Katharina Reimann BA

Bachelor-Thesis: "Heimat"

Betreuung: Prof. Theo Smeets, Julia Wild

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Zusammenfassung

Im theoretischen Teil meiner Bachelorarbeit beschäftige ich mich mit dem Heimatbegriff im Allgemeinen, mit meinem persönlichen Heimatbegriff und den Themen Kitsch, (neuer) Biedermeier und Erinnerung.

Heimat kann laut zeitgenössischer Heimatforscher nicht als die bloße passive Gefühlslage hingenommen werden, sondern soll viel mehr aktiv zur Gestaltung menschenwürdiger Verhältnisse genutzt werden. Heimat soll nicht lokal begrenzt sein und die Unterschiede der Menschen noch untermauern (typisch, deutsch, typisch türkisch und so weiter), sondern eher in einer globalen Welt denkend, offen für Austausch und Integration, helfen eine gemeinsame

Heimat zu erschaffen.

Heimat für mich ist Vertrautheit, Geborgenheit, Liebe, Wärme, aber auch ein Platz zum Ausbreiten und Wohlfühlen. Das heißt allerdings nicht, dass an diesem Ort die pure Harmonie herrscht. Es ist auch ein Ort an dem hitzige Diskussionen und leidenschaftliche Wortgefechte ausgetragen werden, an dem Unverständnis und Enge zuhause sind. Was mich aber an meiner Heimat und den von mir in diese miteinbezogenen Menschen fasziniert, ist, dass so unterschiedliche, vom Leben gebeutelte Charaktere sich zusammenraufen und sich gegenseitige Liebe und Respekt zukommen lassen, anstatt sich als Verband aufzulösen und den für das Individuum bequemsten Weg zu gehen.

Durch die Verwendung von kitschigen Materialien in meiner Arbeit musste ich mich zwangsläufig mit dem Thema Kitsch auseinandersetzen. Ich kann Kitsch aus vergangener Zeit etwas abgewinnen, vergangene Muster wiederbeleben und sie durch Reduktion oder Addition wieder für mich geltend machen und ihnen damit ihre Kitschigkeit nehmen. Indem ich Bruch- und Teilstücke zeige, die Dinge sich überschneiden und überlagern lasse und damit dem Betrachter nicht auf die besondere „Schönheit“ des einzelnen, sondern die Komplexität des Gesamten aufmerksam mache, verschwindet der Kitsch und etwas eigenständiges neues Ganzes entsteht aus alten Einzelteilen.

In den letzten Jahren entstand eine neue neokonservative Generation, die Wert auf heimatliche Idylle, familiäres Zusammenleben, berufliche Sicherheit und zwischenmenschliche Beziehungen legt. Nach meinem Gefühl habe ich wenig mit diesen Generationen gemein, allerdings bin auch ich auf der Suche nach Heimat, habe Zukunftsängste und hoffe auf ein gutes Leben. Meine Stücke, wie zum Beispiel die Kette aus Spitzendeckchen und die Kragen aus den guten Porzellantellern transportieren auf den ersten oder zweiten Blick auch das Gefühl der Geborgenheit, oder auch das Gefühl der Enge. Heimat ist ein großer Bestandteil der Thematik des (neuen) Biedermeiers, und Heimat ist mein Hauptthema. Deshalb lassen sich, ob ich möchte oder nicht, doch einige Parallelen ziehen.

Heimat bedeutet für mich Erinnerung an Menschen und Begebenheiten, aber auch das Erzählen und Weitergeben von Geschichten. In vielen Büchern zum Thema Erinnerung musste ich immer wieder lesen, wie falsch unsere Erinnerung an Menschen, Begebenheiten oder Erzählungen sind, dies hat mich immer öfter zweifeln lassen, ob die mir überlieferten Geschichten Wirklichkeit sind. Aber nach diesen Zweifeln ist mir bewusst geworden, dass es überhaupt nicht wichtig ist, inwieweit meine Erinnerungen und die von Anderen, mir Nahestehenden wirklich richtig sind. Wichtig ist nur, dass sie meine Familie zusammenhalten.

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