan oder in ähnlicher Leitungsposition potenziell in Interessenkonflikten stehen könnten.

6.3 Die Amtszeit beträgt drei Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich. Der Präsident oder die Präsidentin bestellt die Gewählten zur Vertrauensperson bzw. stellvertretenden Vertrauensperson.

6.4 Namen und Kontaktdaten der Vertrauensperson und der stellvertretenden Vertrauensperson werden schriftlich und auf der Homepage der Hochschule Trier veröffentlicht. Die Vertrauenspersonen werden von der Hochschule inhaltlich und bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe unterstützt und gegebenenfalls von anderen Aufgaben entlastet.

6.5 Aufgaben der Vertrauensperson

Die Vertrauensperson – im Fall der Verhinderung oder der Befürchtung der Befangenheit  die stellvertretende Vertrauensperson – hat folgende Aufgaben: 

(1) Sie berät als Vertrauensperson die unter 6.1 Genannten, die sie über ein vermutetes wissenschaftliches Fehlverhalten im Sinne von Ziffer 5 informieren. 

(2) Sie greift von sich aus einschlägige Hinweise auf, von denen sie unmittelbar oder mittelbar über Dritte Kenntnis erhält, und versucht sie zu klären. 

(3) Sie prüft, ob die Vorwürfe im Hinblick auf Konkretheit und Bedeutung sowie auf mögliche Motive plausibel sind – unter Wahrung der Vertraulichkeit, soweit diese Momente nicht bereits über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus bekannt sind – und klärt, ob Möglichkeiten bestehen, die Vorwürfe auszuräumen (Vorermittlung gemäß Ziffer 8.2 (3)). Einverständlich können weitere Personen in das Vertrauen miteinbezogen werden. 

(4) Sie beantragt das Vorprüfungsverfahren bei der Ständigen Kommission  gemäß Ziffer 8.2.(4)). 

(5) Sie betreut nach Abschluss eines förmlichen Untersuchungsverfahrens die mitbetroffenen und informierenden Personen nach Maßgabe von Ziffer 13). 

(6) Sie ist verpflichtet, ihr Handeln unter Berücksichtigung des Persönlichkeitsschutzes von informierenden und betroffenen Personen zu dokumentieren.

6.6 Alle Mitglieder, ehemaligen Mitglieder, Angehörigen und ehemaligen Angehörigen der Hochschule Trier und die hier beschäftigten, forschenden oder von einer ihrer Professoren oder Professorinnen mitbetreuten Doktorandinnen und Doktoranden haben Anspruch darauf, die Vertrauensperson innerhalb kurzer Frist persönlich zu sprechen.

6.7 Ohne Zustimmung von Betroffenen darf die Vertrauensperson vertrauliche Informationen nur in einem begründeten Verdacht auf ein derart schwerwiegendes wissenschaftliches Fehlverhalten weitergeben, der schweren Schaden für das Ansehen der Hochschule, deren Mitglieder oder Dritte erwarten lässt.

6.8 Im Fall des Verdachts obstruierender Zustimmungsverweigerung zu einer Publikation, an der mehrere Autorinnen oder Autoren beteiligt sind, können sich die Publikationswilligen mit der Bitte um Vermittlung an die Vertrauenspersonen und die Ständige Kommission wenden (vgl. Ziffer 8.1). 

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7. Ständige Kommission

7.1 Bestellung der Ständigen Kommission

(1) Auf Vorschlag des Präsidenten bzw. der Präsidentin der Hochschule wird vom Senat für die Dauer von drei Jahren eine ständige Kommission für das förmliche Verfahren bei wissenschaftlichem Fehlverhaltens gewählt. Der Senat wählt mit der Mehrheit seiner Mitglieder die einzelnen Mitglieder der Kommission und deren Stellvertreter/innen. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich.

(2) Die Kommission besteht einschließlich des/der Vorsitzenden aus drei Mitgliedern; diese sind erfahrene, anerkannte, integre aktive Professorinnen oder Professoren der Hochschule Trier oder Professorinnen oder Professoren der Hochschule Trier im Ruhestand. Ein Mitglied sollte die Befähigung zum Richteramt oder Erfahrung mit außergerichtlichen Schlichtungen haben. 

