Anna Storck BFA

Bachelor-Thesis: "VERÄNDERUNG ALS EINZIGE KONSTANTE"

Betreuung: Prof. Theo Smeets , Prof. Ute Eitzenhöfer

Slideshow

Zusammenfassung

SCHMUCK – PERSÖNLICHKEIT – VERÄNDERUNG

„Fakt ist, dass weder die Erde, noch ihre Bewohner oder alles drum herum je aufhören sich zu wandeln, was mich zu dem Schluss bringt, dass das einzig wirklich Konstante die Veränderung ist.“

Mit diesem Satz habe ich den theoretischen Teil meiner Bachelorarbeit beendet. In den letzten Monaten, während ich mich der Praxis gewidmet habe, hatte ich noch sehr viel Zeit, um über diese Theorie nachzudenken und mich zu fragen, was genau das für meine Schmuckstücke bedeutet und wie ich die diese Aussage in ihre Gestaltung mit einfließen lassen kann.

Diese Zeit der Thesis war eine eher schwierige für mich, da ich die Verbindung zwischen meiner theoretischen und meiner praktischen Arbeit zwar irgendwie sehen, jedoch nicht in Worte fassen oder sonst irgendwie verdeutlichen konnte. Es war eher so, dass mich beim Lesen dessen was ich geschrieben hatte, dasselbe Gefühl befiel, wie beim Erschaffen, Tragen oder Betrachten der, langsam Gestalt annehmenden Schmuckstücke. Immer wieder hatte ich das Gefühl festzustecken ohne zu wissen worin. Nicht wirklich zu verstehen was meine Arbeit bedeutet, was sie mir sagt, hat mich lange blockiert und egal was ich auch versucht habe, habe ich die Ringe, Anstecker und all die anderen Dinge zwar jedes für sich geliebt, aber keines konnte mich wirklich zufriedenstellen.

In einer Nacht lag ich wach und habe mir immer und immer wieder die Frage gestellt was ich mache, wenn dieser Knoten nicht bald platzt. Den ganzen Tag hatte ich gezeichnet, abstrakte Formen und Skizzen von fertigen Stücken, um neue Wege und Ideen zu finden. Etwas, dass aus meinen Schmuckstücken mehr macht, als nur hübsche Dekoration. Irgendwann habe ich aufgegeben, den Computer ausgeschaltet, den Stift weggeschmissen und bin einfach ins Bett. Da war ich nun und fragte mich am laufenden Band: „Was tust du hier eigentlich? Was ist mit dir passiert? Wann bist du zu einem Menschen geworden der sich auf Gedeih und Verderb nicht ausdrücken kann?“ Ich habe mich gefragt wer und was ich eigentlich bin, nach drei Jahren in dieser Stadt, an dieser Schule. Ein Teil von mir scheint wohl auf der Strecke geblieben zu sein und um meine Arbeiten zu verstehen ist es nötig, mich selbst zu verstehen. Wenn ich etwas Neues entwickeln will, Schmuck, der etwas zu sagen hat, dann ist es wichtig in diesem Prozess ich selbst und mir dessen auch bewusst zu sein.

Nachdem ich mir darüber klar geworden bin ist es nun naheliegend mir die Frage zu stellen, was Schmuck für mich persönlich eigentlich bedeutet. Warum trage ich nie Schmuck, wann habe ich damit aufgehört und welche Stücke hole ich dann doch mal aus der Schublade, wenn mir danach ist? Da wäre eine silberne Schlangenkette an der ein Medaillon und ein Kreuzchen hängen. Die Kette (mit einem Anhänger) hat mir meine Mutter an meinem 18. Geburtstag gekauft, als wir spontan in die Stadt gefahren sind und uns einen schönen Tag gemacht haben. Das Kreuzchen haben wir zur Erstkommunion gekauft und das Medaillon war mein erstes komplizierteres Schmuckstück, auf dessen Fertigstellung ich sehr stolz war und in dem ich ein Bild von meinem Vater aufbewahre.
Dann ist da noch eine meiner Rahmenbroschen, eine schwarze und die Erste die ich damals, als eine technische Übung, fertiggestellt habe. Sie ist eigentlich unausgereift und hat einige Mäkel, aber sie ist einzigartig und jedes Mal wenn ich sie trage habe ich das Gefühl, dass ich durch das, was ich daran gelernt habe, worüber ich mich geärgert habe und wie stolz ich war, als sie endlich fertig war und funktionierte, eine Verbindung zu ihr aufgebaut habe.
In meiner Schmuckschatulle finden sich viele Stücke und auch wenn ich sie lange nicht mehr trage (vieles ist billiger Modeschmuck) so bringe ich es nicht übers Herz sie wegzutun. Denn jedes Mal wenn ich die einzelnen Ohrstecker oder angelaufenen Ketten ansehe, erinnere ich mich bei jedem einzelnen Teil daran wo ich es gekauft habe, wer es mir geschenkt hat, zu welchem Anlass ich es getragen habe. An sehr glückliche und sehr traurige Tage und sie zeigen mir Erinnerungen, die ich ohne sie längst vergessen hätte. Mit diesen Erinnerungen zeigen sie mir auch wer ich war, als ich sie trug. Die Dinge in diesem Kästchen zeigen mir meine eigene Entwicklung, die Veränderungen, gute wie schlechte in mir und meinem Umfeld und sie ermöglichen es mir, mich selbst reflektiert zu betrachten und die Verbindung zu mir selbst, die Essenz die trotz aller Entwicklungen bleibt, nie ganz zu verlieren.

Das, was ich hier beschreibe, trifft vielleicht auch auf andere Dinge zu die ich besitze, aber nichts ist so stark mit mir, meinem Charakter und meinen Erinnerungen verbunden, wie der Schmuck den ich getragen habe. Es ist, als wäre ein bisschen von meinem Leben, meiner Vergangenheit an ihnen haften geblieben.

In diesen Gedanken finde ich letztlich die Antwort, die ich seit Wochen suche und von der ich wünschte, dass ich früher auf sie gestoßen wäre. Gewiss symbolisiert die Machart der Stücke eine Art von Veränderung und die Entstehung von etwas Neuem aus Vergänglichkeit. Und die Materialien, Silber und Stein, die schmelzen, aushärten, zerbrechen, sich verbinden und wieder verlieren, spiegeln die Prozesse, die überall um uns herum in viel größerem Maßstab und Zeitraum ablaufen. Aber die wirkliche Verbindung ist die in den Menschen. Das, wonach ich in meinen Stücken immer suche, kann ich ihnen nur bedingt geben, indem ich in jedes einzelne meine Zeit, mein Wissen und das Potential für mehr lege. Dann müssen sie hinaus in die Welt gehen und für ihre Träger das sein, was die Teile in meinem Schmuckkasten für mich sind. Ein Speicher für Gefühle, ein Spiegel der eigenen Vergangenheit und eine Erinnerung an die Veränderungen die wir im Laufe unseres Lebens durchmachen.

back-to-top nach oben