Carolin Denter BFA

Bachelor-Thesis: "Kitsch"

Betreuung: Prof. Theo Smeets und Prof. Ute Eitzenhöfer

Slideshow

Zusammenfassung

Kitsch wurde lange Zeit gleichgesetzt mit dem Verlangen nach Liebe, Harmonie, Versöhnung und dem Wunsch nach Einfachheit. Abgewertet von der Gesellschaft, vor allem einer gebildeten Elite, gewann sie im Laufe der Jahre den Ruf künstlich und verlogen zu sein. Es galt als leichtes Vergnügen. Kitsch wendet sich auf den ersten Blick betrachtet von einer erlebbaren Realität ab und kratzt nur an deren Oberfläche. Kitsch gibt es nur, weil es unsere menschlichen Emotionen gibt und ein Bedürfnis nach etwas, das diese nach außen transportieren kann und diese anderen sichtbar und begreiflich macht. 

Ich selbst bin ein sehr emotionaler Mensch. Mir ist definitiv bewusst, dass es verschiedene Qualitäten von Kitsch gibt. Ich lasse mich oftmals einfach gerne trotz besseren Wissens mitnehmen in eine unreale Realität. Ich habe nicht das Bedürfnis, meine Umgebung ständig zu analysieren und zu Hinterfragen. Manchmal versinke ich gerne in ästhetischer Selbstvergessenheit. Ich lasse mich von Schönheit beeindrucken, lasse mich gerne von einem rührseligen oder dramatischen Spektakel beeinflussen, so kann ich, auf kontrollierte Art und Weise, Horror, Trauer oder Liebe empfinden, ohne ein wirkliches Risiko einzugehen oder einen persönlichen Verlust zu erleiden. Der Reiz des Kitsches liegt für mich in eben der Künstlichkeit die ihm so oft zum Vorwurf gemacht wird. Für mich ist die Anspruchslosigkeit eines Objektes, das zur rein ästhetischen Freude oder nur mit Symbolkraft aufgeladen ist durchaus ansprechend. 

Ich selbst verwende Kitsch Materialien und doch sind meine Arbeiten kein Kitsch. Meine Arbeiten sind Unikate und keine Massenware. Ich habe das verlangen mich als Künstler in meinen Arbeiten auszudrücken, das heißt mein Bestreben nach künstlerischem Ausdruck ist in meinen Arbeiten vorhanden. Ich nutze wertige Materialien und am Körper getragen, soll mein Schmuck zu Konversationen anregen. Also sind die Qualitätskriterien die Kunst zu Kunst machen gegeben. Wo liegen dann die Kriterien die meine Stücke zu Kitsch machen? Bleiben wir am Körper. Mein Schmuck ist sehr ästhetisch. Es ist mir wichtig, dass er seinen Träger schmückt, schöner macht, die Betonung soll sowohl auf dem Schmuckstück als auch auf den ästhetischen Vorzügen des Trägers liegen. 

Ich möchte, dass der Träger, sich mit dem Stück wohlfühlt. Er soll es genießen, es schön finden. Mein intuitives Arbeiten gibt jedem meiner Stücke ein besonderes Gefühl mit auf den Weg. Meine Stücke sind für mich selbst oft emotionsgeladen, gebe ich sie aber an den Träger weiter, sollen sie für diese nicht bloßen Souvenirgegenstände sein. Ich möchte den Träger dazu animieren den Schmuck zu tragen und in mit eigenen Erlebnissen und Emotionen zu verknüpfen. Mein Schmuck bekommt immer einen Teil von mir mit auf den Weg, soll aber Teil des Lebens einer anderen Person werden. 

Dadurch, dass unser Gehirn Gerüche, Gefühle und auch Objekte mit Emotionen auflädt, ist ein Objekt das wir, wie Schmuck, täglich oder zumindest regelmäßig so nah an unserem Körper tragen, prädestiniert dafür Emotionen auszulösen, man denke an Eheringe, das Medallion der Großmutter oder ein Paar Perlenohrstecker gekauft für den ersten Arbeitstag. Für uns sind diese emotionsbeladenen Objekte schon Teil des Alltags, was mich wiederum animiert Alltagsobjekte in meinem Schmuck zu verwenden. Ich frage mich nun gegen Ende, wie sinnvoll ist es überhaupt, zwischen „echten“ und „unechten“ Gefühlen zu unterscheiden? Sowohl echte als auch unechte Gefühle haben Folgen. Ein Mensch sollte von seinen eigenen Wünschen und Sehnsüchten angetrieben sein. Wir alle sehnen uns heutzutage nach einer heilen Welt. 

Mit dem Kitsch kann man sich das aneignen, was einem Erwachsenen in unserer Gesellschaft eigentlich nicht mehr erlaubt ist. Ein Sinn für das Naive, das geborgene das bunte, für Heimat. Kitsch ist Ausdruck der Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.