(3) Namen, Anschriften und Sprechzeiten der Mitglieder der Ständigen Kommission sind bekannt zu geben.

(4) Nachwahlen innerhalb einer Amtszeit sind bei vorzeitigem Ausscheiden einzelner Mitglieder möglich.

(5) Die Vertrauensperson und die stellvertretende Vertrauensperson gehören der Ständigen Kommission mit beratender Stimme an.

(6) Der Präsident oder die Präsidentin bestellt die Ständige Kommission und verpflichtet sie auf die Einhaltung dieser Leitlinien.

7.2 Aufgaben der Ständigen Kommission

(1) Die Ständige Kommission ist für die Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens zuständig. Hierzu führt sie das Untersuchungsverfahren gemäß Ziffer 8 durch; sie kann die Verfahren wegen des Verdachts wissenschaftlichen Fehlverhaltens einstellen oder Vorschläge machen, in welcher Weise das festgestellte Fehlverhalten sanktioniert werden sollte (Ziffer 11). Sie kann beim Vorwurf obstruierender Verweigerung der Zustimmung zu einer gemeinschaftlichen Publikation vermitteln.

(2) Die Ständige Kommission wird auf Antrag der Vertrauensperson oder der stellvertretenden Vertrauensperson oder eines ihrer Mitglieder tätig.

(3) Das Verfahren vor der Ständigen Kommission ersetzt nicht andere gesetzliche oder satzungsrechtlich geregelte Verfahren.

7.3 Vorsitz und Verfahren der Ständigen Kommission

(1) Die Ständige Kommission wählt aus ihrer Mitte eine/n Vorsitzende/n und eine/n stellvertretende/n Vorsitzende/n. Die/der Vorsitzende – oder im Verhinderungsfall die/der stellvertretende Vorsitzende – lädt zu den Sitzungen der Ständigen Kommission ein, leitet sie und führt ihre Beschlüsse aus.

(2) Die Ständige Kommission ist beschlussfähig, wenn mindestens drei Mitglieder oder stellvertretende Mitglieder anwesend sind. Die Ständige Kommission entscheidet mit einfacher Mehrheit der anwesenden Mitglieder oder stellvertretenden Mitglieder. Über ihre Sitzungen sind Protokolle zu fertigen, die das wesentliche Sitzungsergebnis festhalten.

(3) Die Ständige Kommission kann bis zu zwei weitere Personen, die auf dem Gebiet des zu beurteilenden wissenschaftlichen Sachverhalts besondere Sachkenntnisse besitzen oder die im Umgang mit einschlägigen Verfahren Erfahrungen haben, als Mitglieder mit beratender Stimme hinzuziehen.

(4) Die für Stellungnahmen, Anhörungen, Verhandlungen und Entscheidungen zu  bestimmenden Fristen sind von der Ständigen Kommission jeweils so anzusetzen, dass ein zügiges Verfahren gewährleistet ist.

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8. Das Verfahren bei wissenschaftlichem Fehlverhalten und bei wissenschaftlich unbegründeter Verweigerung der Zustimmung zu einer gemeinschaftlichen Publikation

8.1 Vorwurf der obstruierenden Zustimmungsverweigerung zu einer gemeinschaftlichen Publikation 

Mitautoren einer geplanten Publikation können sich im Fall des Verdachts obstruierender Zustimmungsverweigerung mit der Bitte um Vermittlung an die Vertrauensperson wenden. Wenn die Obstruktion nach der Einholung der Stellungnahme des oder der Betroffenen zur Überzeugung der Vertrauensperson feststeht, darf sie den anderen Wissenschaftlern durch „Ombudsspruch“ die Publikation gestatten. Erheben der oder die Betroffenen innerhalb von 2 Wochen Einspruch gegen die Entscheidung der Vertrauensperson, so legt die Vertrauensperson die Bitte um Publikationsgestattung der Ständigen Kommission vor. Die Ständige Kommission berät den Fall unter Anhörung aller Betroffenen und entscheidet abschließend. Der Sachverhalt muss in der Publikation einschließlich der Publikationsgestattung durch die Vertrauensperson oder die Ständige Kommission offengelegt werden.

