Kun Zhang BFA

Bachelor-Thesis: "Andenken - Treffen mit dem antiken und modernen Kopfschmuck"

Betreuung: Prof. Theo Smeets, Prof. Ute Eitzenhöfer

Slideshow

Zusammenfassung

Haar- und Kopfschmuck sind sehr wichtige Bestandteile des Schmucks im antiken China. Er versinnbildlicht den Respekt gegenüber den Eltern. Da man den Körper und die Haare von den Eltern bekommen hat, dürfen diese aus Respekt gegenüber den Eltern keinen Schaden erleiden. Wenn der Körper und die Haare verletzt werden, wird dies als unehrenhaftes Verhalten angesehen. Es ist Ausdruck kindlicher Pietät gegenüber den Eltern und Ahnen, auf die Unversehrtheit des Körpers und der Haare zu achten. Unsere Vorfahren glaubten, dass die Haare dem Leben gleichgestellt sind und verbinden die Haare mit kindlicher Pietät. Die Haare sind so wichtig in China, weil sie im Kontext der traditionell loyalen und respektvollen konfuzianischen Sittenlehre stehen.

Durch meine Recherchen zum antiken chinesischen Kopfschmuck habe ich die Entwicklung der Frisur und des Haarschmucks nachvollziehen können. Ich verstehe jetzt, wieso der Haarschmuck heute diese Form und Aussehen hat. Ich habe erkannt,  dass für die populäre Frisur der Moderne der alte Kopfschmuck sehr unpraktisch ist. Diese Art von traditionellem Kopfschmuck hat sich nur noch in einigen Minderheiten erhalten. Diese Situation finde ich persönlich sehr schade. Der traditionelle Kopfschmuck ist fast nicht weiterentwickelt, sondern ist von industriellen Produkten ersetzt worden.

Die Haare sind für mich etwas sehr Besonderes. Ich würde niemals meine Haare wellen lassen. Meine Vorstellung von bestimmten Sachen ist manchmal sehr konservativ:  „Der Körper und die Haare der Person hat man von den Eltern bekommen, sie dürfen keine Verletzung erleiden.“[i] Diese Satz habe ich nicht in der Schule gelernt, aber trotzdem habe ich die Überzeugung, dass ich meinen ganzen Körper von meinen Eltern bekommen habe und daher respektvoll behandeln sollte.  Wenn irgendwelche Sachen meinen Körper oder Gesundheit verletzen, lehne ich dies unbedingt ab.

 

Solche Gedanken gelten bei jungen Leute der chinesischen Gegenwart, generell in unserer jungen Gesellschaft als sehr konservativ und veraltet. Die Menschen haben jetzt alle Freiheit: Sie können ihre Haare wellen lassen, sie können Schmuck tragen, sie können ihr Aussehen verändern wie sie möchten. Doch sollte man meiner Ansicht anch nicht vergessen, dass die Entwicklung der Höflichkeit, des Geistes und der materiellen Zivilisation  einen wichtigen Einfluss auf dieses Land und unser Leben haben.

 

Ich habe viel über den antiken Haarschmuck nachgedacht. Diese Art von Schmuck ist dem Körper und den Haaren sehr nahe. Ich möchte selbst mit meinen Händen den Schmuck machen. Durch die Arbeit an diesem Schmuck empfinde ich mich tiefer im Kontakt zwischen dem Schmuck und den Menschen. Aus dieser Erfahrung heraus, möchte ich versuchen, neuen Kopfschmuck zu entwickeln.

Das von mir verwendete Material Jade hat eine lange Geschichte in China. Auch heutzutage ist Jade noch immer sehr populär und wichtig. Es gibt verschiedenen Sorten von Jade. Für meine Abschlussarbeit habe ich russischen Nephrit ausgesucht. Viele Leute tragen heute Jadeschmuck. Jade gilt für viele Chinesen auch heute noch als besonders und heilig. Meistens wird  Jade heute in traditionelle Formen verarbeitet. Jade sind heilige Steine für chinesische Kultur. Ich persönlich kann nicht verstehen, wieso wir immer die gleichen Sachen machen mit einem in unserer Kultur so bedeutenden Stein. Zumal Jade auch immer seltener wird, da bei den Ausgrabungen viel weniger als früher gefunden wird. Das bedeutet, es wird der Tag kommen, an dem alle Jade verbraucht sein wird. Daher habe ich Nephrit ausgewählt, weil ich versuchen möchte, eine Alternative zu finden bevor diese Situation eintreten wird.

