Fachbereich Gestaltung
28.03.18 16:40 Alter: 27 Tage

„capital architecture“ - ein internationales Architektur-Projekt der Hochschule Trier und der University of East London

Von: Selâle Franger

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx untersuchen die Architekten Prof. Robert Thum (Campus für Gestaltung, Hochschule Trier) und Dr. Harald Trapp (University of East London) die Relevanz der marxistischen Theorien für die Analyse der heutigen Architektur. Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung vom 20.04.-11.05.2018 in der Europäischen Kunstakademie präsentiert. Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 19. April 2018 um 19:30 Uhr statt.

Marx Kopf aus Pappe von Anna Himpler, Charline Juncker, Carina Mertes, Selma Camic

In Großstädten wird Wohnraum zur Kapitalanlage, zum Luxus, den sich immer weniger Menschen leisten können. Der öffentliche Raum wird privatisiert und der Spekulation überlassen. Dies führt zu einer Veränderung der Stadt: Neoliberale Architektur ist an Konsum orientiert und nicht an ihrem Gebrauchswert für die Öffentlichkeit.

Die Ausstellung capital architecture zeigt am Beispiel von London die Aktualität dieser Thematik durch Video-Interviews mit international renommierten Architekten und Soziologen, eine Fotoserie des Londoner Fotografen Immo Klink und eine Rauminstallation.

London, wo Marx den größten Teil seines Lebens verbracht hat, leidet aktuell unter der größten Wohnungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Privatisierungen durch die neoliberale Politik machen öffentlichen Raum und Wohnraum zum Spielball für Spekulanten. Selbst die eigene Wohnung, das „home", ist zum Kapital geworden. Architektur ist nicht nur Ware, sondern Investition und muss Rendite erwirtschaften. Dies führt zu einem eklatanten Mangel an leistbaren Wohnungen und zu einer Veränderung des städtischen Raums. 

Diese Problematik, die zunehmend auch deutsche Städte erreicht, wird in Video-Interviews mit der Journalistin Anna Minton und dem Architekturtheoretiker Douglas Spencer diskutiert. Patrik Schumacher, Chef des Büros Zaha Hadid Architects, das mit mehr als 400 Architekten weltweit aktiv ist, erklärt, warum er vom Marxisten zum Verfechter eines „Anarcho-Kapitalismus" geworden ist. Eine antikapitalistische Gegenposition vertritt der italienische Soziologe Massimo De Angelis, einer der wichtigsten Theoretiker der Commons-Bewegung. Der Trierer Soziologe Dr. phil. Alois Hahn stellt Bezüge zwischen Marx, seiner Herkunft und seiner Geburtsstadt her. Mario Carpo, Professor an der Bartlett School of Architecture, diskutiert den marxistischen Begriff der Entfremdung im Verhältnis zu digitalen Produktionsmethoden wie mass customization

Eine Bildserie des Londoner Fotografen Immo Klink, dessen Werke weltweit ausgestellt und in Kunstsammlungen zu finden sind, gibt Einblick in die Szene der Working Men’s Clubs in London, die aus der frühen Arbeiterbewegung hervorgehen. Dort hat auch Marx’ Tochter Eleanor mit ihrem Freund William Morris, einem der Begründer der Arts and Crafts-Bewegung, unterrichtet und agiert.

Der Akkumulator, eine Rauminstallation von Dr. Harald Trapp und Prof. Robert Thum, verweist auf das Thema der Enclosure. Diese Einschließung und damit Privatisierung des Gemeindelands, der Commons, in Großbritannien, hat Marx als den Ursprung der Akkumulation von Kapital definiert. Im Laufe der Ausstellung soll der Akkumulator zum Veranstaltungsort für Live-Musik, Vorträge und Gesprächsrunden werden, die sich mit dem Kapital Architektur und der Idee des Klubs als Ort gemeinschaftlicher Diskussion befassen.

Die Ausstellung capital architecture bildet den Auftakt zu den Design- und Kulturtagen 2018, die vom 12.-14. Oktober 2018 am Campus für Gestaltung/Hochschule Trier stattfinden. Zu diesem kreativen Campusfest wird der zweite Teil der Ausstellung capital architecture in einem noch größeren Rahmen und einem eigens errichteten Pavillon gezeigt.

capital architecture wird kuratiert, organisiert und gestaltet von Prof. Robert Thum, Hochschule Trier, und Dr. Harald Trapp, Leiter des Masterstudiengangs Architektur an der University of East London. Die Ausstellung und die Veranstaltungen finden in Kooperation mit der Europäischen Kunstakademie Trier und der Architekturzeitschrift arch+ statt.


22. Mai 2015