8.2 Der Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten

(1) Bei einem konkreten Verdacht auf ein wissenschaftliches Fehlverhalten haben einzelne Mitglieder, ehemalige Mitglieder, Angehörige oder ehemalige Angehörige der Hochschule und die hier beschäftigten, forschenden oder von einer ihrer Professoren oder Professorinnen mitbetreuten Doktorandinnen und Doktoranden unverzüglich die Vertrauensperson oder ein Mitglied der Ständigen Kommission zu informieren. Anzeigen sind von allen Beteiligten vertraulich zu behandeln. Haben der oder die Informierende/n vor einer Information der Hochschule bereits die Öffentlichkeit über den Verdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens informiert, ist über den Umgang mit dem Verdacht im Einzelfall zu entscheiden. Erhält ein Mitglied der Kommission Informationen, so hat dieses seinerseits die Vertrauensperson unverzüglich zu unterrichten.

(2) Die Äußerung eines Verdachts kann in mündlicher oder schriftlicher Form erfolgen. Schriftliche Äußerungen sollen die belastenden Tatsachen und Beweismittel  enthalten. Handelt es sich um eine mündliche Verdachtsäußerung, ist diese in einem Vermerk, unter Nennung der entsprechenden Tatsachen und Beweise, aufzunehmen.

(3) Im Rahmen eines Vorermittlungsverfahrens prüft die Vertrauensperson die Vorwürfe und versucht, die Vorwürfe auszuräumen. Gelingt dies, so informiert die Vertrauensperson die betroffenen und informierenden Personen. Bei Unzufriedenheit mit dieser Entscheidung seitens der informierenden Personen kann die Ständige Kommission angerufen werden.

(4) Können die Verdachtsmomente im Vorverfahren nicht ausgeräumt werden, informiert die Vertrauensperson die Ständige Kommission und berichtet über ihre Bemühungen.

(5) Vertraulichkeit ist zum Schutz von informierenden und betroffenen Personen, die keiner Vorverurteilung und ungerechtfertigtem Reputationsverlust ausgesetzt werden dürfen, zu wahren.

8.3 Stellungnahme des Betroffenen

(1) Der/die Betroffene erhält unverzüglich von der Ständigen Kommission, unter Nennung der belastenden Tatsachen und Beweise, die Gelegenheit zur Stellungnahme innerhalb einer Frist von zwei Wochen bzw. vier Wochen in der vorlesungsfreien Zeit.

(2) Die Namen der/des Informierenden dürfen ohne deren Einverständnis nicht genannt werden.

8.4 Vorprüfung durch die Ständige Kommission

(1) Nach Eingang der Stellungnahme der/des Betroffenen bzw. nach Verstreichen der gesetzten Frist, trifft die Ständige Kommission innerhalb von zwei Wochen eine Entscheidung darüber, 

  • ob das Verfahren unter Mitteilung der Gründe an die betroffenen und die informierenden Personen einzustellen ist, weil sich der Verdacht auf ein wissenschaftliches Fehlverhalten nicht hinreichend bestätigt oder ein vermeintlich wissenschaftliches Fehlverhalten vollständig aufgeklärt hat oder das wissenschaftliche Fehlverhalten nicht schwerwiegend ist und die betroffenen Personen ihr Fehlverhalten eingeräumt haben, oder
  • ob zur weiteren Aufklärung und Entscheidung das Vorprüfungsverfahren in das förmliche Untersuchungsverfahren überzuleiten ist;

die Gründe hierfür sind schriftlich festzuhalten.

(2) Einwände der informierenden Person gegen die erstmalige Einstellung können – schriftlich oder mündlich - innerhalb von zwei bzw. vier Wochen in der vorlesungsfreien Zeit, der Ständigen Kommission vorgetragen werden. Diese berät und entscheidet nach nochmaliger Anhörung des/der Betroffenen gem. Ziffer 8.3 und 8.4 (1) innerhalb einer Frist von zwei Wochen bzw. vier Wochen in der vorlesungsfreien Zeit.

8.5 Förmliches Verfahren

(1) Die Eröffnung eines förmlichen Untersuchungsverfahrens wird den betroffenen Personen zusammen mit dem Ergebnis der Vorprüfung mitgeteilt. Gleichzeitig erfolgt eine Mitteilung über die Einleitung des Verfahrens an den Präsidenten bzw. die Präsidentin.

