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Interview mit Prof. Kurt Dorn und Prof. Frank Kasprusch

Zwei Interviews

Am 9.12.2008 wurden vom Präsidenten Dr. Wallmeier zwei neue Professoren für unser Fachgebiet offiziell ernannt. 

Herr Frank Kasprusch übernimmt die Professur „Konstruieren“,
Herr Kurt Dorn das Lehrgebiet  Planungs- und Baumanagement und Baurecht.

In einem Interview wurden die „Neuen“ zu Ihren Vorstellungen und Eindrücken befragt:


Prof. Kasprusch, seit 9. Dezember 2008 sind Sie nun offiziell Professor! Zuvor waren Sie schon ab Mitte Oktober in der Lehre für das Fachgebiet tätig.


Welche Bedeutung sehen Sie in Ihrem Lehrgebiet für die Architekturausbildung?

Ohne konstruktives Wissen ist es unmöglich einen Entwurf zu denken. Das wäre wie einen Text verfassen zu wollen, ohne schreiben zu können.
In der Architektur ist fast jeder Entwurfsgedanke umsetzbar, vorausgesetzt man kennt die Eignung und die Eigenheiten der Materialien und kann diese zu einem Ganzen zusammenfügen.
Ich sehe das Konstruieren neben dem Entwerfen als das wichtigste Werkzeug des Architekten und damit der Hochschullehre.


Welchen Schwerpunkt legen Sie in der Ausbildung in Ihrem Lehrgebiet?
Die Wahl der Materialität bedingt schon im frühen Entwurfsprozess konstruktive Entscheidungen und Lösungswege. Das Fachgebiet „Konstruieren“ lehrt im Kernbereich die Grundlagen dieser Entscheidungsfindung und die adäquate Überführung in das baubare Detail.
Ökologie und Ressourcenmanagement bilden die Fundamente des „Konstruierens“.


Welchen Eindruck haben Sie von den Studierenden an unserer Hochschule?

Ich habe im Moment vorrangig mit den unteren Semestern zu tun.
Das komplexe Architekturstudium bedingt ein sehr hohes Maß an persönlichem Engagement und Leistungsbereitschaft.
Den deutlichen Willen, sich konstruktives Wissen anzueignen, erkenne ich bei den meisten Studenten.


Was empfehlen Sie den heutigen Studenten für das Studium?

Der gebauten Umwelt kann sich kein Mensch entziehen - darin liegt die besondere Verantwortung des Architekten. Es werden unglaublich viele Architekturen auf dieser Erde „abgestellt“, die der Umwelt, der Gesellschaft und dem Wohlempfinden entgegenstehen. Architekturstudium heißt nicht Entwürfe „zusammenzubasteln“ oder aktuelle Architekturen aus der Hochglanzpresse zu kopieren, sondern die genaue, analytische Auseinandersetzung mit dem Ort, der Aufgabenstellung und der gesellschaftlichen Zusammenhänge und die gewonnenen Erkenntnisse folgerichtig baulich umzusetzen.
Die Studienzeit ist eine ganz besondere und prägende Zeit. Als Student hat man die Möglichkeit durch individuelles Selbststudium, durch Exkursionen, durch Austausch, durch sonstige gesellschaftliche und politische Aktivitäten seinen ganz persönlichen Platz in der Architektur zu finden.
Dafür ist das Bachelorstudium mit nur 6 Semestern sehr kurz bemessen. Ich denke, es ist nicht möglich in dieser Zeit ein ausreichendes Wissen zu erlangen, um auf dem komplexen Architekturmarkt zu bestehen.
Daher empfehle ich jedem Studenten sich die Zeit für ein vollständiges Studium inklusive des Masterstudiengangs zu nehmen - vor allem in Hinblick darauf, dass man von der Studienzeit sein gesamtes Berufsleben lang profitieren wird.
Beruf kommt früh genug und dauert dann sehr lange.



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Prof. Dorn, seit 9.12.08 sind Sie nun offiziell Professor! Zuvor waren Sie schon ab Mitte Oktober in der Lehre für das Fachgebiet tätig.



Welche Bedeutung sehen Sie in Ihrem Lehrgebiet für die Architekturausbildung?

