Stefanie Talhammer BFA

Bachelor-Thesis: "Mensch-Objekt-Mensch"

Betreuung: Prof. Ute Eitzenhöfer

Slideshow

Zusammenfassung

In meiner theoretischen Arbeit habe ich mich mit dem Wert des Herstellungsprozesses für den Schöpfer, das Stück und letztlich für den Rezipient auseinandergesetzt. Durch diesen sehr  intensiven  Prozess  verleiht  der  Schöpfer  seinem  Stück  eine  besondere  Aura, wodurch die Kommunikationsfähigkeit des Objektes mit dessen Umfeld verstärkt wird. Walter Benjamin beschreibt die Aura als eine einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag. Sie existiere nur im Hier und Jetzt. Im besten Fall erlangt das Objekt den Zustand der Unnahbarkeit, Echtheit und Einzigartigkeit1 und kann so von sich überzeugen. Nun mag der Zustand der Unnahbarkeit für Schmuck unpassend klingen, da Schmuck im direkten Bezug zum Körper steht. Doch fasse ich den Zustand der Unnahbarkeit als einen auf, der etwas mystisches, nicht greif- oder begreifbares in sich birgt. Etwas Merkwürdiges, das Interesse weckt. Es war mir wichtig, dass meine Leidenschaft und meine Freude am Herstellen, in meinen Stücken sichtbar ist. Sie sollten Wiedererkennungswert haben und auch ein Stück meiner Persönlichkeit widerspiegeln. Durch den gesamten Prozess wollte ich meinen Stücken eine Aura verleihen, mit der sie für sich selbst sprechen können aber dem Rezipient genügend Freiraum zur Interpretation lassen. Wenn ich nun meine Stücke betrachte, kann ich einige dieser Aspekte in ihnen erkennen. Jedes Stück hat besondere kleine Details, die ich sehr an ihnen mag, weil sie für sich sprechen und das Stück einzigartig machen und ich kann in jedem Stück einen kleinen Teil meiner Persönlichkeit erkennen.

 

„Wer von dem Gedanken besessen ist, alles vollkommen richtig zu machen, deformiert damit möglicherweise seine Arbeit“

 

Dieses Zitat von Richard Sennet musste ich mir häufig wieder ins Gedächtnis rufen. Mit der Zeit habe ich gemerkt, welche Wichtigkeit diese Aussage tatsächlich hat und wie erleichternd und hilfreich es sein kann, sich diesen Satz ab und zu wieder in den Kopf zu rufen. Ich hatte des öfteren Schwierigkeiten ein Stück fertig zu stellen, da ich die für mich „richtige Lösung“ noch nicht gefunden hatte. Doch meistens handelt es sich nur um die Angst etwas „fertig“ zu machen und es später nicht nochmal verändern zu können. Jedoch gibt es keine „richtige“ oder „falsche“ Lösung, sondern eben nur die, für die man sich in diesem Moment entscheidet. Und diese Entscheidung ist nur eine unter vielen, die ich schon getroffen habe oder noch treffen werde. Auch wenn ich zurückblickend vielleicht ein paar Dinge anders machen würde, bin ich mit meiner Kollektion sehr zufrieden. Sowohl beim theoretischen und vor Allem beim praktischen Teil meiner Bachelorarbeit habe ich sehr viel über mich selbst gelernt. Ich habe gelernt, auf mein eigenes Urteil zu vertrauen und bewusst Entscheidungen zu treffen. All meine Handlungen und Entscheidungen sind wichtige Lernprozesse, die mich zu dem Menschen machen, der ich bin. Als ich vor vier Jahren mein Studium in Idar-Oberstein begonnen habe, hätte ich niemals erwartet, dass am Ende so etwas herauskommt. Auch wenn es mir oft schwer fiel und ich das Gefühl hatte, mich in einer Sackgasse zu befinden, sowohl in meiner künstlerischen als auch in meiner persönlichen Entwicklung hat mich dieses Studium, diese Stadt und vor Allem die Leute sehr viel weitergebracht und ich bin wirklich stolz und sehr dankbar dafür, dass ich diese einzigartige Erfahrung machen durfte!

Manchmal gerät man in Sackgassen, die einem die Orientierung nehmen und vom Weg abkommen lassen. Doch nur dort erfährt und sieht man die schönen, tollen oder auch merkwürdigen Dinge von denen man am meisten schöpfen kann, die einem auf direktem Weg verborgen bleiben würden.

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