(2) Die Beratung erfolgt in nichtöffentlicher mündlicher Verhandlung, zu der die oder der Vorsitzende der Ständigen Kommission einlädt.

(3) Die Prüfung des Verdachts auf wissenschaftliches Fehlverhalten erfolgt in freier Beweiswürdigung. Der Person oder den Personen, der oder denen wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen wird, ist in geeigneter Weise Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Auf eigenen Wunsch sind die betroffenen Personen mündlich anzuhören. Als Beistand kann eine Person des Vertrauens zur Anhörung mitgebracht werden. Gleiches gilt für sonstige Personen, die anzuhören sind.

(4) Auf Antrag des/der Betroffenen ist der Name der informierenden Person oder Personen offenzulegen, wenn der/die Betroffene sich andernfalls nicht sachgerecht verteidigen kann und/oder die Glaubwürdigkeit und die Motive der informierenden Person für die Klärung der Vorwürfe von wesentlicher Bedeutung sind.

Die Offenlegung ist der/den informierenden Person/en mitzuteilen.

(5) Das förmliche Verfahren soll zügig, möglichst innerhalb von längstens 3 Monaten abgeschlossen werden.

(6) Das förmliche Verfahren endet nicht durch das Ausscheiden der Person oder Personen, gegen die sich der Verdacht des wissenschaftlichen Fehlverhaltens richtet, aus der Hochschule Trier.

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9. Entscheidung im förmlichen Untersuchungsverfahren

9.1 

(1) Die Ständige Kommission stellt das Verfahren ein, wenn: 

  • sich ein vermeintlich wissenschaftliches Fehlverhalten vollständig aufgeklärt hat,
  • sie ein wissenschaftliches Fehlverhalten nicht für erwiesen hält,
  • es sich nicht um ein schwerwiegendes Fehlverhalten handelt und die betroffene Person ihr Fehlverhalten eingeräumt hat.

(2) Der/die Präsident/in ist von der Einstellung zu unterrichten.

9.2 Die Fortsetzung des Verfahrens erfolgt, wenn sich der Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten als erwiesen darstellt. Der/die Präsident/in wird schriftlich über das Ergebnis informiert und erhält einen Vorschlag, wie das Verfahren - unter Wahrung der Rechte anderer - fortgesetzt werden soll.

9.3 Die Betroffenen und die informierenden Personen sind schriftlich über die Gründe, die zur Einstellung des Verfahrens oder zur Weiterleitung an den/die Präsidenten/in geführt haben, zu informieren.

9.4 Ein internes Beschwerdeverfahren gegen die Entscheidung der Kommission ist im förmlichen Verfahren nicht gegeben.

9.5 Am Ende eines förmlichen Untersuchungsverfahrens identifiziert die Vertrauensperson alle diejenigen Personen, die in den Fall involviert sind (waren). Er berät diejenigen Personen, insbesondere die Nachwuchswissenschaftler und Studierenden, die unverschuldet in Vorgänge wissenschaftlichen Fehlverhaltens verwickelt wurden, in Bezug auf eine Absicherung ihrer persönlichen und wissenschaftlichen Integrität.

9.6 In gutem Glauben, d.h. nicht ohne Faktenkenntnis und Prüfung, nicht offensichtlich haltlos oder nicht bewusst unrichtig, informierende Personen, insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, sind, auch im Fall nicht erwiesenen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, in umsichtiger und tatkräftiger Weise vor Benachteiligungen und Beeinträchtigungen der wissenschaftlichen Karriere zu schützen.

9.7 Die Akten der Untersuchung sind 50 Jahre aufzubewahren. Die im Zusammenhang mit einem Fall wissenschaftlichen Fehlverhaltens genannten Personen haben Anspruch darauf, dass die Vertrauensperson ihnen auf Antrag über die Dauer der Aufbewahrungsfrist auf Antrag einen Bescheid (zu ihrer Entlastung) ausstellt.

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10. Entscheidung des Präsidenten/der Präsidentin

10.1 Hat die Ständige Kommission wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt und hierüber gemäß Ziffer 9.2 berichtet, prüft der/die Präsidentin/in die Vorschläge der Ständigen Kommission nach folgenden Maßstäben: 

  • Wahrung der wissenschaftlichen Standards,
  • Wahrung der Rechte aller direkt und indirekt Betroffenen,
  • Art und Schwere des wissenschaftlichen Fehlverhaltens,
  • Notwendigkeit einer Ahndung, die sich nach den Umständen des Einzelfalles richtet.