Wir besetzen mit dem Lehrgebiet Planungs- und Baumanagement sowie Baurecht nicht gerade die Sympathiefächer des Architekturstudiums. Dennoch halte ich es für absolut notwendig diese Themen heutzutage zu vermitteln, um in der Praxis zu bestehen. Die  steigende  Komplexität von Baumaßnahmen, bei gleichzeitig wachsendem Zeitdruck fordern eine strukturierte Planung und eine effiziente Baurealisierung, um nicht Abstriche in der Gestaltung machen zu müssen.


Welchen Schwerpunkt legen Sie in  der Ausbildung an Ihrem Lehrgebiet?

Für uns Architekten ist es enorm wichtig sich mit dem Planungsmanagement im allgemeinen und innerhalb der Ausführungsplanung im besonderen auseinander zu setzen. Wie schon oben erwähnt wird die Zeit für die Planung immer kürzer. Dazu kommt, dass die Anforderungen an die Planung immer komplexer werden. Damit meine ich die Spezialgebiete die immer wichtiger werden. Vor zwei Jahren gab es den Begriff des Nachhaltigen Bauen oder green building noch nicht. Heute setzt der Auftraggeber das Wissen davon bei seinem Architekten voraus. Damit hat nun auch der Bauphysiker oder der Fassadenplaner eine wichtige Rolle im Planungsteam. Dazu treten noch  anderen Fach- und Sonderingenieure, die alle Fachgebiete besetzen, die wir als Architekten in ihrer Tiefe gar nicht bearbeiten können. Unsere Aufgabe diese Planungsbeteiligten zu koordinieren und ihre Leistung zu integrieren ist aber geblieben. D.h. wir müssen uns in die Fachgebiete einarbeiten und lernen, was wir von den Planungsbeteiligten an Leistungen abfordern können und auch müssen. Wir müssen lernen bei der Organisation der Planung vermehrt in Strukturen zu denken und Abläufe zu konzipieren um die Planungsteams effektiv zu führen. Das denke ich, wird ein Schwerpunkt des Lehrinhalts bilden, also die Wissensvermittlung für eine ganzheitliche Planung und das Erarbeiten vom Managementwerkzeugen um Planungsteams zielorientiert führen zu können. 


Welchen Eindruck haben Sie von den Studierenden an unserer Hochschule?

Nach der kurzen Zeit kann man noch nicht so viel sagen. Ich habe es z. Zt. im wesentlichen mit Studierenden ab dem 5 Semester zu tun. Der Eindruck ist positiv. Ich merke dass die Teilnehmer bei meinen Veranstaltungen engagiert und kooperativ sind. Mir, dem Neuling gegenüber kollegial, wenn man z.B. noch Orientierungsschwierigkeit hat und nicht alle Beteiligten kennt. Wie immer gibt es einen Teil der sich überdurchschnittlich beteiligt, was auch gut und wichtig ist. Von den anderen denke ich, dass sie Interesse am Studium und am Lehrgebiet haben, sonst würden sie nicht in meinen Veranstaltungen sitzen.


Was empfehlen Sie den heutigen Studenten für das Studium?
Auf Grund der neuen Struktur mit Bachelor und Master habe ich den Eindruck, dass das Studium gegenüber meinen eigenen Erfahrungen sehr verschult ist. Ich halte es für sehr wichtig, dass man durch das Studium auch eine gewisse Reife erhält. Dies ist unter anderem mit Ausprobieren und mit Zeit verbunden. Ich kann nur empfehlen, wenn man erkannt  hat,  der Beruf des Architekten ist die Berufung, dass man sich die Zeit nimmt viele Dinge aus dem Spektrum des Architekturstudiums auszuprobieren. Dazu gehört es  weitgefächert zu studieren, ebenso die Teilnahme an Exkursionen, und auch die praktische Büroarbeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Der Architekt ist, schon historisch entwickelt, Generalist. Deshalb ist die Tätigkeit so vielfältig und auch so spannend. Um so wichtiger ist es im Studium mit allen Facetten dieses Berufes in Berührung gekommen zu sein.

Wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen für Ihre Arbeit an unserem Fachgebiet viel Glück und Erfolg!

Anna Müller, November 19, 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Frank Kasprusch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Kurt Dorn