Rinke Wassenberg BFA

Bachelor-Thesis: "THE NEVER ENDING STORY OF ORNAMENT"

Betreuung: Prof. Theo Smeets, Prof. Ute Eitzenhöfer

Slideshow

Zusammenfassung

Der Mensch hat von Natur aus einen Hang, Sachen zu dekorieren. Das kann man an den vielen verschiedenen Ornamenten sehen, die man überall finden kann: in Grotten aus der Prähistorie, in Pyramiden und Gräbern im alten Ägypten, auf den Ruinen der alten Griechen und Römer, aber auch in unseren Wohnungen auf der Couch, auf Kissen, auf den Vorhängen, auf unserem Geschirr.

Ornamente waren und sind immer noch überall. Über die letzten Jahrtausende haben Ornamente sich zwar verändert, aber bestimmte Elemente und Motive kehren immer wieder zurück und werden neu aufgegriffen. Blumen- und Pflanzenmotive spielen eine ganz große Rolle. Man kann eigentlich sagen, dass die Natur das große Vorbild für die Ornamentik ist. Ornamente und Muster werden durch verschiedene Motive, die wiederholt, verändert, abgewechselt, symmetrisch oder asymmetrisch sind, gebildet. Ornamente wirken dadurch, dass sie den Blick vom Betrachter auf die optischen Eigenschaften von den im Objekt benutzten Materialien und Techniken ziehen. Pflanzen und Tiere waren schon immer eine Inspirationsquelle für Gestalter und Designer. Die fließenden Linien von Wurzeln, Stängeln, Blättern, Ranken, Knospen, Blumen und Früchten werden in Motive, die strikt naturalistisch oder abstrakt waren, verwandelt. Vor allem Blumen und Blüten bilden eine große Inspirationsquelle.

Ornamente sind aufgebaut aus verschiedenen Motiven, die in einem bestimmten Muster oder Rhythmus wiederholt werden. Ohne diese Wiederholung sind Ornamente keine Ornamenten, sondern nur ein Motiv, das als Bild fungiert. Rhythmus sorgt für eine Erfahrung der Erkennung, gibt Ruhe und Überblick in einem größeren Ganzen. Im Rhythmus kann man eine bestimmte Struktur erkennen. Rhythmus ohne Struktur ist kein Rhythmus, sondern irgendetwas Unzusammenhängendes. Durch Wiederholung einer bestimmten Form entsteht ein Muster oder eine Struktur und damit auch einen Rhythmus. Aber auch draußen in der Natur sieht man die Strukturen überall; wie die Blätter an einem Baum wachsen, wie die Äste eines Baumes sich verzweigen, wie viele Blütenblätter an einer Blüte wachsen usw. Diese Strukturen entsprechen fast alle den Anforderungen eines bestimmten Gesetzes; die des Goldenen Schnittes. Die Samen im Blumenkopf einer Sonnenblume sind in zwei verschiedene Richtungen spiralartig aufgebaut. Zählen wir diese Spiralen, dann ergeben sich zwei verschiedene Zahlen. Zum Beispiel 21 und 34. Die Struktur der Blume ist auf zwei aufeinanderfolgende Zahlen der Fibonacci-Folge basiert. Auch die Ordnung von Ästen an bestimmten Bäumen, die Anzahl von Blütenblättern von einer großen Anzahl Blumen und in der Form verschiedener Blätter kann man Zahlen dieser Folge wiederfinden. Es ist so, dass alles, was nach dem goldenen Schnitt aufgebaut ist, nach unser Auge schöner aussieht als irgendetwas, was nicht laut dieses Gesetz aufgebaut ist. Ornamente gibt es schon lange, aber es gab zwischendurch eine Zeit, in der Ornamentik abgelehnt wurde.

Ein Vertreter dieser Kritik am Ornament war Adolf Loos. Er war der Meinung, dass die Architektur durch die Vernunft bestimmt werden müsse. Überflüssige Ornamente sollten gestrichen werden. Die Standpunkte von Adolf Loos sind bestimmend für die moderne Architektur des Funktionalismus, dessen wichtigster Spruch ‚form follows function‘ war. Im Funktionalismus sollten Konstruktion und Gestalt bestimmt werden durch die Funktion der Gebäude. Alle äußerlichen Merkmale sollten eine Widerspiegelung der funktionellen Elemente sein. Schönheit hat also an sich kein Ziel. Darum fehlen Ornamente und Dekorationen, die keine Funktion für das Gebäude haben. Ab einem bestimmten Zeitpunkt gab es keine wirklich neuen Motive innerhalb der Ornamentik mehr. Alle ‚neuen‘ Ornamente, die gemacht wurden, waren eigentlich nur noch Wiederholungen der Motive, die es schon immer gab, vielleicht mit ein paar kleinen Änderungen. Als Reaktion auf die Aussagen von Adolf Loos entstand die abstrakte Kunst. Man wollte keine ‚hübschen‘ Muster und Ornamente mehr. So entstanden verschiedene Bewegungen, die nicht mehr das Schwerpunkt auf Schönheit legten, sondern auf die notwendigen Elemente oder sogenannte ‚Gestaltungsmittel‘.

Ich habe herausgefunden, dass es verschiedene Regeln gibt, denen Ornamente entsprechen sollen damit sie ‚stimmen‘. Ornamente sollen aus mehreren Elementen aufgebaut sein. Wenn sie aus weniger Elementen aufgebaut sind, wirken sie langweilig. Zu viele Elemente sorgen dafür, dass sie zu unruhig oder zu hektisch wirken. Ruhe ist sehr wichtig in der Ornamentik. Das heißt: Vereinfachung geht nur bis zu einem bestimmten Punkt. Zu viel vereinfachen, also zu wenig Elemente, sorgt dafür, dass sie nicht gut funktionieren. Die Basisstruktur eines Ornaments ist sehr wichtig. Dadurch kann ein sehr kompliziertes Muster zu seinem Ursprung, zu seiner Grundform reduziert werden.