Die nach dem Ergebnis dieser Prüfung notwendigen Maßnahmen leitet er oder sie ein.

10.2 Die Fachbereiche prüfen in Zusammenarbeit mit der Hochschulleitungen die möglichen Konsequenzen gemäß Ziffer 11 und ob und inwieweit andere Wissenschaftler (frühere und mögliche Kooperationspartner, Koautoren), wissenschaftliche Einrichtungen, wissenschaftliche Zeitschriften und Verlage (bei Publikationen), Fördereinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen, Standesorganisationen, Ministerien und Öffentlichkeit benachrichtigt werden sollen oder müssen.

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11. Mögliche Maßnahmen durch die jeweils zuständigen Organe bei Feststellung wissenschaftlichen Fehlverhaltens

11.1 Arbeits- und Dienstrechtliche Konsequenzen:

(1) Bei bestehendem Beschäftigungsverhältnis zur Hochschule können bei wissenschaftlichem Fehlverhalten folgende arbeitsrechtliche Konsequenzen in Betracht kommen: 

  • Abmahnung,
  • Außerordentliche Kündigung (einschl. Verdachtskündigung),
  • Ordentliche Kündigung,
  • Vertragsauflösung.

(2) Bei bestehendem Dienstverhältnis als Beamtin oder Beamter können folgende disziplinarrechtlichen oder dienstrechtlichen Konsequenzen Anwendung finden: 

  • Verweis, Geldbuße, Gehaltskürzung,
  • Entfernung aus dem Dienst,
  • Rücknahme der Ernennung.

11.2 Zivilrechtliche Konsequenzen:

(1) Erteilung eines Hausverbotes;

(2) Herausgabeansprüche gegen Betroffene (z.B. im Hinblick auf entwendetes Material);

(3) Beseitigungs- und Unterlassungsansprüche aus Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht, Patentrecht, Wettbewerbsrecht;

(4) Rückforderungsansprüche (etwa von Stipendien, Drittmitteln etc.);

(5) Schadensersatzansprüche der Hochschule Trier oder von Dritten bei Personenschäden, Sachschäden oder dergleichen.

11.3 Akademische Konsequenzen

(1) Die akademischen Konsequenzen können auf verschiedenen Ebenen mit und mit unterschiedlicher Zielsetzung veranlasst werden.

(2) Innerhalb der Hochschule Trier:

Entzug von akademischen Graden und akademischen Bezeichnungen, wenn der akademische Grad oder die akademische Bezeichnung auf fälschungsbehafteten Publikationen beruht oder sonst wie arglistig erlangt wurde;

Der/die Präsident/in hat die zuständigen Gremien mit der Bitte um Prüfung und Entscheidung zu informieren.  

(3) Einrichtungen und Vereinigungen außerhalb der Hochschule sind dann über ein wissenschaftliches Fehlverhalten zu unterrichten, wenn: 

  • diese davon unmittelbar berührt sind,
  • der/die betroffene Wissenschaftler/in darin eine leitende Funktion einnimmt,
  • eine Mitwirkung des/der betroffenen Wissenschaftler/s/in in Entscheidungsgremien von Förderorganisationen oder dergleichen besteht,
  • der oder die betroffene Wissenschaftler/in als Lehrende oder Lehrender der anderen Hochschule oder Universität angehört.

(4) Widerruf/Rückziehung wissenschaftlicher Veröffentlichungen 

Der/die betroffene Autor/in ist zum Widerruf verpflichtet, wenn das wissenschaftliche Fehlverhalten, 

  • in Falschangaben oder
  • in einer Verletzung geistigen Eigentums besteht oder
  • in einer Mitwirkung bei einem derartigen Fehlverhalten.

Handelt es sich um unveröffentlichte Arbeiten, sind diese rechtzeitig zurückzuziehen.

