Gestaltung
Edelstein und Schmuck
englisch

Prof. Ute Eitzenhöfer

Lebenslauf

  • geboren 1969 in Bruchsal (DE)
  • 1988 – 1990 Goldschmiedeschule Pforzheim (DE)
  • 1990 – 1992 Goldschmiedelehre, Gesellenprüfung (DE)
  • 1992 – 1996 Hochschule für Gestaltung Pforzheim (DE), Studiengang Schmuck und Gerät, Diplom
  • seit 1996 freischaffend tätig
  • seit 2005 Professorin für Edelsteindesign an der Fachhochschule Trier, Fachbereich Gestaltung, Fachrichtung Edelstein- und Schmuckdesign, Idar-Oberstein (DE)
  • Lehraufträge an der Fachhochschule Trier, Fachbereich Edelstein- und Schmuckdesign, Idar-Oberstein (DE) und an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim, Studiengang Schmuck und Gerät (DE)
  • Einzelausstellungen in Deutschland und Holland
  • Beteiligung an nationalen und internationalen Ausstellungen

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Zu den Arbeiten von Ute Eitzenhöfer

Die Botschaft der Dinge

 Ute Eitzenhöfer setzt sich, philosophisch inspiriert und auf hohem intellektuellen Niveau, mit dem Phänomen Schmuck als künstlerischem Ausdrucksmittel auseinander. Sie stellt aufgrund ihres konzeptionellen Vorgehens das Schmuckstück in einen gedanklichen Kontext, der über den Aspekt des „Schmückens“ weit hinausgeht, der die Wirklichkeit von Welt forschend untersucht und daraus eigene Botschaften formuliert. Ausdrücklich bezieht sie sich auf Wittgensteins Satz „Alles was wir sehen, könnte auch anders sein.“ Und sie bezieht eindeutig Position, indem sie in der Art eines stillen Protestes den Verpackungsabfall am Ende des gesellschaftlichen Verwertungsprozesses, der vom hochwertigen weil verkaufsfördernden Eye-Catcher zum wertlosen Abfall abstürzt, vor der Vernichtung rettet, mit künstlerischen Mitteln seine immanenten poetischen Potenziale aufruft und zu einem werthaften Schmuckstück transformiert, das gleichzeitig Ausdruck und Bekenntnis einer Haltung zur Welt ist – für die Künstlerin sowie die Person, die sich damit ziert.

 Ute Eitzenhöfer bejaht den Bezug zum „Schmücken“ in ihrer Arbeit  prinzipiell und hinterfragt ihn zugleich kritisch insbesondere durch die Auswahl der verwendeten Materialien. Gold, Silber, Edelsteine, die traditionellen, Wert und Status, aber auch Schönheit symbolisierenden Werkstoffe im Schmuck setzt sie eher zurückhaltend, jedoch sehr pointiert ein, indem sie sie mit den Materialien der Alltagskultur kontrastiert. Dabei setzt sie sich kritisch mit der Haltung des Wegwerfens im Überfluss auseinander, indem sie üblicherweise als wertlos erachtetem Material die Ehre der Arbeit zukommen lässt und es so gleichsam rehabilitiert.

 Bei ihrem Schmuck aus Kunststoff reflektiert sie allerdings nicht nur das Ausgangsmaterial hinsichtlich seiner Werthaftigkeit und hinsichtlich des gesellschaftlichen Prozesses seiner Ver- und Entwertung, sondern untersucht auch die vorfindlichen ästhetischen Qualitäten und symbolischen Botschaften, indem sie Teile, beispielsweise Verschlusskappen von Schampooflaschen herausstellt und bearbeitet. Sie entwickelt dabei eine vielschichtige Palette von symbolhaften Zeichen, die für eine philosophische, soziologische oder auch psychologische Deutung bereitstehen. Für Ute Eitzenhöfer hat beispielsweise der vergängliche Charakter des Kunststoffs, seine absehbare Auflösung und seine relativ absehbare Halbwertzeit eine herausragende Bedeutung, die sich nicht nur durch die gegebenen gesellschaftlichen Verwertungsketten darstellen, sondern die dem Kunststoff auch prinzipiell eignen. Durch die kontrastierende Kombination mit edlen, aber auch beständigen Materialien, insbesondere mit Steinen oder Gold akzentuiert sie den passageren, vergänglichen Charakter des Kunststoffs und der Kunststoffwelt, aber auch ihrer Bewohner und deren Schmucks. Das Schmuckstück als Ganzes geht in einem Prozess der Aussöhnung mit der Natur ein in den Kreislauf der natürlichen Sukzession, zurückbleiben als kostbare Zeichen der Erinnerung Edelsteine oder Gold.

Es ist eine ganzheitliche sinnliche Ebene jenseits des Wortes und auch der augenscheinlichen Wahrnehmung, die Ute Eitzenhöfer mit ihrem Werk anstrebt.

 

Wilhelm Lindemann, Kulturreferent, Stadt Idar-Oberstein

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Arbeiten in Öffentlichen Sammlungen

  • Alice und Louis Koch Collection (CH)
  • The Marzee Collection, Nijmegen (NL)
  • CODA Museum, Apeldoorn (NL)
  • Schmuckmuseum, Pforzheim (DE)
  • Museum für angewandte Kunst, Frankfurt/M. (DE)

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Lehrkonzept: Offenheit als Grundlage jeder kreativen Tätigkeit

Die Formulierung des Selbstverständnisses von Gestalterinnen und Gestaltern, also die Frage nach dem Wesen der Gestaltung steht an erster Stelle des Studienfachs. Die Erforschung der Gestaltungskriterien unter ästhetischen, ökonomischen und ethischen Gesichtspunkten und Offenheit als Grundlage jeder kreativen Tätigkeit dienen dazu, ein kritisches Bewusstsein zu bilden und dieses zu formulieren.

Neben der künstlerich-experimentellen oder systematischen Auseinandersetzung mit Edelstein und seinen Eigenschaften wird seine Rolle im Schmuck und in der Gesellschaft hinterfragt. In den Studienprojekten geht es im Hinblick auf die spätere gestalterische Tätigkeit ebenso um die selbstständige Weiterentwicklung von Lehrinhalten, das Analysieren, Reflektieren und Herstellen der theoretischen und praktischen Bezüge von Edelstein und Schmuck, wie um Eigeninitiative, das Einordnen von Erfahrungen und die Grenzen der Gestaltung.

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16. September 2014

 

 +49 (0) 6781/9463-14

 eitzenho@hochschule-trier.de