 

Alte Vasen inspirierten die Form meines Kopfschmucks, die ich dann weiterentwickele. Eine Vase ist für mich ein Behälter, der eine ursprüngliche Form hat und sehr praktisch ist. Die Bedeutung der Vase ist in der alten Zeit heil und gesund. Ich nutze die Form von den alten Gefäßen, weil ich diese alte Bedeutung durch meine Arbeite fortdauern möchte. Obwohl ich die Form von der Vase geändert und entwickelt habe, hat meine jede Haarnadel aber die Hoffnung „friedlich“ beinhaltet.  Ich denke nicht nur an die Geschichte, sondern auch an die Gegenwart, und was wir verloren haben. Die Vase drückt für mich auch Toleranz aus, weil die Raum in der Vase sehr ausgedehnt und die Vase viele enthalten kann, z.B. das Wasser und verschiedene Blumen. Das hat die Form alles geschienen. Dieses großzügige Gefühl finde ich für den Entwicklungsprozess und auch für meine Arbeite sehr wichtig. Ich habe die Hoffnung für die Zukunft, dass mehr Menschen auf ihre heimatliche Kultur  und Geschichte zurückschauen, und die Frage stellen: Was ist richtige Entwicklung?

 

Materialien und Gestaltung sind Erscheinungsformen der jeweiligen Zeit in der wir leben. Was wichtig ist, übermittelt die Arbeit, das Gefühl, welches ich in den Schmuck hineinlege. Meine Arbeit enthält zwei Teile: Das Eine ist die Funktion - man kann durch die Haarnadeln die Haare festmachen -, das Andere ist der Schmuck, die Dekoration des Kopfes.

 

Kunst kann eine Art vom Kulturaustausch und eine Verbindung zwischen verschiedenen Ländern sein. Ich hoffe, dass meine Stücke Kulturträger sein können. Mein Thema behandelt das Andenken an verschwundene Sachen.

 

Daher  möchte ich durch meine Arbeit eine Haltung ausdrücken:

 

Die ganze Welt sieht Chinas lange Geschichte und Kultur, die seit tausenden Jahren besteht.  Ich bin als Chinesin in diese Kultur hineingeboren und damit aufgewachsen. Doch finde ich, dass die alte Tradition und Kultur mehr und mehr verschwindet und in Vergessenheit gerät. Teil der chinesischen Geschichte war geprägt durch die Tatsache, dass China abgeriegelt oder halb abgeriegelt war. Dadurch haben sich die Menschen auf unser Land konzentriert. In der gegenwärtigen Lage erlebt China eine Situation, in der die Chinesen mit dem Westen kommunizieren und austauschen müssen.

 

Als eine Chinesin möchte ich sagen, dass im gegenwärtigen China häufig so gedacht wird: Wir schauen nach dem Westen, gehen in den Westen und folgen dem Westen auch in kultureller Hinsicht. Das Ergebnis ist Nachmachen und Kopieren. Ein Maler hat gesagt, die Realität von einem chinesische Ölbild ist, dass wir die Tür nicht öffnen, sondern zumachen sollen. Wir sollen nicht in die Welt hinausgehen, sondern zurück nach China. In Bezug auf den künstlerischen Schmuck habe ich eine ähnliche Meinung. Wir kommen in die westliche Kultur, um zu lernen. Dies bedeutet, dass wir uns nicht nur mit Äußeren beschäftigen, sondern auch lernen wie die Menschen im Westen lernen. Wir lernen etwas in und über die fremde Kultur und gehen danach wieder zurück in unsere Kultur und entwickeln unsere „alte Kultur“ dann weiter.

 

Die Situation in China ist speziell. Wir sollen immer lernen und vergleichen, und danach unsere Kultur anschauen. Dann können wir wissen, ob wir wirklich uns an eine ähnliche Entwicklung anpassen wollen. Meiner Ansicht ist es wichtig, nicht alles nachzumachen, was der Westen vorgemacht hat. Ich habe eine gute Chance. Ich war nach Deutschland gekommen, um zu studieren. Ich hatte die Möglichkeit, aus meiner ursprünglichen Umgebung zu springen und aus der Distanz heraus auf unsere Geschichte, Kultur und Entwicklung zurückzuschauen.

Die Leute leben im Moment. Ich finde, unsere Kultur ist nicht besser oder schlechter als eine andere Kultur.  Es braucht nur Verständigung und Erkenntnis.

back-to-top nach oben