Veröffentlichungen sind - hinsichtlich der betroffenen Teile - zu widerrufen. Die (mit)verantwortlichen (Mit-)Autoren haben innerhalb einer festzulegenden Frist dem/der Vorsitzenden der Ständigen Kommission Bericht über die fälschungsbehaftete Arbeit zu erstatten, insbesondere über die Rückziehung der Arbeit oder den Widerruf der Veröffentlichung. Erfolgt kein Widerruf bzw. keine Rückziehung der Arbeit, kann der/die Präsident/in auf Vorschlag der ständigen Kommission geeignete Maßnahmen zum Widerruf von Veröffentlichungen bzw. Rückziehung der Arbeit ergreifen. Veröffentlichungen, die als fälschungsbehaftet festgestellt wurden, sind aus der Veröffentlichungsliste der Autorin/des Autors zu streichen oder entsprechend zu kennzeichnen.

11.4 Strafrechtliche Konsequenzen

Strafrechtliche Konsequenzen wissenschaftlichen Fehlverhaltens kommen bei Erfüllung eines Tatbestandes im Sinne des StGB, einer sonstigen Strafnorm oder einer Ordnungswidrigkeit in Betracht, z.B. bei: 

  • Urheberrechtsverletzung,
  • Urkundenfälschung (einschl. Fälschung technischer Aufzeichnungen),
  • Sachbeschädigung (einschließlich Datenveränderung),
  • Eigentums- und Vermögensdelikten (Erschleichung von Fördermitteln, Veruntreuung, Entwendungen),
  • Verletzung des persönlichen Lebens - oder Geheimnisbereiches (Ausspähen von Daten, Verwertung fremder Geheimnisse),
  • Lebens- oder Körperverletzung (z.B. im Fall von Probanden/Probandinnen infolge falscher Daten).

Der/die Präsident/in entscheidet nach pflichtgemäßen Ermessen, ob und inwieweit seitens der Hochschule Strafanzeige erstattet wird.

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12. Informationen schutzbedürftiger Dritter und der Öffentlichkeit

Betroffene Dritte und/oder die Presse sind in angemessener Weise über das Ergebnis des Untersuchungsverfahrens zu unterrichten, wenn dies notwendig erscheint: 

  • zum Schutze Dritter,
  • zur Wahrung des Vertrauens in die wissenschaftliche Redlichkeit,
  • zur Wiederherstellung eines wissenschaftlichen Rufes,
  • zur Verhinderung von Folgeschäden oder
  • im allgemeinen Interesse der Öffentlichkeit.
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13. Betreuung von Mitbetroffenen

Nach Abschluss eines förmlichen Verfahrens ist dafür zu sorgen, dass Personen, die unverschuldet in Vorgänge wissenschaftlichen Fehlverhaltens verwickelt wurden, hinsichtlich ihrer persönlichen und wissenschaftlichen Integrität keinen weiteren Schaden erleiden. Nachfolgende Maßnahmen sind anzubieten: 

  • Beratung durch die Vertrauensperson,
  • schriftliche Erklärung der/des Vorsitzenden der Ständigen Kommission, dass der entsprechenden Person kein wissenschaftliches Fehlverhalten oder keine Mitverantwortung (gemäß Ziffer 5) hierfür anzulasten ist.

Ferner sind, wie in 10.6 ausgeführt, auch informierende Personen vor Benachteiligungen zu schützen.

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14. Einfügung eines Passus zur guten wissenschaftlichen Praxis in Vereinbarungen zu internationaler Forschungszusammenarbeit

Vereinbaren Einrichtungen oder Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen der Hochschule eine internationale Forschungszusammenarbeit, so fügen sie in die schriftliche Vereinbarung den von der European Science Foundation, ALLEA (All European Academics) und dem OECD Global Science Forum Coordinating Committee for facilitating international misconduct investigations als Annex II in “The European Code of Conduct for Research Integrity” (Strasbourg 2011), S. 16, empfohlenen Passus bzw. dessen jeweils aktuellste Fassung ein. (Vgl. die Fassung von 2011 im Anhang dieser Leitlinien.)

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15. Inkrafttreten

Diese Ordnung tritt am Tage nach ihrer Bekanntmachung im amtlichen Veröffentlichungsorgan der Hochschule Trier „publicus“ in Kraft. 

Trier, den 13.07.2016

gez.: Prof. Dr. Norbert Kuhn 

Präsident der Hochschule Trier

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Quellen

European Science Foundation, ALLEA (All European Academics): The European Code of Conduct for Research Integrity. (Strasbourg 2011)

www.esf.org/fileadmin/Public_documents/Publications/­Code_Conduct_ResearchIntegrity.pdf

The European Charter for Researchers: ec.europa.eu/euraxess/index.cfm/rights/europeanCharter / Europäische Kommission, Directorate-General for Research:  Europäische Charta für Forscher. Brüssel 2005 ec.europa.eu/euraxess/pdf/brochure_rights/eur_21620_de-en.pdf

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zu wissenschaftlicher Integrität. Positionspapier. [Bonn] 2015
www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/4609-15.pdf 

Deutsche Forschungsgemeinschaft: Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Denkschrift. Weinheim 2., erg. Aufl. 2013

www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/­download/empfehlung_wiss_praxis_1310.pdf 

Hochschulrektorenkonferenz: Empfehlung der 14. Mitgliederversammlung der HRK am 14. Mai 2013  in Nürnberg. Gute wissenschaftliche Praxis an deutschen Hochschulen

www.hrk.de/uploads/tx_szconvention/Empfehlung_­GutewissenschaftlichePraxis_14052013_02.pdf  

www.hrk.de/uploads/tx_szconvention/Empfehlung_­­Zum_Umgang_mit_wissenschaftlichem_Fehlverhalten_in_den_­Hochschulen_06071998.pdf 

Gemeinsames Positionspapier des Allgemeinen Fakultätentags (AFT), der Fakultätentage und des Deutschen Hochschulverbands (DHV)  vom 9. Juli 2012: Gute wissenschaftliche Praxis für das Verfassen wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten www.hochschulverband.de/cms1/uploads/media/­Gute_wiss._Praxis_Fakultaetentage_01.pdf 

Gemeinsames Positionspapier des Allgemeinen Fakultätentags (AFT), der Fakultätentage und des Deutschen Hochschulverbands (DHV)  vom 21. Mai 2013 (Maßnahmenkatalog zur Gestaltung von Promotionsverfahren) www.hochschulverband.de/­cms1/fileadmin/redaktion/download/pdf/­resolutionen/Empfehlungen21052013.pdf 

Fachhochschule Koblenz: Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und Regeln für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten (Dezember 2002)

Satzung der Fachhochschule Fulda zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis vom 22. Mai 2002 (StAnz. S. 3411)

Stand: 14.03.2016

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Anhang 1

Im März 2016 aktuelle Adresse der 

Geschäftsstelle des Ombudsman für die Wissenschaft 

Institut für Öffentliches Recht - Wissenschaftsrecht - Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 

Adenauerallee 44 

53113 Bonn

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Anhang 2

European Science Foundation, ALLEA (All European Academics): “The European Code of Conduct for Research Integrity” (Strasbourg 2011), S. 16, Annex II:

Boilerplate text for International Agreements, as suggested by the OECD Global Science Forum Coordinating Committee for facilitating international misconduct investigations

We, the parties, agree: 

  • to conduct our research according to the standards of research integrity, as defined in the ‘Guidance Notes for Developing Procedures to Investigate Research Misconduct Allegations in International Collaborative Research Project’ (www.oecd.org/sti/ gsf) and other appropriate documents, including: (specify  the national codes of conduct and disciplinary or national ethical guidelines that apply)³;
  • that any suspected deviation from these standards, in particular alleged research misconduct, will be brought to the immediate attention of (all designated contact point(s))4

and investigated according to the policies and procedures of (to be filled in with the body with primary responsibility)5 , while respecting the laws and sovereignty of the States of all participating parties; 

  • to cooperate in and support any such investigations; and
  • to accept (subject to any appeal process) the conclusions of any such investigation and to take appropriate actions.

1Nach Empfehlungen zu wissenschaftlicher Integrität. Positionspapier des Wissenschaftsrats 2015, S. 7 u. 8.

2S. die Adresse zum Zeitpunkt der Verabschiedung dieser Leitlinien am Ende des Textes.

Vgl. die Quellen der Leitlinien für gute wissenschaftliche Praxis an der Hochschule Trier

Für die HS Trier: the Leitlinien für gute wissenschaftliche Praxis an der Hochschule Trier (By-laws on Research Integrity at Trier University of Applied Sciences)

Für die HS Trier: the Vertrauensperson at Trier University of Applied Sciences

17. Oktober 2016
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